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  • 19.07.2017
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Kanu-Rennsport: Die nächste Generation klopft an

von Tobias Gutsche

Anschluss hergestellt. Tabea Medert wurde voriges Jahr U23-Weltmeisterin. Diese Saison hat sie den Sprung in die deutsche A-Nationalmannschaft geschafft und auf Anhieb zwei EM-Medaillen gewonnen. Foto: Tobias Gutsche

Nach Rio ist vor Tokio: Der stets auf Olympia ausgerichtete Deutsche Kanu-Verband testet bereits im Hinblick auf die nächsten Sommerspiele und setzt dabei viele Nachwuchshoffnungen ein - darunter etliche aus Potsdam. Derweil hat ein Potsdamer Kanu-Saurier nun doch 2020 fest ins Visier genommen.

Nacholympisches Jahr wird die Saison genannt, die auf das große Sportfest unter den fünf Ringen folgt. Treffender scheint jedoch die Bezeichnung vorvorvorolympisches Jahr. Denn der Blick von Spitzenathleten, ihren Trainern und Verbandsfunktionären ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in die Vergangenheit gerichtet, sondern schon in die Zukunft. „Tokio steht jetzt voll in unserem Fokus“, sagte am gestrigen Dienstag Arndt Hanisch beim Pressegespräch des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) in Kienbaum.

Für den leitenden Rennsport-Bundestrainer aus Potsdam sind die Sommerspiele 2020 gedanklich weitaus näher als Rio 2016. „Daher probieren wir bereits vieles in Hinblick auf Tokio aus“, erklärte er. „Wir bauen junge Leute ins Team ein, stellen sie vor Herausforderungen, bei denen sie sich bewähren können.“

Neuling Tabea Medert holt zweimal Bronze

So etwa vorige Woche bei der Europameisterschaft im bulgarischen Plowdiw, als zahlreiche Youngster für Deutschlands Elite-Mannschaft starten durften. Allein sechs von ihnen sind beim KC Potsdam zu Hause: Die Canadierfahrerinnen Annika Loske und Ophelia Preller sowie die Kajakspezialisten Timo Haseleu, Max Zaremba, Tamas Gecsö und Tabea Medert gehörten zum EM-Aufgebot, in dem der KCP obendrein mit seinen arrivierten Kräften Sebastian Brendel, Franziska Weber, Ronald Rauhe, Jan Vandrey und Stefan Kiraj vertreten war. „Von unten nachkommende Talente beleben natürlich das Geschäft. Sie machen den Top-Leuten Druck – das bringt alle weiter“, meinte KCP-Cheftrainer Ralph Welke.

Von den Neulingen überzeugte in Plowdiw vor allem Tabea Medert. Die U23-Weltmeisterin des Vorjahres schaffte es im olympischen Kajak-Einer über 500 Meter ins A-Finale und gewann jeweils Bronze in Rennen, die nicht zum Olympiaprogramm gehören (K2 1000 Meter/K1 5000 Meter). „Ich freue mich, dass ich nun einen Fuß in der A-Nationalmannschaft habe“, sagte sie. „Der Anschluss ist hergestellt, aber die Lücke nach ganz vorne ist noch groß.“

Rauhe möchte zum sechsten Mal zu Olympia

Und die gilt es für sie und die anderen Nachwuchshoffnungen zu schließen, soll der Traum von einer Olympiateilnahme bereits 2020 in Erfüllung gehen. Die Leistungsentwicklung müsse stark weitergehen, denn die Konkurrenz im eigenen Land sei riesig, urteilte Coach Welke. Schließlich planen die Rio-Medaillengewinner – sieben Podestränge ergatterte der DKV am Zuckerhut – eine Fortsetzung ihrer Karrieren bis Tokio. „Ihnen den Platz im Team streitig zu machen, wird schwierig.“

Einer, an dem die nächste Generation vorbei müsste, ist Ronald Rauhe. Der Potsdamer hat entgegen erster Überlegungen entschieden, sich seinen sechsten Olympiastart zum Ziel zu setzen. „Die Aufgabe im Kajak-Vierer über 500 Meter reizt mich einfach so dermaßen“, sagte er. Ausschlaggebend sei neben der sportlichen Herausforderung auch die Gewissheit einer sicheren beruflichen Perspektive gewesen. „Es ist noch nicht bis ins letzte Detail geklärt, aber mir wird eine duale Karriere durch die brandenburgische Landesregierung ermöglicht“, so der 35-Jährige Kanu-Saurier. An ihm, dem Vorbild vieler Jung-Paddler, kann sich die aufstrebende Garde also weiterhin orientieren. 

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