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Potsdamer Talente

  • 20.09.2017
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Talente: Schwebend über das Wasser

von Tobias Gutsche

Auf dem Wasser zu Hause. Maren Völz ist Ruderin, eine sehr erfolgreiche. Sie wurde bereits Junioren-Vizeweltmeisterin und holte Gold sowie Silber bei U19-Europameisterschaften. Foto: Tobias Gutsche

Die Potsdamerin Maren Völz genießt die erhabenen und erfolgreichen Momente im Ruderboot. Sie erlebte aber auch bereits einen ganz bitteren, der als Folge ihre Motivation nach oben schlugen ließ wie hohe Wellen auf unruhiger See.

Ihre zwei Teilnahmen bei Junioren-Weltmeisterschaften endeten für Maren Völz jeweils tränenreich. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Erst wegen bitterer Enttäuschung, dann aufgrund süßer Freude. „Beide Male“, sagt die talentierte Ruderin des RC Potsdam, „werde ich niemals vergessen.“

Skullbruch 2016, Silberfahrt 2017

Die erste Erinnerung geht zurück in den August 2016. Rotterdam, Schauplatz der U19-Welttitelkämpfe. Maren Völz ist Schlagfrau des deutschen Doppelvierers, der mit der Empfehlung des Nachwuchs-Europameisterschaftstitels angereist ist. „Wir waren daher ein WM-Goldfavorit“, sagt sie. Ihr Quartett tritt auch gemäß den Erwartungen auf, liegt zur Hälfte des zwei Kilometer langen Finalrennens in Führung. Und plötzlich geschieht es. Auf dem sehr unruhigen Gewässer bleibt eine Bootspartnerin von Maren Völz mit ihrem Skull in einer Welle hängen, das Hightech-Sportgerät bricht. Aus und vorbei. „Es war einfach nur schrecklich. Ein Jahr harte Arbeit – und dann so etwas“, sinniert die RCP-Sportlerin.

Nachdem sich der erste Frust gelegt hatte, schlug bei Maren Völz allerdings wieder die Motivation hoch wie die Wellen in Rotterdam. „Ich wollte endlich diese WM-Medaille.“ Die demnächst 18-Jährige bekam sie. Diesen August fuhr die Potsdamerin, die zuvor bereits Vize-Europameisterin 2017 im Doppelvierer geworden war, gemeinsam mit Nora Peuser aus Berlin zu Doppelzweier-Silber beim Welt-Championat im litauischen Trakai. Erster wurde Großbritannien. Zwar sei die Hoffnung auf Gold nicht in Erfüllung gegangen, „aber wir waren dennoch vollkommen happy, denn wir wussten nicht, wo wir noch etwas hätten rausholen sollen“, urteilt Maren Völz. Ein Erfolg, der ihr immer bleiben wird. Doch es soll gewiss nicht der letzte bleiben. Wenngleich ihr bewusst ist, dass es zunächst schwer wird, weitere internationale Meriten einzuheimsen. Ab dieser Saison steigt die Zwöltfklässlerin in die U23-Altersklasse auf. „Ich treffe also auf weitaus ältere Konkurrenz. Da muss ich erst mal gucken, wo ich dort stehe. Toll wäre es natürlich, wenn ich mich für die U23-WM qualifizieren würde.“

Vor fünf Jahren kam Völz an die Sportschule

Zu den Besten der Welt zu gehören – das hatte sich Maren Völz noch nicht vorstellen können, als sie 2012 aus ihrer Heimat Schenkenberg an die Potsdamer Sportschule wechselte. Schließlich hatte sie vorher mit leistungsorientiertem Sport nichts am Hut. Aber immerhin war sie mit dem Fortbewegen eines Bootes grundsätzlich vertraut. „Ein Nachbar hatte mich mal zu den Wanderruderern nach Lehnin mitgenommen. Da habe ich dann immer mitgemacht. Das ist ja aber nicht so technisch versiert, wie wir es jetzt hier am Stützpunkt betreiben.“ Dorthin kam Maren Völz dank ihrer Statur. In der Grundschule wurde sie gesichtet, weil ihre beachtliche Körperhöhe – inzwischen sind es 1,82 Meter – vielversprechend für den Rudersport war. Sie folgte der Einladung zum Tag der offenen Tür und Probetraining – und wagte den Schritt an den Seekrug.

Dort sitzt sie im Dress der deutschen Nationalmannschaft auf einer der rustikalen Holzbänke. Draußen auf dem Templiner See drehen gerade einige der jüngsten Athleten ihre Bahnen. Als Maren Völz noch zu denen gehörte, habe sie begonnen, sportlich zu träumen, sagt die gebürtige Nauenerin: „In meinem ersten Jahr hier wurde mir erst klar, welch große Triumphe Potsdams Ruderer geschafft haben. Also, was hier möglich ist. Da setzte sich bei mir das Ziel einer Olympiateilnahme im Hinterkopf fest. Und mit jedem eigenen Erfolg, vor allem international, wird dieses Ziel jetzt für mich immer stärker.“

"Jeden Schlag macht sie mit voller Energie"

Das Zeug dazu, unter den fünf Ringen zu rudern, hat Maren Völz, meint ihre langjährige Trainerin Uta Salomon. „Maren ist eine herausragende Sportlerin, super fokussiert“, erklärt Salomon, die ihren Schützling nun an Coaching-Kollege Axel Müller weitergereicht hat. „Vor allem zeichnet sie durch einen großartigen Willen aus. Maren hört nie auf zu kämpfen, jeden Schlag macht sie mit voller Energie.“

Dass man diese Power sowohl für sich alleine einsetzt als auch für ein Team, begeistere Maren Völz so sehr am Rudern. Wie auch ein besonderes, erhabenes Gefühl. Sie schaut raus auf den See und beschreibt es: „Nichts ist schöner als der Moment, wenn das Boot so richtig gut läuft und regelrecht über das Wasser schwebt.“ Allein das könnte einem vor Freude die Tränen in die Augen schießen lassen.

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