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  • 07.08.2017
  • von Tobias Gutsche

Potsdam Royals: Flaggen-Striptease, ein „dralles Ding“ und Verbal-Tackling

von Tobias Gutsche

Fang mich, wenn du kannst. Potsdams Runningback Calvinaugh Jones läuft den gegnerischen Verteidigern ständig davon. Gegen die Langenfeld Longhorns gelangen ihm seine Saison-Touchdowns 14 bis 16.Foto: Gerhard Pohl

Beim elften Sieg im elften Saisonspiel des American-Football-Zweitligisten Potsdam Royals war auf dem Feld sowie abseits dessen eine Menge los: Kurioses vom Offensivtrainer, Beeindruckendes vom Tempoläufer und Kritisches vom Präsidenten.

Will Furlong war auf bestem Wege, einen Striptease hinzulegen. Aus Frust. Weil es für seinen Football-Zweitligisten Potsdam Royals im Spiel gegen die Langenfeld Longhorns en masse gelbe Flaggen – das Signal der Schiedsrichter, um ein Foul zu bestrafen – regnete, ließ der Offensivtrainer seinen Unmut raus. Verärgert ob der sehr peniblen Regelauslegung der Referees, aber auch angesichts des teils undisziplinierten Verhaltens der eigenen Akteure imitierte er während des vierten Viertels am Spielfeldrand das exzessive Flaggenwerfen. Seine Mütze ließ Furlong durch die Luft Richtung Rasen flattern, seine Sonnenbrille, dann die Schuhe. Weiter zog der US-Amerikaner allerdings nicht blank, genug abgeregt, war schließlich doch ansonsten alles im Lot.

Royals sind im Unterhaus unterfordert

Denn die Royals dominierten am Samstag die Partie im Stadion Luftschiffhafen deutlich. Sie gewannen mit 69:20 (41:6). Elfter Sieg im elften Saisonspiel, womit nur noch ein weiterer aus den verbleibenden drei Hauptrundenmatches her muss, um Platz eins der Zweitliga-Nordstaffel und so die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zu sichern. „Unsere Serie hält – das soll sie auch für den Rest der Saison“, sagte Royals-Cheftrainer Michael Vogt, dessen Truppe abermals bewies, dass sie im Unterhaus der deutschen Football-Szene mittlerweile unterfordert ist. Die Königlichen sind erstligareif.

Im vorgestrigen Duell mit den immerhin viertplatzierten Rheinländern sorgten die Hausherren rasch für klare Verhältnisse. Gleich zwei Touchdowns im Anfangsviertel und einen weiteren nach der ersten Pause erlief dabei Calvinaugh Jones, dessen Aktionen oftmals als pures Spektakel verbucht werden können.

Durch kleine Risse in der Wand schlüpfen

Jones, 23, ist Runningback. Er bekommt zu Beginn eines Spielzuges vom Quarterback das Leder-Ei in die Hände gedrückt und versucht dann, möglichst viele Yards mit ihm zurückzulegen, bestenfalls bis in die Endzone, was ihm dieses Jahr bereits 16 Mal gelang. Wie ein Hase schlägt Jones schnelle Haken auf dem Feld, lässt die massigen Verteidiger des Gegners ins Leere laufen. Und manchmal, wenn sie sich vor ihm schier unüberwindlich auftürmen und er direkt auf sie zujagt, wirkt es, als wolle er sprichwörtlich mit dem Kopf durch die Wand. Aber der Eindruck täuscht. Calvinaugh Jones reißt die Mauer nicht brachial ein, sondern sucht und findet vielmehr noch so kleine Risse darin, durch die er schlüpft. 1,75 Meter ist der US-Boy groß, 90 Kilo schwer, flink, wendig, explosiv. Solche Typen an Runningbacks bezeichnet der deutsche Football-Fernsehexperte Patrick Esume gerne liebevoll als „dralles Ding“.

Das „dralle Ding“ Calvinaugh Jones war zur aktuellen Saison an die Havel gewechselt. Vorher hatte der studierte Krankentherapeut für die Mountain Lions der Concord Universität in West Virginia gespielt, es dort in den Rang eines All American geschafft, gehörte also auf seiner Position zu den besten College-Footballern der Vereinigten Staaten. Nun in Deutschland auflaufen zu können, sei für ihn eine „großartige Erfahrung“, wie er meinte. Zunächst war sich Jones jedoch unsicher. „Ich wusste nicht so recht, was mich hier in dieser Liga erwarten wird, ob mich das überhaupt weiterbringt. Jetzt weiß ich: Das tut es. Am Ende ist es das gleiche Spiel, das ich liebe.“ Unterschiede zu seiner Zeit auf dem College gebe es aber. „Das Tempo ist hier einfach nicht so hoch – und die Tacklings“, sagte er und lachte herzlich, „nicht so hart.“

Royals bemängeln städtische Unterstützung

Zu einem harten Verbal-Tackling setzte derweil Stephan Goericke an. In die Mangel nahm der Royals-Präsident die Landeshauptstadt Potsdam. Seit geraumer Zeit bemängelt er die städtische Unterstützung für den Potsdamer Football-Club. Sie sei „dürftig, enttäuschend, was man angesichts der sportlichen Leistung nicht mehr nachvollziehen kann“, legte Goericke nun nach. Trainingsmöglichkeiten innerhalb der märkischen Hauptstadt würden nicht geboten, es muss weiterhin nach Kleinmachnow ausgewichen werden. Zudem hätten die Royals bereits bei kommunalen Unternehmen zweimal Förderung beantragt und jeweils eine Absage erhalten. Zumindest die städtische Sportpark Luftschiffhafen GmbH erweist sich als guter Partner, denn am Samstag wurde die Vereinbarung geschlossen, dass Potsdams Footballer nach 2016 und 2017 auch nächstes Jahr im dortigen Stadion ihre Heimpartien austragen dürfen.

Vorgestern sorgten 935 Zuschauer wieder für eine beachtliche Kulisse. Und genau das rief offenbar das Ordnungsamt auf den Plan, das vor den Toren der Spielstätte ebenso zahlreich Strafzettel an Falschparker verteilte wie drinnen die Schiedsrichter mit ihren gelben Flaggen um sich warfen. Den Besuch der Ordnungshüter quittierte Club-Boss Stephan Goericke jedenfalls süffisant: „Schön, dass die Stadt wenigstens wahrnimmt, dass hier gespielt wird. Wenn es darum geht, Geld einzukassieren, ist man zur Stelle.“ Mit dem Geben hapert es aus Sicht der Royals wiederum.

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