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SV Babelsberg 03

  • 30.07.2016
  • von Peter Könnicke

SV Babelsberg 03: Lieber Babelsberg statt die Türkei

von Peter Könnicke

Foto: M. Thomas

Bilal Cubukcu stand vor einem Wechsel vom Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 in die Türkei. Doch letztlich hat der 29-jährige Familienvater doch darauf verzichtet - wegen der aktuellen Lage in der Türkei. Seinen Vertrag in Babelsberg hat Cubukcu verlängert.

Bilal Cubukcu liebt die Türkei. Er ist in Berlin geboren, aber seine Nationalität ist türkisch, ein Teil seiner Familie lebt in der Türkei. Etappen seiner Karriere hat der Fußball-Profi in der Türkei verbracht, auch in der kommenden Saison wollte er dort spielen. Doch jetzt hat er sich entschieden, wegen der aktuellen Lage nicht in die Türkei zu wechseln und stattdessen – wie die vergangenen zwei Jahre – beim SV Babelsberg 03 zu spielen.

Nicht nur Cubukcus familiären Wurzeln sind türkisch, auch seine sportlichen: Sein erster Fußballverein war Anadoluspor, ein türkischer Klub in Berlin-Kreuzberg, später ging er zur Fußballschule von Hertha BSC, wo er mit Anfang 20 als eines der größten Talente galt. Dieses blieb in der Heimat nicht verborgen: Cubukcu spielte von der U 17 bis zur U 21 in den Nationalmannschaften der Türkei. Im Laufe seiner Karriere wurde die Türkei wiederholt zum sportlichen Gastland – in der ersten bis zur dritten Liga kickte Cubukcu vor türkischen Fans. Nach zuletzt zwei Jahren in Babelsberg hatte der inzwischen 29-Jährige noch einmal Sehnsucht – nach höherklassigem Fußball, gern in der türkischen Heimat.

Bilal Cubukcu: „Meine Frau wollte von Anfang an, dass ich bleibe“

Dort gab es Angebote aus der dritten und zweiten Liga für den Fußball-Feinmechaniker aus Kreuzberg. Doch die Verhandlungen wurden schwierig. Zunächst scheiterte ein Wechsel zu einem Drittligisten an einem Transferverbot, mit dem der Verein sanktioniert ist. Dann kam der Putschversuch türkischer Militärs Mitte Juli. Die Unruhen haben auch Folgen für den Fußball. Prominente Beispiele sind Deutschlands Nationalspieler Mario Gomez oder der Argentinier Sosa, die nach der Sommerpause nicht zum Erstligisten Besiktas Instanbul zurückkehren. „Der Grund ist, dass meine Frau Angst davor hat, in Istanbul zu leben, und dass ich mich um meine Töchter sorge“, begründet Sosa.

Auch Cubukcu hat zwei Töchter. „Meine Frau wollte von Anfang an, dass ich bleibe“, sagt er. Der Familienvater wäre allein in die Türkei gegangen, Frau und Kinder in Berlin geblieben. „Allein das hat die Entscheidung nie leicht gemacht“, sagt Cubukcu. Nach dem Putsch habe er gemerkt, dass kleinere Vereine Probleme bekamen. Während in den großen Klubs der Süperlig Millionen-Gagen verdient werden, haben kleine Klubs schon immer Schwierigkeiten, Gehälter zu zahlen. Cubukcu selbst hat es bereits kennengelernt. Auch sein Babelsberger Vereinskollge Erdal Akdari hat es leidvoll erfahren, als er ein Jahr in der Türkei spielte – ohne einen Euro zu sehen. „Nach dem Putsch haben die kleinen Klubs noch mehr Probelme“, sagt Cubukcu. Für ausländische Spieler sei es in den unteren Ligen derzeit schwierig, so Cubukcus Eindruck. „Ich bin zwar Türke. Aber du wirst anders behandelt, wenn du auch in der Türkei lebst“, sagt er. „Es gibt schon gravierende Probleme in den unteren Ligen“, heißt es auch von der Spielerberater-Agentur vonV3, die Cubukcu betreut.

Auch wenn nach dem Putsch die Lage sicherer wird, wie Cubukcu meint, mache ihm Sorge, dass es überhaupt zu dem Aufstand kommen konnte. „So etwas will man nirgends auf der Welt erfahren.“ In Berlin und Babelsberg zu bleiben, „war vielleicht von Anfang an besser so“, sagt er.

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