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Brandenburg läuft

  • 14.08.2017
  • von Peter Könnicke

Brandenburg läuft: Berliner Mauerlauf: Eine Mischung aus Sport und Gedenken

von Peter Könnicke

Sportliches Gedenken. Zum sechsten Mal fand der Berliner Mauerweglauf statt, der in Griebnitzsee vorbei an den letzten verblieben Original-Mauerresten vorbeiführt.

Der Mauerweglauf um das ehemalige West-Berlin lockte wieder zahlreiche Ultraläufer an, die ihre persönliche Grenzerfahrung machten. Zwischen weniger als 14 und fast 30 Stunden benötigten die Finisher. Gelaufen wurde auch in Staffeln - unter anderem "Dank 1989" als ein Team.

Berlin/Potsdam - Kilometerlang führt ein Asphaltstreifen durch den Wald. Etwa zwei Meter breit, links und rechts Bäume, auf freier Fläche Wiesen und Heide. Völlig unwirklich, dass hier eine dicke Betonmauer stand, mit Stacheldraht gespickt und streng bewacht. 161 Kilometer lang konnten sich am vergangenen Wochenende Ultraläufer immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass sie gerade jenen Teil Berlins umrunden, der drei Jahrzehnte lang eingemauert war.

258 von 374 Läufern hatten es bis Sonntagmittag geschafft, innerhalb des Zeitlimits von 30 Stunden allein die „100MeilenBerlin“ zu laufen. Krista Preckel war die letzte Läuferin, die nach 29:58:14 Stunden wieder im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in der Berliner Cantianstraße ankam, wo sie am Samstagmorgen um 6 Uhr gestartet war. Eine Stunde später hatten sich 85 Staffeln – mit zwei, vier oder zehn Läufern – auf den Weg gemacht, 78 kamen ins Ziel.

Niederländer und Hamburgerin siegen

Gewonnen hat die sechste Auflage des Berliner Mauerweglaufs der Niederländer Jan-Albert Lantink. Der 59-Jährige aus Hengelo benötigte für die gut 161 Kilometer lange Runde um das westliche Berlin 13:39:56 Stunden. Das war die bisher zweitbeste Zeit, die jemals bei dem Mauerweglauf gelaufen wurde. Der Sieg bei den Frauen ging an Katrin Grieger aus Hamburg in 17:20:20 Stunden.

Der Mauerweglauf erinnert seit 2010 an den Mauerbau und die Opfer der deutschen Teilung. Der diesjährige Lauf war Dorit Schmiel gewidmet, die 1962 bei einem Fluchtversuch ums Leben kam. „Dorle“, wie die junge Frau von ihren Freunden genannt wurde, wuchs im Ost-Berliner Stadtteil Pankow auf. Sie war 21 Jahre jung, als sie in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1962 mit Freuden die Flucht wagte. Im Pankower Orstteil Rosenthal schnitten sie mit einer Drahtschere ein Loch in den Stacheldrahtzaun, krochen durch Matsch und Schnee von einer zu nächsten Zaunreihe, bis sie von Grenzposten entdeckt wurden. Die eröffneten sofort das Feuer, Dorit Schmiel wurde getroffen und erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus. Ihr zu Ehren wurden an der Stelle, an der die tödlichen Schüsse fielen, von den Läufern rote Rosen niedergelegt. Das Porträt der jungen Frau ist auf die diesjährigen Finishermedaillen graviert.

Zwei Verpflegungspunkte in Potsdam

28 Jahre nach dem Fall der Mauer ist der Mauerwegslauf eine Mischung aus Sport und Gedenken. So manche Namen, die sich Staffeln gegeben haben, nehmen Bezug auf die gewonnene Freiheit nach der friedlichen Revolution: „Dank 1989 ein Team“, hieß beispielsweise die am Ende viertplatzierte Staffel. Auch die „Grenzläufer“ waren am Start, wobei das im übertragenden Sinn vor allem für die Einzelstarter gilt: Dass 161 Kilometer zu laufen eine körperliche und mentale Grenzerfahrung ist, war während des Rennens und vor allem dann am Ziel den 100-Meilen-Läufern anzusehen.

So wurden mit steigender Nummer die insgesamt 27 Verpflegungspunkte zunehmend zu mentalen Aufbaustationen. Zwei gibt es in Potsdam: Am Brauhaus Meierei im Neuen Garten gab es bei Kilometer 83 unter anderem frischgebrautes und gekühltes Bier. Und sieben Kilometer weiter am Griebnitzsee werden den Läufern Bedeutung und Anlass des Laufes quasi noch einmal zum Anfassen nahegebracht: Hier erinnerten die letzten Original-Mauerreste nach quasi 90 Kilometer langem Anmarsch auf dem einstigen Grenzstreifen.

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