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  • 03.04.2017
  • von Peter Könnicke

Sportland Brandenburg: Sprung nach vorn

von Peter Könnicke

Auf dem Sprung. Von der Kita in den Sportverein – dieser Übergang hat im vergangenen Jahr in Brandenburg sehr gut geklappt. Mehr als 1 500 Kita-Kinder waren nach Besuchen von Vereinen vom Sporttreiben so begeistert, dass sie Vereinsmitglieder sind. Foto: H. Schmidt/dpa

Im märkischen Sport sind so viele Mitglieder wie noch nie organisiert. Doch das eigene Ziel, das sich der hiesige Landessportbund in seinem Strategiepapier vorgenommen hat, ist noch lange nicht erreicht, denn im nationalen Vergleich hinkt Brandenburg immer noch hinterher.

Beim kurzen Halt auf halber Strecke ist Andreas Gerlach zufrieden. „Diese Zahl an Zuwächsen war nicht zu erwarten“, freut sich der Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Brandenburg (LSB) über 10.300 neue Mitglieder, die sich im vergangenen Jahr in märkischen Sportvereinen angemeldet haben. Damit sieht sich der oberste Sport-Dachverband der Mark mit seiner Strategie, den Sport in Brandenburg bis zum Jahr 2020 besser zu entwickeln und zu organisieren, bei Halbzeit auf gutem Weg. Ende 2014 wurde das Papier nach langer und breiter Diskussion von der LSB-Mitgliederversammlung in Lindow beschlossen.

Insgesamt sind nunmehr 342.581 Märker in Brandenburgs Sportvereinen angemeldet. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 13,8 Prozent. Trotz der „sehr erfolgreichen Bilanz“, wie LSB-Präsident Wolfgang Neubert die Entwicklung im vergangenen Jahr nennt, hinkt Brandenburg im Vergleich der neuen Bundesländer noch immer hinterher und rangiert deutschlandweit auf dem letzten Platz beim Organisationgrad des Sports. Den Bundesdurchschnitt von derzeit 33,5 Prozent Sportbeteiligung zu erreichen, nannte Brandenburgs zuständiger Staatssekretär Thomas Drescher bereits auf der Breitensportkonferenz 2015 „keine realistische Zielstellung für die nächsten Jahre“. Dennoch, so Drescher, stünde der organisierte Sport Brandenburgs vor einer großen Herausforderung – die in dem Strategiepapier auch definiert wird: In allen Altersklassen soll der Organisationsgrad des Sports in Brandenburg das Durchschnittsniveau der neuen Bundesländer erreicht haben.

Dieses liegt nach den Erhebungen des vergangenen Jahres bei knapp 16 Prozent. Mit anderen Worten: In Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gelingt es besser, mehr Menschen in Sportvereinen zu organisieren. Will der LSB sein strategisches Ziel in den kommenden drei Jahren erreichen, müsste er den Trend des vergangenen Jahres mit mehr als 10.000 neuen Mitgliedern bis 2020 aufrechterhalten. LSB-Präsident Neubert ist sich der Aufgabe bewusst, indem er betont: „Stillstand darf es nicht geben, die gute Entwicklung ist vielmehr Verpflichtung.“

Potsdam mit den meisten Zuwächsen

Die Landeshauptstadt Potsdam verzeichnet in der sportlichen Gesamtschau des Landes die meisten Zuwächse. 1372 neue Mitglieder haben die Vereine dem Stadtsportbund im vergangenen Jahr gemeldet. Dieser bleibt mit insgesamt 30.354 Mitgliedern die mitgliederstärkste Organisation unter den märkischen Stadt- und Kreissportbünden. An zweiter Stelle liegt Potsdam-Mittelmark mit 28.961 Mitgliedern. Der Verein mit den meisten Mitgliedern – 4464 – ist der Brandenburgische Präventions- und Rehabilitationsverein SV. 3872 Mitglieder zählt der SC Potsdam, der Regionale SV Eintracht 1949 an dritter Stelle hat 3247 aktive Mitglieder. Zu den Vereinen der Landeshauptstadt, die mehr als 1000 Mitglieder haben, gehören zudem der OSC Potsdam (1765), der Universitätssportverein (1233), der SV Babelsberg 03 (1209) sowie Motor Babelsberg (1050).

Initiativen und Goldene Pläne

Förderprogramme, neue Angebote, sanierte und modernisierte Sportanlagen – die Gründe, die der LSB für den Zuwachs an Mitgliedern zitiert, sind vielfältig. Allein durch die vor zwei Jahren initiierte und vom Land geförderte Kooperation zwischen Kitas und Sportvereinen wurde das Interesse von Kindern unter sieben Jahren am regelmäßigen Training derart geweckt, dass sich im vergangenen Jahr 1538 in Vereinen anmeldeten. 190 Projekte zwischen Kitas und Vereinen gab es im vergangenen Jahr – einen daraus resultierenden Zuwachs an Vereinsmitgliedschaften von zehn Prozent gab es laut LSB noch nie.

Für den „Goldenen Plan Brandenburg“ mit dem seit 2015 vereinseigene oder gepachtete Sportstätten im ländlichen Raum saniert oder modernisiert werden, wurden in den zurückliegenden anderthalb Jahren 24 Projekte für insgesamt 3,1 Millionen Euro bewilligt. Insgesamt steht für das Investitionsprogramm bis zum Jahr 2020 ein Budget von 14 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 15 Millionen können im Rahmen eines kommunalen Investitionsprogrammes bis zum Jahr 2019 ausgegeben werden. Seit 2016 wurden insgesamt elf Bauvorhaben durch den LSB geprüft und vom Land bewilligt.

Für ausreichend moderne Sportstätten zu sorgen, stellt den LSB indes weiterhin vor eine immense Aufgabe. „Die Bedingungen sind grundsätzlich nicht schlecht“, meint Gerlach, „aber an einigen Stellen haben wir eine rasante Entwicklung.“ Vor allem in Potsdam, wo die Zahl der Bevölkerung seit Jahren steigt, sind Sportstätten Mangelware, was mehrere Fraktionen des Stadtparlamentes alarmiert und Initiativen ergreifen lässt. „Auch wir heben an einigen Stellen mahnend den Finger“, so LSB-Vorstand Gerlach. Dabei gehe es künftig auch um innovative Nutzungs- und Nachnutzungsideen für Sportanlagen. „Wir sind in einem Prozess, Veranwortlichen solche Ideen intensiv nahezubringen“, so Gerlach.

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