16.08.2018, 28°C
  • 04.08.2017
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Leichtathletik: Hattrick eines Trios

von Tobias Gutsche

Mut zum Risiko. Christopher Linke haderte, dass er bei Olympia 2016 in der entscheidenden Rennphase zurückhaltend war und dadurch eine Medaille verpasste. Bei der WM in London möchte er nun attackieren. Foto: Philipp Pohle

Die Potsdamer Geher Christopher Linke, Hagen Pohle und Nils Brembach starten zum dritten Mal gemeinsam beim Leichtathletik-Saisonhöhepunkt. Für die WM in London haben sie sich viel vorgenommen. Allen voran Linke, der zu den Top-Favoriten gehört.

Sie sind inzwischen eine Art Gang, eine Geher-Gang. Bereits zum dritten Mal in Folge werden Christopher Linke, Hagen Pohle und Nils Brembach gemeinsam am internationalen Leichtathletik-Jahreshöhepunkt teilnehmen. Nach der Weltmeisterschaft 2015 in Peking und den Olympischen Spielen 2016 in Rio machen die von Bundestrainer Ronald Weigel trainierten Geher des SC Potsdam nun ihren Hattrick bei der diesjährigen WM in London perfekt. Das zeugt von beachtlicher Konstanz. Sie haben sich an der nationalen Spitze festgesetzt und sich auch auf Asphalt außerhalb Deutschlands nach vorne gearbeitet. Nun soll an der Themse der nächste Entwicklungsschritt folgen.

Allen voran Christopher Linke hat am 13. August über 20 Kilometer Großes vor. Er befindet sich in der bislang besten Saison seiner Karriere. Um seine aktuelle Form zu beschreiben, reicht ihm daher ein nachdrücklicher Zusatz nicht aus. Vier müssen her – sie sei „sehr, sehr, sehr, sehr stark“. Im tschechischen Podebrady hatte Linke gleich zu Saisonbeginn für Aufsehen gesorgt, als er bei einem Meeting nach 1:18:59 Stunden über die Ziellinie ging. Persönliche Bestzeit, nur knapp über dem 17 Jahre alten deutschen Rekord. Wenige Wochen später gewann er an gleicher Stelle auch noch als erster Deutscher überhaupt einen Europacup, quasi die inoffizielle Geher-EM. Den amtierenden Weltmeister aus Spanien Miguel Angel Lopez distanzierte er um fast eine Minute. „Das ist eigentlich eine ganz andere Liga. Aber ich werde deswegen nicht überheblich, sondern weiß, jeder neue Wettkampf ist eine neue Geschichte“, sagt der 28-Jährige.

Längere Pause hat Linke gut getan

Von seinem außergewöhnlich hohen Leistungsniveau ist er selbst überrascht. Vergangenes Jahr hatte der Werderaner mit Olympiaplatz fünf geglänzt, sich damit nach vorherigen Top-10-Resultaten bei WM und EM endgültig das Qualitätssiegel „Weltklasse“ erkämpft. Danach legte Linke nacholympisch-typisch eine längere Regenerationsphase ein. Erst im Januar kehrte er voll ins Training zurück, normal wäre Oktober gewesen. „Vielleicht hat mir gerade das gut getan, mal komplett weg vom Sport. Ich habe so neue Motivation geschöpft und wieder richtig Lust bekommen, zu gehen“, erklärt er. „Aber dass es so gigantisch wird, hätte ich nicht gedacht.“

Es ist Christopher Linke anzumerken, wie sein Selbstvertrauen durch den Rio-Auftritt und die Podebrady-Kracher gestiegen ist. Genauso wie sein Ansehen in der Szene. „Mein Status hat sich definitiv geändert. Ich werde jetzt anders wahrgenommen.“ Als heißer Medaillenkandidat, vielleicht sogar auf Gold. Alles scheint möglich, vorausgesetzt er kann erneut das Top-Niveau, das in ihm schlummert, freisetzen. Mit fester, entschlossener Stimme sagt Linke: „Wenn ich Bestzeit gehe, werde ich Weltmeister – das steht fest. Und wenn ich in den Bereich meiner Bestzeit komme, dann gewinne ich eine Medaille – das steht auch fest.“

Mehr Mut und Risiko als in Rio

Schnelle Zeiten lasse der Zwei-Kilometer-Rundkurs zu. Er sei ähnlich wie bei Olympia 2012, als Christopher Linke dort den 50-Kilometer-Wettbewerb bestritt. Eine weitere Sommerspiele-Teilnahme liegt inzwischen hinter ihm, eine, bei der er überzeugte und doch mit einem Manko haderte: Bronze um 23 Sekunden verpasst zu haben, war seiner Ansicht nach dem geschuldet, dass er in der letzten Rennphase zu verhalten war. Daher kündigt er nun für die WM Attacke an: „Ich werde mutiger sein als in Rio, viel riskieren – und hoffentlich dafür belohnt.“

Den Lohn für viel harte Trainingsarbeit möchte sich auch Nils Brembach, 24, endlich auf der großen Sportbühne abholen. „In den vergangenen Jahren ist es bei den Höhepunkten nicht so gut für mich gelaufen“, findet er. „Aber jetzt habe ich an ein paar Stellschrauben gedreht und denke, dass ich auch im Wettkampf das zeigen kann, was ich im Training zeige.“

Mentaltraining hilft Brembach 

Jene Stellschrauben befinden sich in seinem Kopf. Seit etwa einem halben Jahr arbeitet Brembach intensiv mit einer Mentaltrainerin zusammen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, der Umgang mit Ängsten habe ihm sehr geholfen. „Ich werde fokussierter und nicht verkrampft an den Start gehen“, meint der SCP-Athlet, der im April seine Bestzeit auf 1:20:43 Stunde steigerte. Ziel für die WM sei eine Top-20-Platzierung.

Anders als bei Linke und Brembach lief Hagen Pohles Saison 2017 eher holprig. „Ich hatte immer mal kleine Wehwehchen zwischendurch“, erzählt er. Dennoch stapelt der 25-Jährige vor London nicht tief. „Die Teilnahme allein kann keine Erfüllung mehr sein, weil ich schon bei einer WM war. 2015 bin ich wie 2016 bei Olympia 18. geworden. So etwas soll es diesmal auch wieder werden, vielleicht auch den einen oder anderen Platz besser. Und eine Saisonbestleistung beim großen Höhepunkt – das würde ich auch gerne mal erreichen.“

Drei Männer, drei Ziele, eine Gang.

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!