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  • 05.04.2017
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Schwimmsport: Chlorgeruch und Spannungen in der Luft

von Tobias Gutsche

Potsdam gilt als eins der erfolgreichsten Schwimm-Nachwuchszentren bundesweit - noch. Foto: A. Klaer

Der geplante Bundesstützpunkt der Schwimmer in Potsdam ist gefährdet. Grund dafür ist, dass ein Großteil der dortigen Trainer Jörg Hoffmann als leitenden Standort-Coach nicht akzeptieren möchten - die Führung des Landesschwimmverbands ist auf ihrer Seite.

Potsdam - Mit bunten Leinen werden in der Luftschiffhafen-Schwimmhalle die Bahnen voneinander abgetrennt. Sie separieren die Trainingsgruppen – und haben dabei durchaus Symbolcharakter. Denn sie stellen zugleich die Frontlinien dar, die zwischen Teilen der Schwimmtrainergilde am hiesigen Leistungsstützpunkt existieren und nun sogar die Zukunft des Standortes gefährden. Wie berichtet, hat der Landesschwimmverband Brandenburg (LSVBB) abgelehnt, die Kooperationsvereinbarung mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) zur Einrichtung eines Bundesstützpunktes in Potsdam zu unterschreiben. Grund: Der durch den DSV als Bundesstützpunkttrainer auserkorene Jörg Hoffmann wird für ungeeignet befunden, das Coaching-Team zu leiten. So erklärte es LSVBB-Präsidentin Sylvia Madeja und berief sich bei dieser Positionierung auf die Meinung anderer Trainer am Luftschiffhafen.

Insgesamt sechs Coaches sind dort – an einem der erfolgreichsten deutschen Schwimm-Nachwuchszentren – momentan im Hochleistungsbereich tätig. Neben dem durch Bund und Land mischfinanzierten, für die erwachsenen Top-Athleten zuständigen Hoffmann auch vier auf die Jugendförderung ausgerichteten Sportschul-Lehrertrainer (Matthias Pönisch, Thomas Luckau, Marko Letz, Katrin Seitz) sowie Norbert Warnatzsch, der eine Nachwuchsprojekt-Trainerstelle innehat. Bis auf Pönisch, der sich pro Hoffmann ausspricht, steht der Rest ihm kritisch gegenüber. „Sie bemängeln seine Umgangsart, dass er nicht gut mit ihnen kommuniziert und ihre Arbeit nicht wertschätzt“, sagt Madeja. Andere Stimmen wiederum halten dagegen. So meint etwa Michael Prenz, Vorsitzender des Potsdamer SV: „Denen ist Hoffi ein Dorn im Auge. Es geht da nur um persönliche Interessen und Befindlichkeiten.“ Das soll die Ursache dafür sein, dass nicht nur Chlorgeruch, sondern auch derartige Spannungen in der Schwimmhallenluft liegen.

Drei besonders enge Vertraute

Nach PNN-Informationen haben sich Marko Letz und Katrin Seitz selbst auf die Potsdamer Bundesstützpunkttrainerstelle beworben. Als Hoffmann 2005 für die Betreuung der Spitzengruppe geholt worden war, gehörte indes Thomas Luckau zu denjenigen Coaches, die damals eigentlich nicht mehr weiterbeschäftigt werden sollten – letztlich behielt er aber doch noch seinen Posten im Team. Diesem gehört seit 2013 auch der frühere Berliner Norbert Warnatzsch an. Der Potsdamer SV hatte ihm eine Anstellung bis Olympia 2016 gegeben, diese aber nicht verlängert. „Wir waren von ihm in vielerlei Hinsicht enttäuscht“, sagt Clubchef Prenz. Daraufhin wurde für Warnatzsch, obwohl er in DSV-Kreisen umstritten ist, ein neuer, bis Ende 2017 laufender Vertrag durch den Landesverband, in dem der 70-Jährige selbst Vizepräsident ist, initiiert.

Treibende Kraft hierfür war die Präsidentin Sylvia Madeja. Sie stand einst selbst als Sportschul-Lehrertrainerin am Beckenrand und bildete dabei einige Zeit mit Thomas Luckau ein Gespann – so wie vor Rio auch das Duo Luckau/Warnatzsch zusammen agierte. Diese Drei gelten als besonders enge Vertraute. Nach ihrer Sportschulzeit wechselte Madeja dann ins Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, das die Lehrertrainer einstellt und zum Unverständnis des DSV-Chefbundestrainers Henning Lambertz ein Mitspracherecht Brandenburgs bei der Besetzung der Potsdamer Bundesstützpunkttrainerstelle einfordert.

Es braucht viel Vermittlungsbedarf

All diese Verstrickungen und die Tatsache, dass Madeja und Warnatzsch mit ihren beiden Stimmen beschlossen haben, den Bundesstützpunkt-Kooperationsvertrag wegen der Personalie Jörg Hoffmann nicht zu unterzeichnen, lässt Prenz kochen: „Die beiden sind doch völlig befangen in der gesamten Angelegenheit und können keine rationale Entscheidung treffen.“ Daher sollen sie mit einem Misstrauensvotum von der Verbandsspitze gestürzt werden, um anschließend durch Hoffmann-Befürworter das Okay an den DSV zu senden.

Aber selbst, wenn so der Bundesstützpunktstatus per Rettungsring doch an Land gezogen wird, würde noch großer Vermittlungsbedarf zwischen den involvierten Trainern bestehen bleiben. Alle müssten sich einander annähern. Im Sinne des Brandenburger Schwimmsports wäre es der Idealfall, würden sie die Frontlinien verschwinden lassen und gemeinsam auf einer Bahn gen Zukunft schwimmen.

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