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  • 02.10.2017
  • von Tobias Gutsche

Potsdam Royals: Krönung für die Königlichen

von Tobias Gutsche

Oben angekommen. Royals-Center Sebastian Matthews bejubelte am Samstag den Aufstieg seiner Mannschaft in die erste Liga. Als einziger Akteur gehörte er seit 2005 in allen Saisons der Potsdamer Footballer zum Mannschaftskader. Foto: Ronny Budweth

Ungeschlagen sind die Potsdam Royals in Deutschlands erste American-Football-Liga aufgestiegen. Das abschließende Heimduell fand vor einer Royals-Rekordkulisse statt. Diese und der sportliche Erfolg veranlassten, einen "Ruf ins Rathaus" zu richten.

18.07 Uhr zeigte am Samstag die große Anzeigentafel im Stadion Luftschiffhafen, als der Punkt hinter ein neues Kapitel Potsdamer Sportgeschichte gesetzt wurde. Es war der Augenblick, in dem die brandenburgische Landeshauptstadt ganz offiziell einen weiteren Erstligisten hinzubekam. Denn: Nach dem 55:12 im Hinspiel gewannen die American Footballer der Potsdam Royals auch daheim den Relegationsvergleich mit den Berlin Adlern 42:7 und dürfen aufsteigen. Die Krönung für die Königlichen. Alle 16 Saisonpartien haben sie siegreich gestaltet, nun geht es als verdienter Lohn im Schloss des deutschen Footballs erstmalig nach oben in die Beletage.

Bei den vorgestrigen Feierlichkeiten blieb Michael Vogt natürlich nicht trocken. Wie schon mehrfach nach wegweisenden Erfolgen in diesem Jahr wurde der Royals-Cheftrainer von seinen Schützlingen mit einer Getränkedusche am Spielfeldrand bedacht. Pitschnass war er von Kopf bis Fuß. Und hinzu mischte Michael Vogt dann noch selbst ein paar Tränen. „Es ist einfach unglaublich schön, jetzt die erste Liga erreicht zu haben“, sagte Mister Football in Potsdam. Als 2005 der Anfang unter dem Dach des SC Potsdam gemacht wurde, war Vogt noch Spieler, seit 2007 ist er Coach. Er erlebte auf dem Platz und insbesondere an dessen Rand mit, wie die Royals eine imposante Entwicklung nahmen. Zweimal. Erst ging es als SCP-Abteilung steil bergauf, 2010 wurde die Zweitligazugehörigkeit erkämpft, doch der Trägerverein wollte damals die Startlizenz nicht wahrnehmen, woraufhin die Footballer von der Havel sich eigenständig neu gründeten und nach einem Jahr Zwangspause ab 2012 wieder ganz unten auf der Landesebene begannen.

Coach Vogt: "Auf uns wartet ein anderes Kaliber"

Es folgte der nächste Sturm empor mit vier Aufstiegen binnen sechs Saisons. „Das muss uns erst einmal jemand nachmachen“, meinte Sebastian Matthews, Potsdams Football-Fossil. Er ist der einzige Akteur, der seit 2005 bei allen Royals-Spieljahren zum Mannschaftskader gehörte. Der Center, der mit seinen Kollegen der Offensive Line den spielgestaltenden Quarterback vor dem Gegner beschützt, ist mittlerweile 34 Jahre alt. „Da will der Körper irgendwann auch nicht mehr“, weiß er um den Verschleiß in einer Kollisionssportart. Ob er nächste Saison sich wieder der Konkurrenz mit all seiner Kraft entgegenstellen wird, hat Matthews daher noch nicht entschieden. „Aber eigentlich“, sagte er, „muss ich das machen. Ich kann doch nicht in den Niederungen anfangen und dann aufhören, wenn es in die erste Liga geht.“

