17.12.2017, 2°C
  • 27.09.2017
  • von Tobias Gutsche

Potsdam Royals: Aus dem Weg geräumt und plattgemacht

von Tobias Gutsche

Menschlich gewordene Dampframme. Explosiv durchbricht Michael Reynolds die Offensivreihen der Konkurrenz, um dann vor allem den Spielmacher nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Foto: Olaf Möldner

Die Royals-Footballer marschieren seit Saisonbeginn unaufhaltsam dem Erstliga-Aufstieg entgegen. Am Samstag soll er im heimischen Stadion Luftschiffhafen perfekt gemacht werden. Ein Erfolgsfaktor der Potsdamer ist Michael Reynolds, der große Schrecken der gegnerischen Quarterbacks.

Michael Reynolds ist imposant. Hinsichtlich seiner Figur und ebenso in Bezug auf seine sportliche Leistung. Der American Footballer der Potsdam Royals steht vor der Haupttribüne des Berliner Poststadions, wirkt massiv wie die Betonwand hinter ihm. Seine 110 Kilogramm sind derart athletisch-definiert auf 1,88 Meter verteilt, dass die schwarze Hose und das weiße Shirt, die er trägt, mächtig auf Spannung gebracht werden.

Die Textilien halten der Belastungsprobe durch Reynolds’ voluminöse Muskeln gerade so stand, was für die Royals-Kontrahenten in der aktuellen Saison derweil nicht galt. Regelmäßig zerfetzte der US-amerikanische Defensive Lineman die ihm gegenüberstehenden Offensivreihen und leistete damit einen erheblichen Anteil daran, dass die Potsdamer nun ihren erstmaligen Aufstieg in Deutschlands höchste Football-Klasse perfekt machen können. Um 15.30 Uhr beginnt am Samstag für den frisch gebackenen Meister der zweiten Liga Nord im heimischen Stadion Luftschiffhafen das Rückspiel der Relegation gegen Erstliga-Nord-Schlusslicht Berlin Adler. Der erste Vergleich endete vor eineinhalb Wochen mit einem famosen 55:12-Triumph der Royals im Poststadion.

Michael Reynolds setzt auf dem Feld Stoppzeichen

Dort glänzte Michael Reynolds wieder durch starke Aktionen und feierte nach der Partie ausgelassen mit seinen Teamkollegen. „Big Mike“ nennen sie ihn wegen seiner äußeren Erscheinung, die kolossal ist, respekteinflößend. Doch die Fassade erscheint härter als das, was in ihm steckt. Ganz sanftmütig erzählte der Vater eines Sohnes vor dem Eingang zum Kabinentrakt über sich und seine diese Saison ausschließlich siegreiche Truppe. „Wir sind eine wunderbare Mannschaft. Ich bin stolz, dazugehören zu dürfen“, sagte er. „Wenn die Offensive so punktet wie heute und wir in der Defensive so abräumen, kann uns keiner stoppen.“

Vielmehr setzt Michael Reynolds Stoppzeichen. Bislang 92 Tackles – gerne gestenreich von ihm bejubelt – gelangen dem Verteidiger, der die Hauptrolle übernehmen würde, wenn die German-Football-League-Saison 2017 als Horrorfilm zur Aufführung käme. Er ist nämlich vor allem der große Schrecken der gegnerischen Quarterbacks, mutiert auf dem Feld vom entspannten Zeitgenossen zum Monster, das hinter den Spielgestaltern her ist. Wird ein Angriffszug eröffnet, beginnt der 24-Jährige, sein Unwesen zu treiben. Dann räumt er explosiv sogenannte O-Line-Männer, die den Quarterback beschützen sollen, damit er den Ball in Ruhe passen kann, aus dem Weg wie eine menschlich gewordene Dampframme und macht sich so die Bahn frei zur Schlüsselfigur des Gegners.

Top-Verteidiger in Deutschlands erster und zweiter Liga

26-mal hat Michael Reynolds in der aktuellen Saison bereits den Quarterback gepackt und zu Boden befördert, bevor dieser das Leder-Ei loswerden konnte. Kein anderer Akteur in Deutschlands erster und zweiter Liga schaffte einen solchen plattmachenden „Sack“ nur ansatzweise so oft. Raumverlust von 213 Yards fügte Reynolds der Konkurrenz zu, was ebenfalls den absoluten Spitzenwert darstellt. Und sechsmal forcierte der Royals-Leistungsträger durch sein Attackieren sogar einen „Fumble“ – der unter Druck gesetzte Spieler ließ den Ball fallen, sodass Potsdam die Chance erhielt, ihn zu erobern. Angesichts dieser ausgewählten Statistiken – es gibt noch einige beeindruckende mehr – huldigt Royals- Cheftrainer Michael Vogt: „Was dieser Junge abliefert, ist der Wahnsinn.“

Letztlich ist es aber durchaus eine Bestätigung der in ihn gesteckten hohen Erwartungen, denn Michael Reynolds kam mit besten Empfehlungen Anfang dieses Jahres aus den Vereinigten Staaten an die Havel. Bei den Jayhawks von der Universität Kansas, wo er auch als talentierter Baseballer in Erscheinung trat, sich dann jedoch auf den Football fokussierte, zählte er zu den Besten und kam nach seiner Collegezeit einem ganz großen Traum sehr nahe. Der aus Wichita stammende Mann wurde von den Tampa Bay Buccaneers, einem Team der US-Profiliga NFL, unter Vertrag genommen und durchlief die Trainingscamp-Phase. Für einen Platz im finalen Saisonkader der „Bucs“ reichte es aber nicht.

Zwischen NFL-Traum und Verbundenheit zu den Royals

Statt NFL ergab sich die Möglichkeit auf GFL in Deutschland. Die Potsdam Royals sichteten Reynolds über ein Internetportal und fragten an, ob er sich ein Engagement bei ihnen vorstellen könne. Dankend nahm er. „Es ist ein großartiges Erlebnis hier. Ich bin zum ersten Mal außerhalb der USA und kann durch den Sport, den ich liebe, einen wunderschönen Teil der Welt entdecken“, erklärte Michael Reynolds, der die gesammelten Erfahrungen mit nach Hause nehmen wird, um dort einen neuen Anlauf Richtung NFL zu starten. „Ich hoffe und träume weiter davon, den Sprung hinzubekommen. Wenn sich diese Tür öffnen sollte, wäre ich überglücklich.“ Allerdings stehe für ihn fest: „Klappt es mit der NFL oder irgendeiner anderen großen Perspektive in Amerika nicht, komme ich definitiv gerne zurück zu den Royals.“

Dass die dann erstklassig sind, dafür möchte Michael Reynolds am Samstag beim letzten Akt des Spieljahres sorgen. Indem er der Offensive der Berlin Adler wieder in „Big Mikes Horrorshow“ das Fürchten lehrt.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!