21.08.2017, 18°C
  • 19.06.2017
  • von Tobias Gutsche

AC Potsdam verlässt Brauhausberg-Bad: Der Letzte macht das Licht aus

von Tobias Gutsche

Alles muss raus. Sportgeräte im Gewicht von mehreren Tonnen wurden aus dem Keller des Brauhausberg-Bades geschleppt. Dort hatten Potsdams Gewichtheber seit Hallen-Eröffnung 1971 ihr Zuhause. Foto: Tobias Gutsche

Als einziger bislang noch verbliebener Nutzer ist nun auch der AC Potsdam aus dem alten Brauhausberg-Bad gewichen. Mit einem Kraftakt zog der Gewichtheben-Erstligist nach Potsdam-West um. Allerdings ist das neue Domizil nur eine Zwischenstation.

Potsdam - Still ruhte das Wasser. Nichts mehr los, oben im Becken. Eine Etage tiefer, im Keller des Brauhausberg-Bades, war am vergangenen Samstag allerdings noch einmal viel in Bewegung. Vier Wochen nach offizieller Schließung der altehrwürdigen Schwimmhalle räumte der einzige dort noch verbliebene Nutzer, der Gewichtheben-Erstligist AC Potsdam, seine angestammten Gefilde und machte quasi als Letzter das Licht aus.

Rund 150 Mitglieder hat der ACP, starke Männer und Frauen mit enormer Kraft. Wie viel Power in ihren Muskeln steckt, bewiesen rund 60 Helfer eindrucksvoll während des Auszuges. „Hanteln, Scheiben und Geräte im Gewicht von einigen Tonnen haben wir geschleppt“, erzählte der Vereinsvorsitzende Andreas Anker. „Mit etwa 20 mittleren LKW wurde das alles zu unserem neuen Domizil transportiert.“ Es ist das Gebäude in der Haeckelstraße in Potsdam-West, das ehemals vom Projekt „Rückenwind“ als Sozialkaufhaus und Fahrradwerkstatt genutzt wurde. „Aber das ist nur eine Übergangslösung für uns“, sagte Andreas Anker. In eineinhalb bis zwei Jahren müssen wieder tonnenweise Materialien der Kraftsportler durch die märkische Landeshauptstadt befördert werden – dann in den Schlaatz, wo der ACP zusammen mit der Judo-Abteilung des SV Motor Babelsberg einen Neubau erhalten soll. Die Planungsphase für die Errichtung läuft.

Die alte Stätte bot kein "Schickimicki und Firlefanz"

Kurz nach 14 Uhr zeigte die Uhr, als sich am Samstag vor der Vereinszwischenstation in der Haeckelstraße Entspannung breit machte. Stärkung vom Grill, nachdem binnen weniger als sieben Stunden der Umzug realisiert worden war. „Wahnsinn, wie das geklappt hat“, meinte Andreas Anker und sprach freudig über die nahe Zukunft: „Ab Montag müssen wir noch alles an seinen richtigen Fleck rücken und dann kann es voll losgehen. Hier wird’s schön. Es ist fast schon schade, dass es nur für recht kurze Zeit sein wird, dass wir diesen tollen Ort als Zuhause nutzen.“

Für lange Zeit war der Keller des Brauhausberg-Bades die Heimat von Potsdams Schwerathleten. Schon zur Halleneröffnung 1971 hatte dort unten der ACP-Vorläufer BSG Aufbau einen Platz gefunden. 46 Jahre fristeten die Gewichtheber ein sportliches Leben zwischen dicken, bunkerähnlichen Betonwänden, mit verschwindend geringem Tageslicht, dass es für Vampire eine Freude wäre, und in stickiger Luft, die mittlerweile vor Schweiß trieft, jedoch kaum mehr frischen Sauerstoff bereithält. Aber den BSG-Aufbau- und nach der deutschen Wiedervereinigung ACP-Athleten hat diese Atmosphäre immer gefallen. „Unsere Mitglieder mochten das Einfache an der Trainingsstätte. Sie brauchten nicht den Schickimicki und Firlefanz wie in modernen Fitnessstudios“, erklärte der Clubboss, der 33 seiner bisher 43 Jahre in dem Keller als Aktiver und Trainer verbrachte. „Mit dem Ort verbinden wir viele Erinnerungen. Zum Beispiel an den größten Mannschaftserfolg: den Aufstieg 2016 in die erste Liga.“

Wann das alte Bad abgerissen wird, steht noch nicht fest

Deren neue Saison beginnt für das Team von der Havel am 30. September auswärts. Zwei Wochen später steigt die Heimpremiere auf der neuen Heberbühne in Potsdam-West.

Dann wird die alte Wirkungsstätte wohl immer noch vor sich hin ruhen. Bislang steht nicht fest, wann der Abriss des Brauhausberg-Bades erfolgt. Das teilten die Stadtwerke, in deren Besitz Halle und Grundstück sind, auf PNN-Anfrage mit. Aktuell werde die Vermarktung des Areals vorbereitet – möglichst bis Ende 2017 solle der Zuschlag erteilt und dabei geklärt werden, ob die Stadtwerke den Bad-Abriss übernehmen oder der Käufer dafür verantwortlich ist. Eine ganze Weile wird die Brauhausberg-Schwimmhalle also noch da sein und zum Sinnieren einladen – etwa über die strahlenden Zeiten im düsteren Keller. 

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!