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SV Babelsberg 03

  • 06.07.2016
  • von Peter Könnicke

FC St. Pauli gegen SV Babelsberg 03: Eine Sehnsucht trifft die andere

von Peter Könnicke

Der Zweitligist FC St. Pauli wird am Freitag im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg erwartet. Foto: dpa

Am Freitag kommt Zweitligist FC St. Pauli ins Karl-Liebknecht-Stadion. Es ist mehr als ein Fußballspiel, denn den Kiezklub aus Hamburg und den SV Babelsberg 03 verbindet seit Anfang der 1990er-Jahre eine enge Freundschaft. Beide Vereine schätzen und pflegen die gleichen Werte sowie Anschauungen.

Potsdam - Wenn am kommenden Freitag Zweitligist FC St. Pauli zum Formtest ins Karl-Liebknecht-Stadion gegen den SV Babelsberg 03 kommt, ist das mehr als ein Fußballspiel in der Sommerpause. Beide Vereine pflegen seit mehr als zwei Jahrzehnten eine enge Freundschaft – unter den Fans wie auch auf administrativer Ebene. „Die gegenseitigen Sympathien gibt es seit den 1990er-Jahren“, weiß René Kulke, der schon als Kind Fan des SV Babelsberg war und sich bereits da an die Beziehungen zu dem Hamburger Kiezklub erinnern kann. „Da hat Babelsberg noch in der Verbandsliga gespielt“, sagt Kulke.

Christian Lippold, heute Sicherheitsbeauftragter des SVB, weiß es noch ein bisschen genauer. „Als nach der Wende in der Potsdamer Gutenbergstraße Häuser besetzt wurden, waren da viele Hamburger dabei oder Leute, die Verbindungen mit Hamburg hatten“, erzählt er. Und als die hanseatischen Hausbesetzer den Fußball in Babelsberg entdeckten, setzte ein reger Fan-Tourismus ein. „Freitags zu St. Pauli und samstags zurück nach Babelsberg“, erinnert sich Lippold.

Weltoffen, politisch links, gegen Homophobie und Rassismus

Der Fußball-Klassenunterschied war für beide Vereine nie ein Hindernis, um eine Beziehung aufzubauen. Am Millerntor und im Karli wird nicht nur das gleiche Bier der Marke „Astra“ getrunken, es werden die gleichen Werte und Anschauungen geschätzt und gepflegt: weltoffen, politisch links, gegen Homophobie und Rassismus. „Hier trifft eine Sehnsucht auf die andere“, beschreibt Kulke das Verhältnis zwischen den beiden Klubs. Die Initiative „Viva con Agua“, die sich als gemeinnütziger Verein dafür einsetzt, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, hat ihren Ursprung auf St. Pauli. 2005 rief sie der damalige Pauli-Fußballer Benjamin Adrion nach einem Trainingslager auf Kuba ins Leben. Längst gehört die Unterstützung der Initiative zum gesellschaftspolitischen Selbstverständnis des SV Babelsberg 03. Mit „Viva con Agua“ wurde die romantische Vorstellung, die Welt verbessern zu können, zu einem konkreten realen Projekt – in den ersten sechs Jahren nach seiner Gründung wurden über zwei Millionen Euro an Spenden gesammelt. Auf St. Pauli gibt die Fan-Kampagne „Kiezhelden“ der Trinkwasser-Initiative eine Plattform, in Babelsberg hat „Viva con Agua“ eine eigene Werbebande.

Besonders eng ist die Fan-Freundschaft zwischen dem Babelsberger „Filmstadt-Inferno“ und „Ultrá St. Pauli“. Gegenseitige Besuche gibt es nicht nur bei Fußballspielen. „Wir unterstützen uns auch bei Demonstrationen, sehen uns bei Stadionfesten wie dem Bunten Ball oder Festivals“, sagt Kulke. Auch dem Freundschaftskick am Freitag folgt das mittlerweile zehnten Ultrash-Festival – ein „politisches Subkulturfestival für Skins, Punks, Ultras und andere antifaschistische Gegenkulturen“, wie es seitens der Veranstalter heißt.

Pauli-Fans spendeten 2011 für den finanziell angeschlagenen SVB

Als der SVB im Mai 2011 vor der Insolvenz stand und nicht wenige Nulldrei-Fans ihr Sparschwein zur Rettung des Vereins schlachteten, erreichte Babelsberg auch eine Solidaritätswelle von der Alster: „Rettet 03!!“ hieß seinerseits ein Aufruf auf der Ultrá-Fan-Webseite und Kulke weiß von damals zu berichten: „Es wurden einige Tausend Euro aus St. Pauli gespendet.“

„Wir basteln an weiteren Projekten“, sagt Thoralf Höntze, Marketingchef beim SVB. Seit 13 Jahren arbeitet er für den Verein. „Ich kenne es nicht anders“, sagt er zur Verbundenheit der beiden Kiezklubs. Das gemeinsame Engagement hat mit der Unterstützung von Flüchtlingsinitiativen wie dem Babelsberger Welcome-United-Team und dem Hamburger FC Lampedusa in den vergangenen zwei Jahren einen weiteren gemeinsamen Nenner gefunden. Im Kopf hat Höntze jetzt eine gemeinsame Wander-Ausstellung über kickende Flüchtlinge. 

SV Babelsberg 03 gegen FC St. Pauli: Freitag, 18 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion

Alles für den Verein: Lesen Sie hier einen Beitrag über die "Fußballfibel - SV Babelsberg 03", in der SVB-Fans die Seele ihres Vereins ergründen.

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