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Brandenburg läuft

  • 02.05.2017
  • von Peter Könnicke

Brandenburg läuft: rbb-Lauf: Mit schönem Läufergruß

von Peter Könnicke

Schön gelaufen. Tolle Kulisse, perfektes Laufwetter, super Stimmung. Der Potsdamer Drittelmarathon gehört zu den schönsten Läufen Deutschlands. Der Alte Markt mit Stadtschloss und Palais Barberini zieren den Wegesrand. Foto: Olaf Möldner

Bei der 14. Auflage des rbb-Laufes gewannen Tom Thurley und Irene Schucht. Der Drittelmarathon begeisterte mehr als 2000 Läufer. Nur eine Person fühlte sich von der Veranstaltung massiv gestört. Ein Brief an den Verärgerten oder die Verärgerte.

Es tut mir leid. Ich bin am Sonntag den Potsdamer Drittelmarathon gelaufen. Es war bereits das fünfte Mal. Und es war wieder sehr schön. Von meinen Zuhause ist es eine Viertelstunde Fußweg bis zum Start an der Glienicker Brücke, also kein großer Aufwand. Und ich fand es wunderbar, dort so viele bekannte Gesichter zu sehen und auch so viele unbekannte, die freudig gespannt auf den Start warteten. Ich war einer von 2117 Läufern, die am gestern um 10 Uhr losliefen. Es waren etwas mehr als gedacht, aber das perfekte Wetter für uns Läufer hat noch reichlich Kurzentschlossene an die Stadtgrenze pilgern lassen.

Kein Grillen, kein Bootfahren

Dass ich mit meinem Enthusiasmus und Vergnügem am Laufen Herrn oder Frau K. verärgert habe, war nicht meine Absicht. Habe ich aber offenbar, wie ich am Sonntagnachmittag auf der Webseite des Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) lesen konnte. Der Drittelmarathon findet unter dem Patronat des rbb statt, sodass er auf seiner Homepage berichtete, wer gewonnen und wie viele Leute mitgemacht haben. Und unter die Meldung hat K. seinen Frust geschrieben: Über die vielen Straßensperren, die die Anfahrt zum verabredeten Grillen mit den Schwiegereltern verhindert haben und vom verdorbenen Grillfleisch, das die zweistündige Fahrzeit im Kofferraum nicht überlebt habe und vom totalem Entsetzen über die Feststellung, dass selbst all die Wege gesperrt waren, um auch Plan B – mit dem Boot aufs Wasser zu fahren – scheitern zu lassen. Das ganze Wochenende, wütete K, sei versaut gewesen.

Der 1. Mai auch? Ich hoffe doch nicht!

Jetzt geht's vor Gericht

Nun darf sich der Anwalt von K. freuen auf einen Auftrag und somit bestimmt auch Honorar. Denn K. will seinen Anwalt prüfen lassen, ob wegen des verdorbenen Grillgutes, des zusätzlichen Benzingeldes, der vergeudeten Zeit und wegen der – ich schwöre, dass dies wirklich so geschrieben steht – Freiheitsberaubung nicht Anspruch auf Schadensersatz besteht.

Liebe Frau K. oder lieber Herr K. Zunächst finde ich es großartig, dass Sie ein so tolles Verhältnis zu den Schwiegereltern haben und es derart eilig hatten, diese zu sehen. Das kann ja nicht wirklich jeder behaupten. Aber sei Ihnen versichert, dass keiner absichtlich langsam gelaufen ist, um Sie unnötig lange an der temporären Absperrung warten zu lassen. Schon gar nicht Tom Thurley vom Potsdamer Laufclub. Über den 23-jährigen Burschen müssen Sie nämlich wissen, dass er so schnell wie kein anderer in den Jahren zuvor die 14 Kilometer gelaufen ist – 43:57 Minuten. Der dürfte nicht mal einen Blick für die ganzen Sehenswürdigkeiten am Streckenrand riskiert haben. Aber ich kann Ihnen aus sicherer Quelle sagen, dass er das nicht schlimm fand, sondern es vielmehr genossen hat, so schnell zu laufen, auch wenn es einsam an der Spitze war. Auch die Frauen haben sich ganz schön beeilt. Sie können ja mal Irene Schucht aus Berlin fragen, die als erste Dame ins Ziel kam und nicht mal eine Stunde gebraucht hat.

Eine Verabredung für 2018?

Statt sich zu ärgern und hinter Ihrem Lenkrad zu fluchen, hätten Sie auch aus Ihrem Auto steigen und uns anfeuern können. K., ich verrate Ihnen mal ein Geheimnis: Läufer stehen drauf, wenn man sie anschreit. „Los weiter! Schneller!“ Das finden die sexy und macht die richtig an. Und so oft haben Sie nun auch nicht Gelegenheit, jemanden völlig legal und in aller Öffentlichkeit anzubrüllen. Merken Sie sich daher schon mal den 11. Juni: Da gibt es den Potsdamer Schlösserlauf; da kommen wir wieder. Und es werden wieder Straßen gesperrt sein.

K., wohnen Sie eigentlich schon lange in Potsdam? Dann müssten Sie den rbb-Drittelmarathon doch eigentlich kennen. Schließlich gab es den schon zum 14. Mal. Seit 14 Jahren wagen wir Läufer uns am letzten Sonntag im April aus dem Wald auf den innerstädtischen und Babelsberger Asphalt. Hätten Sie mal mitgemacht, dann hätten Sie erfahren, wie schnell und wie gut zu Fuß man durch diese Stadt kommt, in der es tatsächlich oft genug Stau gibt. Das gebe ich gern zu. Wenn Sie mitgelaufen wären, dann wären Sie in der Brandenburger Straße oder Rudolf-Breitscheid-Straße auch an zwei Fleischerei-Geschäften vorbeigekommen. Wenn Sie mal gutes und haltbares Grillfleisch brauchen, kann ich Ihnen die empfehlen. Wie wär’s: Nächstes Jahr, letzter Sonntag im April, 10 Uhr auf der Glienicker Brücke? 

Der Autor dieses Textes ist selbst Läufer und wurde am vergangenen Sonntag Dritter beim rbb-Drittelmarathon.

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