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  • 27.04.2016
  • von Klaus Gallinat

Das Karl-Liebknecht-Stadion wird 90 Jahre alt: Tribünen aus Holz und Flutlicht zum Umknicken

von Klaus Gallinat

Die vorerst letzte Baustelle. In den Jahren 2010 und 2011 bekam das Karl-Liebknecht-Stadion eine neue Tribüne mit integrierten Funktionsräumen und Büros. Es war die vorerst letzte große Baumaßnahme an dem 90 Jahre alten Stadion, das innerhalb der Regionalliga und auch der Frauen-Bundesliga zu den schönsten Spielstätten gehört. Foto: Jan Kuppert

Mit seinen 90 Jahren sieht das Karl-Liebknecht-Stadion heute nach zahlreichen Faceliftings schöner aus denn je. Ein Rückblick.

Potsdam - Am vergangenen Montag vor 90 Jahren, am 25. April 1926, wurde in Nowawes ein städtischer Sportplatz in der damaligen verlängerten Priesterstraße feierlich eröffnet: das heute als „Karli“ bekannte Stadion. Insgesamt vier große und einige kleinere Umbaumaßnahmen haben das Gesicht des heutigen Karl-Liebknecht-Stadions über die Jahrzehnte immer wieder verändert.

Die Anfänge lassen sich bis in das Jahr 1926 zurückverfolgen. Ob es noch ältere Wurzeln an dieser Stelle gibt, muss angezweifelt, kann aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. In den 1980er-Jahren war die Interessengemeinschaft Potsdamer Fußballtradition der Auffassung, dass bereits vorher an dieser Stelle ein Fußballplatz durch den Arbeitersportverein Concordia Nowawes angelegt wurde. Doch ist das eher unwahrscheinlich, denn die Krongutverwaltung, die nach der Abdankung des Kaisers im November 1918 für die Parkanlagen in Babelsberg zuständig war, hatte Anfang 1926 die bis dato gültige Erlaubnis zur sportlichen Nutzung von Rasenflächen im Park widerrufen. Unter anderem spielte auch Concordia Nowawes im Park.

Unmut der Bevölkerung, dass in der Notzeit Geld für eine Sportstätte ausgegeben wurde

Die damals noch selbständige Stadt Nowawes musste für ihre Vereine eine Alternative schaffen. Bis auf den SV Nowawes 03 hatte kein anderer Verein in der Stadt einen eigenen Sportplatz. Die Stadt nutzte einen verwilderten Teil der ehemaligen Parkanlage, der durch den Bau der Allee nach Glienicke von der Grenzstraße bis zum Teltowkanal abgetrennt wurde. Im Winter 1925/26 war die Platzanlage zwar fertig, aber der Rasen noch nicht angewachsen. Die Anlage bestand aus zwei Plätzen, einem Turnplatz, leichtathletischen Anlagen und einer Jugendherberge. Diese diente gleichzeitig als Umkleide- und Waschtrakt. Während die Sporttreibenden eine 400-Meter-Laufbahn vermissten, war der Unmut bei der dem Sport nicht geneigten Bevölkerung groß, dass in dieser Notzeit Geld der Stadt für eine Sportstätte ausgegeben wurde.

Bereits 1929 zählte man 29 775 Sportler, die im Laufe des Jahres den Platz an 226 Tagen genutzt haben. Neben mindestens fünf Sportvereinen waren es auch die Schulen, die den Platz intensiv nutzten.

Am 18. März 1945 fand das letzte Spiel auf dem Sportplatz statt

An den Festlichkeiten zur Eröffnung nahmen alle Sportvereine und Schulen der Stadt teil, ausgenommen die Arbeiterturn- und -sportvereine. Lakonisch bemerkte die örtliche Presse, dass diese sich nichts vergeben hätten, daran teilzunehmen. Höhepunkt war das Eröffnungsspiel zwischen Nowawes 03 und Minerva Nowawes, das der Favorit Nowawes 03 mit 10:0 gewann. Bis Kriegsende war es der ehemalige Arbeitersportverein Concordia, ab 1933 Eintracht, die den Platz in Berlin und Brandenburg bekannt machten. Unvergessen das Pokalspiel gegen den damals übermächtigen Verein Tennis Borussia am 19. Mai 1940. Mit 5:2 Toren wurde TeBe nach Berlin geschickt. Am 18. März 1945 fand das letzte Spiel auf dem Sportplatz statt.

Keinen Monat später war der Krieg in Babelsberg zu Ende und es begann der zweite Abschnitt im Dasein des Platzes. Wer dachte, dass der Sport in den Hintergrund geraten war, irrte sich gewaltig. Noch 1945 sammelten sich die Babelsberger Fußballer auf Initiative des ehemaligen Arbeitersportlers Alfred Kroop. Als eine der ersten Maßnahmen wurde 1946 die Anlage notdürftig repariert. Es gab keine Netze, das Holz endete in den Öfen der Bevölkerung und trotzdem fanden sich genügend Sportler, die wieder aktiv sein wollten. Vereine waren jedoch verboten, sodass die ehemaligen Rivalen 03 und Eintracht aus der Not eine Tugend machten und sich zu einer Sportgemeinschaft zusammenschlossen. Der Erfolg und die Notwendigkeit ließ sie zu einer Einheit verschmelzen. Mit dem Gewinn der Landesmeisterschaft 1949 war die Eingliederung in die DDR-Oberliga verbunden.

