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  • 17.07.2017
  • von Peter Könnicke

Potsdamer Kanu-Rennsport: Meisterlicher Zwischenstopp

von Peter Könnicke

Sieger. Der dreimalige Olympiasieger Sebastian Brendel holte bei den Kanu-Europameisterschaften im bulgarischen Plovdiv seinen elften EM-Titel.

Gut sechs Wochen vor der Weltmeisterschaft testeten die Potsdamer Rennkanuten bei der Europameisterschaft ihre Form - sie stellte sich als sehr gut heraus. Einmal mehr glänzte Sebastian Brendel, während Franziska Weber eine Lücke in ihrer Kanu-Ehe mit Tina Dietze schloss.

Sebastian Brendel vom Kanu Club Potsdam (KCP) hat auf internationaler Bühne einmal mehr gezeigt, dass er im Kanu-Rennsport derzeit das Maß aller Dinge ist. Der Doppel-Olympiasieger von Rio holte bei den Europameisterschaften (EM) in Plovdiv am vergangenen Wochenende mit Gold im Canadier-Einer über 1000 Meter seinen elften EM-Titel. In bewährter taktischer Manier schob er sich auf dem letzten Streckenviertel am bis dahin führenden Tschechen Martin Fuksa vorbei. „Auf den letzten 150 Metern wusste ich, dass ich es packen werde“, sagte der 29-jährige Ausnahmeathlet.

Zwei Titel und einmal Silber für Sebastian Brendel

Seinen zweiten EM-Titel an diesem Wochenende holte sich Brendel über die 5000 Meter, wobei er selbst einen Schreckmoment mit Bravour meisterte. Nach etwa 500 Meter war ein kroatischer Mitkonkurrent gekentert und Brendel bekam dessen Paddel an den Kopf. „Das war schon eine ziemlich brenzlige Situation, die mich zunächst aus dem Rhythmus gebracht und den Kontakt zur Spitze verlieren ließ. So musste ich erst wieder aufholen, das war etwas anstrengend“, kommentierte er den Rennverlauf. Seine dritte Medaille gewann Brendel mit dem Berliner Conrad Scheibner sowie seinen beiden Potsdamer Vereinskameraden Stefan Kiraj und Jan Vandrey - Silber im Canadier-Vierer über 1000 Meter.

Gut sechs Wochen vor den Weltmeisterschaften (WM) zeigten sich die deutsche Kanuten in Bulgarien beim Formaufbau im Soll. „Wir haben die EM der WM ja total untergeordnet“, sagte der leitende Bundestrainer Arndt Hanisch, der seit Ende vergangenen Jahres in Potsdam tätig ist. „Zum Teil haben wir mit den Medaillen nicht gerechnet. Es gab noch ein paar Baustellen. Aber nach dem Abschluss der zwei Konditionswochen kann man mit den Leistungen ganz zufrieden sein“, meinte er. 

Weber/Dietze erstmals mit EM-Gold in Paradedisziplin

Am Gewinn von viermal Gold sowie je einmal Silber und Bronze hatten die Potsdamer Athleten in der deutschen Kanuflotte erneut ihren Anteil. Neben den Männern paddelten auch Franziska Weber und Tabea Maedert aufs Podium. Gemeinsam mit ihrer Bootspartnerin Tina Dietze aus Leipzig sicherte sich Weber einen weiteren EM-Titel in ihrer Sammlung. Die Olympia-Zweiten setzten sich im Kajak-Zweier über 500 Meter souverän durch und gewannen erstmals in ihrer siebenjährigen Bootsbeziehung auf dieser Strecke den EM-Titel. „Am Ende wurde die Luft etwas dünn“, schilderte Weber den Rennverlauf und fügte mit Verweis auf den Trainingsaufbau hinzu: „Aber bis zur WM ist ja noch ein bisschen hin.“ Eine weitere Medaille verpasste Weber mit dem K4 der Damen, der mit 1,04 Sekunden Rückstand auf Bronze Fünfter wurde.

Sehr zufrieden über ihr erfolgreiches EM-Debüt mit zweimal Bronze zeigte sich Tabea Medert. Am Samstag wurde sie mit Melanie Gebhardt (Leipzig) im K2 über 1000 Meter Dritte. „Das erste Mal und gleich eine Medaille. Super“, sagte die U23-Weltmeisterin des Vorjahres. Und im gestrigen 5000-Meter-Rennen der Kajak-Damen hatte sie sich bis zum Ende im Führungstrio behauptet. Erst im Schlussspurt unterlag die 23-Jährige der Ungarin Dora Bodonyi und um die Winzigkeit von zwölf Hundertstelsekunden der Zweitplatzierten Spanierin Eva Barrios.

Auch Routinier Ronald Rauhe wieder auf dem Podium

Bei den Männern gewann Potsdams Kanu-Urgestein Ronald Rauhe mit Max Lemke (Mannheim) im 200-Meter-Sprint im Zweier-Kajak Bronze: „Uns war schon klar, dass das hier kein Selbstläufer wird, auch dieses Finale im nacholympischen Jahr war ein verdammt schnelles Rennen“, sagte Rauhe nach dem Endlauf, den er „eine gute Gelegenheit zum Erfahrung sammeln“ nannte, „denn wir haben im Vorfeld ja nur einmal zusammen trainiert und sind im Vorlauf quasi das erste richtige Rennen gefahren“. Am Tag zuvor waren Rauhe und der Potsdamer Youngster Timo Haseleu mit dem K4 über 500 Meter Fünfte geworden. Haseleu hatte kurzfristig den erkrankten Schlagmann und Olympiasieger Max Rendschmidt ersetzt.

Im zehnten A-Finale mit deutscher Beteiligung kamen die Potsdamer Talente Annika Loske und Ophelia Preller bei ihrem ersten EM-Start im Canadier-Zweier der Damen über 500 Meter auf Rang neun. In den weiteren A-Finals mit DKV-Beteiligung erreichten Tamas Gecsö (Potsdam), Lukas Reuschenbach (Oberhausen), Kostja Stroinski (Berlin) und Kai Spenner (Essen) im K4 der Herren über 1000m einen passablen fünften Platz.

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