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Turbine Potsdam

  • 04.09.2017
  • von Tobias Gutsche

Turbine Potsdam: Orientierung gefunden

von Tobias Gutsche

Sie durfte Regie führen. Die 17-jährige Gina Chmielinski (l.) machte ihre Aufgabe als Spielgestalterin im offensiven Turbine-Mittelfeld sehr gut – auch wenn Jenas Luca Graf sie daran zu hindern versuchte. Foto: Jan Kuppert

Beim Saisonstart der Frauenfußball-Bundesliga kam Turbine Potsdam gegen den FF USV Jena in der zweiten Halbzeit zunehmend besser zurecht und siegte am Ende deutlich mit 4:1. An allen Potsdamer Toren beteiligt, war Svenja Huth. Neben ihr gefielen auch zwei Turbine-Youngsters.

Mit etwas Desorientierung begann die neue Frauenfußball-Bundesligasaison von Turbine Potsdam. Beim Heimspiel am gestrigen Sonntag gegen den FF USV Jena wurden wie üblich die Neu-Turbinen vor Anpfiff begrüßt. Allerdings unterlief ein Fauxpas, denn plötzlich erhielt Jenas Annalena Rieke zu ihrer Verwundung ein paar Blümchen. Ist eben immer nicht ganz einfach und komplikationsfrei, so ein Start in ein neues Spieljahr. Auch als anschließend der Ball rollte, lief aus Potsdamer Sicht zunächst nicht alles glatt. Dank einer Steigerung im Verlauf des Duells und einer insgesamt soliden Leistung sprang am Ende aber ein 4:1 (1:0)-Auftaktsieg heraus.

An allen Turbine-Toren beteiligt – je zweimal traf sie selbst beziehungsweise legte zugunsten einer Kollegin auf – war Svenja Huth. „Für den Kopf ist es wichtig, gut in die Saison zu starten“, sagte die Stürmerin, die einräumte, „dass wir uns erst einmal schwer getan haben“. Auch Potsdams Cheftrainer Matthias Rudolph haderte mit dem Vortrag seiner Elf in der ersten Halbzeit. „Fahrig“ sei er gewesen und viele Zweikämpfe wurden vor 1980 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion gegen die bekannt kampfstarken Thüringerinnen „halbherzig“ geführt.

Erster Startelfeinsatz für Gina Chmielinski

Trotzdem lagen die Gastgeberinnen zur Pause vorne. Bianca Schmidt hatte nach 43 Minuten getroffen. Beinahe wäre die Rechtsverteidigerin da aber schon gar nicht mehr auf dem Platz gewesen, weil sie sich mit muskulären Problemen infolge eines Schlages auf den Oberschenkel plagte und daher die frühzeitige Auswechslung drohte. Schmidt biss sich durch, wurde dann jedoch für den zweiten Abschnitt sicherheitshalber herausgenommen – Youngster Caroline Siems ersetzte sie und machte dies sehr gut.

Sogar in der Startelf – und das erstmalig bei einem Frauen-Erstligamatch – stand ein anderes junges Talent vom Luftschiffhafen: Gina Chmielinski, die vorige Saison bereits einen Kurzeinsatz bei den „Großen“ hatte, nahm den Posten der zentralen offensiven Mittelfeldspielerin ein, quasi der Dreh- und Angelpunkt der Angriffsbemühungen. Sehr anspruchsvoll für eine 17-Jährige. Sie meisterte ihre Aufgabe stark mit viel Einsatzbereitschaft und Spielintelligenz, zählte zu den auffälligsten Kickerinnen der Partie. „Als ich gehört habe, dass ich von Beginn an ran darf, war ich natürlich riesig aufgeregt. Das haben die anderen, glaube ich, mir auch angemerkt. Ihre Unterstützung war super und ich habe mich deshalb toll integriert gefühlt“, sagte die Junioren-Nationalspielerin, die maßgeblich an Turbines Blitzstart nach Wiederanpfiff beteiligt war. Gekonnt leitete sie das Leder auf Huth weiter, die zum 2:0 vollstreckte – seit 40 Sekunden hatte die Uhr gerade erst wieder getickt.

"Schon ganz ordentlicher Kombinationsfußball"

Nicht einmal zwei volle Umdrehungen des Minutenzeigers später zappelte der Ball aber auch auf der anderen Seite im Netz, als Karoline Heinze per Direktabnahme Profit daraus schlug, dass die Mannschaft aus Brandenburg nicht konsequent verteidigte. Überhaupt fand Coach Matthias Rudolph bei seinem Team die Arbeit der Defensive, in der Amanda Ilestedt als einzige der Sommer-Neuverpflichtungen ihren ersten vollen Pflichtspieleinsatz für Potsdam erlebte, verbesserungswürdig, zu oft habe man Jena gefährlich vor das eigene Tor kommen lassen.

Noch weitaus öfter rollten allerdings in Halbzeit zwei druckvolle Angriffe Richtung Gäste-Kasten. „Da war unser Kombinationsfußball schon ganz ordentlich anzusehen“, meinte Rudolph. Manko war, dass der Vorjahresdritte lange Zeit trotz klarer Überlegenheit kein beruhigendes Torepolster aufbaute. Etliche gute Möglichkeiten blieben ungenutzt, ehe erst in der Schlussphase Svenja Huth (86.) und die eingewechselte Anna Gasper (88.) mit ihren Toren alles klarmachten. „Auf die zweite Halbzeit“, zog der Cheftrainer Fazit, „können wir aufbauen.“ Für das, was Turbine diese Saison leisten kann, bietet sie den ersten Orientierungspunkt.

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