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SV Babelsberg 03

  • 21.10.2016
  • von Peter Könnicke

SV Babelsberg 03: Die Qualität des nächsten Schritts

von Peter Könnicke

Zusammen raus aus dem Tief. Die Mannschaft des SV Babelsberg 03 ist momentan als Kollektiv gefordert. Sie muss gemeinsam an der Bewältigung der kritischen Situation arbeiten, um sich zu festigen und sogar gestärkt aus dieser Lage hervorzugehen. Foto: Jan Kuppert

Weiterentwicklung heißt das Saisonziel des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03. So komisch es klingt: Nach Landespokal-Aus und Formtief ist die Babelsberger Mannschaft mittendrin in der Projektarbeit. Am Sonntag spielt Nulldrei daheim gegen Viktoria Berlin.

Am Rande der 0:2-Niederlage des SV Babelsberg 03 am vergangenen Sonntag beim Berliner AK stellte ein Fußball-Reporter die Frage, ob der SVB bereits für die neue Saison plane. Schließlich gebe es in der aktuellen Spielzeit nichts mehr zu holen: Den Landespokal kann der SVB nicht mehr verteidigen, weil er im Achtelfinale ausgeschieden ist. Und sollte am Babelsberger Park irgendjemand wegen eines Aufstiegstraums unruhige Nächte gehabt haben, dürfte der Schlaf wieder erholsamer werden: Mit 13 Punkten Rückstand auf den aktuellen Regionalliga-Primus FC Carl Zeiss Jena rangiert der SVB nach zehn Spieltagen auf dem zehnten Rang.

Vom frühen Brandenburgpokal-Aus und den damit verloren gegangenen Einnahmen aus diesem Wettbewerb oder gar aus dem erneuten Erreichen des DFB-Pokals kann man enttäuscht sein. Weniger von den reinen Fakten der Liga-Zwischenbilanz. Mit 15 Punkten steht der SVB nicht wesentlich schlechter da als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison, in deren Winterpause Stürmer Andis Shala wiederholt das konstant gute Niveau lobte, auf dem die Mannschaft vor Jahresfrist spielte. Doch genau darin liegt der Unterschied zur gegenwärtigen Situation. Der SVB erschien in den vergangenen Wochen wenig stabil: Die Defensive ist anfällig, im Angriff zeigt das Top-Sturmduo Andis Shala/Matthias Steinborn Ladehemmungen und der kreativen Schaltzentrale sind zündende Ideen ausgegangen. Schon vor einigen Wochen beklagte Trainer Cem Efe: „Einige spielen unter ihren Möglichkeiten.“ Unlängst ergänzte er nun: „Es läuft nicht rund derzeit.“

Routiniers und Youngsters stehen gleichermaßen in der Pflicht

Cem Efe war es allerdings auch, der zu Saisonbeginn vor überzogenen Erwartungen warnte. Schnell von den Abstiegsrängen wegkommen – das formulierte er als erstes Saisonziel. Und unisono hieß und heißt es von Trainer, Vereinsführung und Almedin Civa als sportlichem Leiter: „Wir wollen den nächsten Schritt machen und uns weiterentwickeln.“ Sportlich bedeutet das, sich unter den besten Teams der Nordoststaffel etablieren und nach dem sechsten Platz zum Ende der vergangenen Saison eine Platzierung unter den Top 5. In der Momentaufnahme eines Vergleiches mit den Teams, die ähnliche Ambitionen hegen (RB Leipzig II oder dem FC Viktoria 1889 Berlin), rangiert der SVB in diesem Entwicklungswettstreit hinter der Konkurrenz. Aber er ist eben auch mittendrin im Entwicklungsprozess, der nicht nur eine sportliche Komponente hat. Kritische Situationen als Herausforderung ansehen, daran als Mannschaft zu wachsen und sich als Team zu festigen gehört genauso dazu.

Hierbei sind vor allem die erfahrenen Spieler wie Bilal Cubukcu, Ugurtan Cepni, Kapitän Philip Saalbach, Matthias Steinborn und Andis Shala gefordert. Letzterer begründete eben genau mit dieser Führungsrolle im vergangenen Sommer seine dreijährige Vertragsverlängerung: Er wolle mithelfen, beim SVB etwas aufzubauen. Nun, seine Aufbauqualitäten waren in Babelsberg noch nie so facettenreich gefordert wie derzeit. Shala, Cubukcu & Co. können Lehrmeister sein für junge Spieler wie Emre Stang, Nils Fiegen, Apo Beyazit, Lukas Knechtel oder Leonard Koch, wie sich schwierige Phasen managen lassen. Von der jungen Garde wiederum braucht es die Neugier und den Drang, die sie nach Babelsberg gelockt haben, um hier den nächsten Karriereschritt zu machen. Sich als Lösungen oder Alternativen anzubieten, ist die Chance der aktuellen Schwächephase.

Brave Buben: Cem Efe bemängelt Einstellung seines Teams

Mag sein, dass es komfortablere Situationen gibt, in der sich der SV Babelsberg im Fußball-Herbst 2016 befinden könnte. Spannend und herausfordernd ist sie allemal. Ihre Fähigkeit, attraktiven Fußball zu spielen, hat die Mannschaft in dieser Saison bereits nachgewiesen. Allein das individuelle Fußballgeschick eines Cubukcu, Shala, Cepni oder Timur Özgöz macht den SVB nach wie vor zu einem der spielstärkeren Teams der Liga. Doch bei allem gefälligen Spiel – es fehlte zuletzt die ganz große Leidenschaft, der letzte Biss, der wirkliche Wille. „Zu brav“ findet selbst Coach Efe seine Mannschaft. Daher tragen diese Tage das Etikett einer Charakter- und Mentalitätsprüfung. Wird diese erfolgreich bestanden, ist der nächste Schritt gemacht.

Der SV Babelsberg 03 spielt am Sonntag im Karl-Liebknecht-Stadion seine nächste Regionalligapartie. Zu Gast ist Viktoria 1889 Berlin. Anstoß ist um 14.05 Uhr, der rbb überträgt live im Fernsehen.

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