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SV Babelsberg 03

  • 06.09.2017
  • von Peter Könnicke

SV Babelsberg 03: Erbe bewältigt, alle Kraft voraus

von Peter Könnicke

Die Lichter sind nicht ausgegangen beim SV Babelsberg 03. Am vergangenen Montag informierte der Vorstand die Vereinsmitglieder, was künftig strahlen soll. Foto: Sebastian Wells

Der Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 führte seine diesjährige Mitgliederversammlung durch. Dort gab es viel Lob. Nach dem erfolgreichen Schuldenschnitt macht der Kiezverein nun Pläne für die Zukunft - unter anderem ein grünes Stadion.

Seit mehr 20 Jahren ist René Kulke Mitglied des SV Babelsberg 03. „Seit 22 Jahren habe ich eine Dauerkarte“, sagte der engagierte Nulldrei-Anhänger während der Mitgliederversammlung des Vereins am vergangenen Montag. Dass diese mit 82 stimmberechtigten Mitgliedern keinen riesigen Ansturm erlebte, sah Kulke als durchaus positives Zeichen. „Es ist Ruhe eingekehrt. Das gab es, solange ich mich erinnern kann, noch nie“, meinte Kulke. „Sie haben was geschafft, was noch nie jemand geschafft hat“, adressierte er seinen Dank an den amtierenden Vorstand des SVB. „Das ist vielleicht vielen noch gar nicht so richtig bewusst“, mutmaßte Kulke.

Kurz zuvor hatte SVB-Vorstandschef Archibald Horlitz skizziert, was die Mitglieder so freudig macht: „Wir sind seit letztem Monat gegenüber allen Banken komplett schuldenfrei!“ Nach der Zustimmung der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung im Juli, dass die städtische Bauholding Pro Potsdam einen Kredit über eine Million Euro des Vereins bei der Deutschen Kreditbank (DKB) ablöst und der SVB nunmehr in den nächsten 25 Jahren der Stadttochter jährlich 40.000 Euro überweist, sind die Verträge mit allen Beteiligten unterschrieben und notariell beglaubigt. „Es war ein harter Kampf um die weitere Entschuldung des Vereins, der die Vorstandsarbeit in den vergangenen Monaten extrem geprägt hat“, resümierte Archibald Horlitz. Er lobte eine „einmalige, bemerkenswerte Teamleistung“ seiner Gremiumskollegen, zudem die Unterstützung des SVB-Aufsichtsrats und das Vertrauen der DKB, der Stadt und vor allem das Engagement von Bürgermeister und Stadtkämmerer Burkhard Exner (SPD). Besonderen Dank sprach Horlitz den Sponsoren aus, „die auch in den schwärzesten Stunden zu uns gehalten haben“. Gerade in den zurückliegenden Monaten und den sich zuspitzenden Verhandlungen mit der Bank und der begleitend zunehmend prekären Finanzlage und Insolvenzgefahr hätten größere Einzelspenden der MegaTopSolar GmbH und der Havelmeer Properties es überhaupt möglich gemacht, „dass wir das rettende Ufer erreicht haben“, sagte Horlitz.

AKTUELLE LAGE

In den vier Jahren seiner ehrenamtlichen Arbeit hat der aktuelle SVB-Vorstand den Schuldenstand von fünf Millionen Euro drastisch reduziert. Bei aller Freude goss Horlitz zugleich Wasser in den Wein: „Das heißt aber nicht, dass wir nun keinerlei Schulden mehr haben.“ Neben der Millionen-Tilgung an die Pro Potsdam schuldet der Verein der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) aktuell 100.000 Euro, wofür eine Stundungsvereinbarung getroffen werden konnte. „Das ist unser größter Posten“, so Horlitz. „Wir sind zwar einen Großteil der Schulden los, aber haben noch nicht mehr Geld“, betonte SVB-Finanzvorstand Kay Pallasch. Sponsorenbindung und -akquise sowie die – von Aufsichtsratschef Guido Koch initiierte – Bildung eines Wirtschaftsrates stehen daher ganz oben auf der aktuellen Agenda.