Eine Tribüne aus Holz

Auf dem Sportplatz, der seit 1947 den Namen Karl Liebknecht trägt, aber war das nicht möglich. Also startete Rotation unter Leitung des Sektionsleiters Paul Bauschke eine Initiative zur ersten Umgestaltung des Platzes. Neben der Platzanlage wurde eine Tribüne aus Holz gebaut. Es gab verbesserte Sichtverhältnisse für die Zuschauer. Zu den wichtigsten Punktspielen in dieser Zeit kamen bis zu 12 000 Zuschauer. Wer keinen Steh- oder Sitzplatz bekam, nutzte die umliegenden Bäume als ersten Rang. Insgesamt 113 Oberligaspiele fanden hier statt.

Die dritte Umbauphase begann um 1974. Jetzt wollte die Stadt Potsdam ein Fußballstadion und bekam es auch. Da es kein im Fünf-Jahr-Plan berücksichtigter Bau war, musste improvisiert werden. Unter anderem halfen alle größeren Betriebe der Stadt. Auch die in Potsdam stark vertretende Rote Armee beteiligte sich. Mit schwerer Technik wurde der ehemalige Sportplatz samt der Bäume beräumt. Es entstand eines der modernsten und schönsten Fußballstadien der DDR. Zur Eröffnung am 10. Juli 1976 wurde die DDR-Nationalmannschaft eingeladen. 5:0 besiegte die Auswahl den Gastgeber Motor Babelsberg. Wenige Wochen später wurde diese DDR-Mannschaft Olympiasieger in Montreal.

Drei Länderspiele bis 1990

Was war anders? Die Spieler mussten nicht mehr 300 Meter bis zu den Umkleidekabinen laufen. Ein Tribünengebäude mit überdachten Sitzplätzen entstand, eine Beregnungsanlage wurde installiert, das Spielfeldmaß auf 110 mal 75 Meter erweitert, die Stehtribünen mit 18 beziehungsweise neun Stufen entstanden. Das Stadion wurde für 15 000 Zuschauer konzipiert. Allerdings war es nur zur Eröffnung ausverkauft. Insgesamt drei Länderspiele wurden hier bis 1990 ausgetragen. Hinzu kam das einzige Länderspiel der Frauen-Nationalmannschaft der DDR. Mit der Wende 1989 und dem Niedergang des Fußballs in Babelsberg kamen kaum mehr 300 Zuschauer zu den Spielen.

Erst ab 1995 erlebte das Stadion eine Renaissance. Neben Babelsberg 03 wurde es zur Heimstatt des 1. FFC Turbine Potsdam, die den Männern den Rang abliefen und wesentlicher erfolgreicher spielten. Die vierte Entwicklungsphase des Stadions begann mit dem sensationellen Aufstieg des SV Babelsberg 03 in die 2. Bundesliga 2001. Am 9. Juli 2001 war das Stadion ein zweites Mal ausverkauft. Nulldrei besiegte Fortuna Düsseldorf 1:0 und stieg auf. Damit verbunden waren bauliche Auflagen für das Stadion. Die Sitzbänke wurden gegen Schalensitze ausgetauscht, es entstand ein Presse- und ein VIP-Raum, ein Dopingraum musste hergerichtet und ein Pufferblock zwischen Gäste- und Heimfans angelegt werden. Das Wichtigste, und mit den größten Problemen verbunden, war das Flutlicht. Fast 45 Jahre nach dem ersten Flutlichtversuch im Karli wurde ein neues und einzigartiges Flutlicht installiert. Das Weltkulturerbe und die Sichtachsen zum Babelsberger Park machten ein teures, aufwendiges aber einzigartiges Flutlicht notwendig. Nach vielen Diskussionen einigten sich alle Seiten auf umklappbare Masten. Vor allem die Bürgerinitiative gegen das Stadion versuchte massiv zu verhindern, dass hier Fußball gespielt wird. Die Anwohner können bei laufenden Flutlicht nicht den Mond und die Sterne beobachten, war nur eines der Argumente. Am Ende siegte der Fußball und das Flutlicht konnte am 12. April 2002 im Spiel gegen Waldhof Mannheim eingeweiht werden.

2010: Ein weiterer Umbau des Karl-Liebknecht-Stadions

2003 übernahm der SV Babelsberg das Stadion in Erbbaupacht unter der Bedingung, dass es Turbine weiter nutzen darf. Diesen Umstand ist es unter anderem zu verdanken, dass acht Millionen Euro aus dem Goldenen Plan Ost ins Stadion flossen und 2010 ein weiterer Umbau stattfinden konnte. Das Tribünengebäude wurde umgebaut, der Nebenplatz erhielt Kunstrasen, Parkplätze auf dem Gelände wurden geschaffen. Wichtigste Veränderung war der Bau der östlichen Tribüne mit überdachten Stehplätzen. Leider reichte das Geld nicht, um alle Träume zu erfüllen. So blieb die Rasenheizung eine Utopie, auch weil die Folgekosten für eine solche Heizung immens sind.

Der Autor Dr. Klaus Gallinat (57), geboren in Babelsberg, ist seit 1966 bei Motor Babelsberg aktiv. Er ist jüngster nachweisbarer Spieler in der 1. Männermannschaft bei Motor in Punktspielen der DDR-Liga (17 Jahre und 18 Tage). Bis 2011 war er Vorstandsmitglied beim SV Babelsberg 03. Er arbeitet an der Uni Potsdam.

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