Dort werden die Royals – anders als diese Saison, in der fast nur Kantersiege gelangen – vor Herausforderungen stehen. „Auf uns wartet ein anderes Kaliber. Wir werden jedes Spiel hart arbeiten müssen, um überhaupt einen Erfolg feiern zu können“, prophezeite Cheftrainer Michael Vogt, der aber betonte: „Unsere Reise soll nicht zu Ende sein.“ Damit auch im Oberhaus für positive Schlagzeilen gesorgt wird, arbeitet der Verein intensiv an nötigen Voraussetzungen. Beispielsweise hinsichtlich des Teams. Leistungträger, vor allem die US-amerikanischen, sollen gehalten und Verstärkungen gewonnen werden. „Ein paar Neuigkeiten gibt es schon, aber die behalten wir noch für uns“, erklärte Michael Vogt. „Ich schaue positiv in die Zukunft.“

Zuschauerschnitt auf 1213 Besucher gesteigert

Das macht er nicht zuletzt wegen der immer größer werdenden Football-Begeisterung in Potsdam. Der Zuschauerschnitt bei den Heimspielen wurde erheblich im Vergleich zum Vorjahr, dem ersten am Luftschiffhafen, gesteigert. Von 836 Besuchern pro Partie wuchs er auf 1213 an. Nochmal mächtig nach oben getrieben wurde der Mittelwert am Samstag, als 2300 Zuschauer den Aufstieg der Royals vor Ort miterlebten und der bisherige Vereinsrekord damit um 800 Besucher übertroffen wurde. „Die Leute in Potsdam wollen uns sehen“, sagte Michael Vogt. „Es ist nicht so, dass wir uns die Geschichten ausdenken. Hier passiert eine ganze Menge.“

Und deshalb leitete Stephan Goericke den Ball weiter. Der Royals-Vorstandsvorsitzende stimmte den „Ruf ins Rathaus“ an, wiederholte seine Bitte um kommunale Unterstützung. Vor allem in Bezug auf eine Trainingsstätte. Aktuell absolvieren alle vier Mannschaften des Vereins ihre Einheiten kostenpflichtig auf dem BBIS-Sportgelände in Kleinmachnow, „doch wir wollen als Potsdamer Verein auch in Potsdam trainieren. Ich denke, dass ist unser gutes Recht“, so Goericke.

Suche nach einer Trainingsstätte und Sponsoren

Auf PNN-Anfrage machte die Stadtverwaltung wenig Mut, unterstrich grundsätzlich, dass in Potsdam nur sehr begrenzt Sportanlagen zur Verfügung stünden und diese „bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet“ seien. Immerhin konnte den Nutzungsanträgen der Royals für den Wintertrainingsbetrieb zu 100 Prozent mit umfangreichen Hallenzeiten entsprochen werden. „Darüber sind wir sehr froh“, entgegnete Goericke. „Aber wir denken natürlich an die nächste Saison, für die wir gerne vernünftige Trainingsmöglichkeiten hätten, ohne bis nach Kleinmachnow zu fahren.“ Zumindest etwas Bewegung in die richtige Richtung gebe es, da der SC Potsdam in Aussicht stelle, die Royals-Kindertruppe während seiner Übungszeiten unterzubringen. „Fehlt allerdings noch eine Lösung für unsere A- und B-Jugend sowie die Männer.“

Neben der Sportplatzsituation steht für die kommenden Wochen auch weiter die Suche nach Sponsoren auf der Agenda des Clubpräsidenten. „Trotz Aufstiegs werden wir nächstes Jahr keine großen finanziellen Sprünge machen können“, sagte Stephan Goericke. Unterstützung hatte er sich auch hierbei durch die Stadt erhofft. An die beiden großen kommunalen Firmen EWP und ProPotsdam, die mehrere Sportvereine bezuschussen, wurden Förderanträge gerichtet – es gab Absagen. „So bleiben wir auf unsere Sponsoren vom freien Markt angewiesen. Dadurch sind wir zwar breit und stabil aufgestellt, müssen nicht wie andere Vereine, die hauptsächlich auf diese Unternehmen bauen, einen starken Einbruch befürchten, wenn es mal bei der Stadt zur Streichung von Sportfördermitteln kommen sollte. Nichtsdestotrotz wünschen wir uns sowohl infrastrukturell als auch finanziell eine gewisse Wertschätzung der Kommune.“ Schließlich sind die Royals seit Samstag um 18.07 Uhr erstklassig. Und damit künftig Repräsentanten Potsdams auf höchster Bundesebene ihres in Deutschland boomenden Sports.

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