GRÜNES STADION

Seit zwei Jahren liegt das Konzept für die energetische Sanierung des Karl-Liebknecht-Stadions bereits in der Schublade von Vorstandsmitglied Steve Müller – immer wieder herausgeholt, um es zu aktualisieren und anzupassen. Mit dem Schuldenschnitt tun sich nun Perspektiven auf. Die Idee: Durch die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Tribünendach, das Speichern der gewonnenen Solarenergie, durch Heizungsautomatisierung sowie Wärmeversorgung durch ein kleines Blockheizkraftwerk auf dem nördlichen Stadiongelände ließen sich Berechnungen zufolge die Strom- und Heizkosten halbieren. Das Einsparpotenzial liegt bei jährlich etwa 40.000 Euro. Da das Konzept den Kriterien eines Förderprogramms der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) entspricht, ist eine 80-prozentige Förderung möglich. Die nötigen Gespräche und Verhandlungen mit der ILB sind bereits geführt. Als Partner für das geplante Contracting-Modell ist der städtische Energie- und Wasserversorger EWP an Bord, mit dem die Vorbereitungen ebenfalls getroffen sind, sodass Müller von einem Projektstart in den kommenden Wochen ausgeht. Zur Idee des „Grünen Stadions“ gehört auch eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos auf dem Stadion-Parkplatz. „Wir hoffen, dass wir damit für Potsdam und den Babelsberger Stadtteil interessanter werden“, so Müller. Die EWP sei bei der energetischen Stadionsanierung ein „sehr konstruktiver Partner“, mit dem sich die Idee – durchaus als Pilotprojekt für andere Stadien – realisieren lasse.

FAN-DIALOG

„Wie weit geht Support und wo fängt Schaden an?“ Dieser Frage wird sich der SVB im Dialog mit seinen Fans in den kommenden Wochen intensiv widmen. Ein runder Tisch mit Fan-Vertretern soll den Auftakt bilden, eine öffentliche Podiumsdiskussion soll folgen. Ein stetiger Fan-Dialog sei generell Aufgabe für Verein und dessen Anhänger, sagte Vorstandsmitglied und Nulldrei-Sicherheitsbeauftragter Christian Lippold. Nach den jüngsten Vorkommnissen mit eigenen Fans sowie der bundesweiten Debatte über das Verhältnis von Fans und Verbänden, über Kollektivstrafen, über Gewalt und Pyrotechnik in Stadien sei der Dialog wichtiger denn je. Doch gibt es für SVB-Präsident Horlitz eine rote Linie: „Gewalt hat in unserem Stadion nichts zu suchen“, sagte er und kündigte nach Auseinandersetzungen mit Fürstenwalder Fans beim jüngsten Heimspiel Stadionverbotsverfahren gegen beteiligte SVB-Fans an.

Pyrotechnik als choreografisches Stilmittel wolle er nicht vorverurteilen, so Horlitz. Aber das Abbrennen von Bengalos während des Fürstenwalde-Spiels in einer Situation, in der sich der Verein mit dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) gerade wegen solcher Vergehen in einem Rechtsstreit befindet, „war wenig hilfreich“. So nachvollziehbar die Wut über die verhängte 7000-Euro-Strafe gegen den SVB durch den NOFV nach den Vorfällen während des Regionalliga-Derbys gegen Energie Cottbus im vergangenen April sei: „Wir werden kein besseres Urteil bekommen, wenn wir das gleiche Unrecht wiederholen“, sagte Horlitz. Für das künftige Miteinander sei es geboten, „die Bedürfnisse des einen und die Erwartungen des anderen zu respektieren“, erklärte Lippold. Zugleich betonte der Sicherheitsbeauftragte: „Ich bin stolz auf unsere Fans, weil ein Großteil zu den Werten des Vereins steht.“

SPORTLICHE AUSSICHTEN

Wenn ihm vor vier Jahren jemand gesagt hätte, wie schwierig die nächste Zeit werden wird, hätte er den Job nicht gemacht. Almedin Civa, Sportlicher Leiter und seit dieser Saison Cheftrainer des SVB, gilt als Architekt des sportlichen Neuanfangs nach dem Drittliga-Abstieg. Viel Geduld und Kraft hätten die vergangenen vier Jahre gekostet – und das werden auch die Attribute für die Zukunft sein. „Wenn wir die aufgeben, stürzen wir ab“, so Civa. Er habe Verständnis, dass Ende der vergangenen Saison etliche Leistungsträger der Regionalliga-Mannschaft die Geduld nicht mehr hatten und gegangen sind. „Jetzt haben wir Jungs, die sind genauso gut, aber jünger“, beschreibt Civa seinen Kader, der mit einem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren zu den jüngsten der Liga gehört. Talentiert und sehr willig seien seine Spieler „aber sie brauchen eins: Zeit!“. Natürlich sei es das Ziel, in kürzester Zeit in die dritte Liga zu kommen. Aber müsse die junge Mannschaft dafür reifen. Zum anderen werde der SVB das wirtschaftliche Wettrüsten anderer Regionalligaklubs nicht mitmachen. Gut möglich zudem, dass aus der dritten Liga Vereine absteigen, mit deren wirtschaftlichen Möglichkeiten der SVB nicht mithalten könne.

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