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  • 15.04.2016
  • von Tobias Gutsche

Sportstätten in Potsdam: Platzprobleme

von Tobias Gutsche

Ein „PK94“ aus den Mitgliedern geformt. Der 1994 gegründete Fußballclub Potsdamer Kickers veranstaltete am Mittwoch eine Fotoaktion auf dem in die Jahre gekommenen und kleinen Kunstrasenplatz an der Kirschallee. Die Kickers wünschen sich eine zusätzliche neue Anlage inklusive eigenem Funktionsgebäude. Foto: Verein

In der brandenburgischen Landeshauptstadt mangelt es in großem Maße an wettkampfgeeigneten Fußballstätten, wie der Sportentwicklungsplan aus dem Jahr 2013 aufgezeigt hat. Vereine wie die Potsdamer Kickers kämpfen um Verbesserungen.

Potsdam versieht sich gerne mit dem Label „Sportstadt“. Allein schon, weil hiesige Athleten bislang 161 olympische Medaillen gewannen. Geformt wurden diese Sportler vornehmlich auf dem Gelände des Luftschiffhafens, dem am gestrigen Donnerstag Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke einen Besuch abstattete, um sich ein Bild von den dortigen Gegebenheiten zu machen. Er sah viele topmoderne Anlagen, von denen die Spitzenleute profitieren. Andernorts in der sogenannten „Sportstadt“ ist die Sportstättensituation für die breite Masse der Aktiven weit weniger rosig. Es herrscht Sanierungsnot und Mangel.

Ein Lied davon können die Potsdamer Kickers singen. Der 1994 gegründete Fußballverein war nach seinen Anfängen in der Kurfürstenstraße und später am Neuen Palais bis 1999 im Ernst-Thälmann-Stadion beheimatet. Als dieses dann wegen der Bundesgartenschau abgerissen wurde, mussten die Kickers umsiedeln. Von der Stadt wurde ihnen ein Platz an der Kirschallee zur Verfügung gestellt, der an die Karl-Foerster-Grundschule angebunden und nunmehr gewaltig in die Jahre gekommen ist. Der Kunstrasenbelag ist vollkommen abgenutzt, steinhart und rutschig.

Neuer Belag an der Kirschallee, aber keine Vergrößerung

Seit Jahren kämpft der Club schon um einen Austausch des Bodens – und hat nun einen Erfolg erreicht. „Wir haben die Zusage der Stadt, dass die Spielfläche in der Sommerpause neu gemacht wird“, sagt der Kickers-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Schaffernicht: „Damit sind wir grundsätzlich zufrieden. Ganz optimal wäre es aber gewesen, wenn der Platz auch gleich etwas vergrößert worden wäre.“

Denn die Maße sind neben der Beschaffenheit des Untergrundes das zweite Übel der Anlage. 90 mal 45 Meter misst das Spielfeld. Das absolute Minimum, um darauf offizielle Partien zu bestreiten. Kein Zentimeter weniger wäre erlaubt. So trennen die Seitenauslinie und den Strafraum nicht einmal zwei Meter. „Das ist natürlich äußerst eng. Der kleine Platz macht ein richtig ordentliches Spiel kaum möglich“, meint Schaffernicht, dessen Verein sich damit aber auch weiterhin abfinden müsse: „Wir hatten den Wunsch geäußert, dass das Feld im Zuge der Erneuerung um zehn Meter verbreitert wird. Das ist jedoch an den Finanzen gescheitert. Ein reiner Austausch des Belags kostet 275 000 Euro, durch die Vergrößerung wären wir bei 400 000 Euro gewesen. Und dafür fehlt momentan das Geld, hat uns die Stadt erklärt.“

Kickers-Wunsch: Ein zweiter Platz mit eigenem Vereinsgebäude

Doch es gibt einen anderen Hoffnungsschimmer für die Kickers hinsichtlich einer besseren Sportstättensituation. In der vergangenen Woche stimmte die Stadtverordnetenversammlung einem Antrag der Fraktionen CDU/ANW und SPD zu, wonach nunmehr ein Standort für die Errichtung eines neuen Fußballplatzes im Potsdamer Norden gesucht werden soll. Eine zweite Anlage in diesem bei Familien beliebten Stadtgebiet, wo die Wohnungsneubauten nur so wie Pilze aus dem Boden sprießen, ist nach Ansicht von Wolfgang Schaffernicht auch zwingend nötig. „Wir sind mit 471 Mitgliedern einer der größten Fußballvereine in Potsdam und müssen immer wieder Neuanmeldungen zurückweisen, weil wir nicht ausreichend Kapazitäten haben“, berichtet er. Sieben der 19 Mannschaften müssen bereits von der Kirschallee ausweichen. Die erste und zweite Männer-Mannschaft trainieren und spielen am Luftschiffhafen, fünf Jugend-Teams bestreiten teilweise ihre Übungseinheiten auf einem gut hergerichteten Rasenplatz in Neu Fahrland, der jedoch über kein Flutlicht sowie keine dazugehörigen Sanitäranlagen verfügt und damit nur bedingt tauglich ist.

Um auf die gegenwärtigen schlechten Bedingungen für den Club aufmerksam zu machen, veranstalteten die Kickers am vergangenen Mittwoch eine große Fotoaktion auf dem Sportareal an der Kirschallee. Spieler, Trainer und Betreuer formierten sich dabei so, dass die aktuelle Mitgliederzahl sowie das Vereinskürzel „PK 94“ entstand. „Wir hoffen, dass bald eine Lösung gefunden wird und wir einen neuen Platz bekommen. Inklusive eigenem Funktionsgebäude, in dem sich auch ein aktives Vereinsleben entwickeln kann. An der Kirschallee haben wir nur einen kleinen Raum, in dem so etwas nicht möglich ist.“

Stadt nähert sich der Bedarafdeckung bei Sporthallen

Der in der Vorwoche bewilligte Antrag umfasst aber nicht nur die Suche nach einem neuen Fußballplatz-Standort im Bereich Bornstedter Feld. Zudem sieht er auch vor, dass nun die Umwandlung des Schotterplatzes im Sportforum Waldstadt hin zu einem Kunstrasen in Angriff genommen wird. Als mögliche Finanzierungsquelle dieser beiden Projekte nennen die Antragsteller das jüngst auf den Weg gebrachte Kommunale Investitionsprogramm des Landes Brandenburg, mit dem bis zum Jahr 2019 insgesamt 15 Millionen Euro für den Bau oder die Sanierung von Sportanlagen bereitgestellt werden.

Eine Förderung, die Potsdam gut gebrauchen könnte, stehen doch schließlich noch deutlich mehr Sportstätteninvestitionen an. Der bisher letzte städtische Sportentwicklungsplan hatte 2013 aufgezeigt, dass es für eine gute Bedarfsdeckung jeweils noch 17 zusätzliche Sporthallen und Freisportflächen – vor allem wettkampfgeeignete Fußballplätze – braucht. An der Umsetzung dieser Empfehlung werde gearbeitet, teilt die Stadt auf PNN-Anfrage mit und verweist auf mehrere entsprechende Projekte. Demnach seien auf Grundlage des für den Zeitraum 2014 bis 2020 angelegten Schulentwicklungsplans sieben Neuerrichtungen und vier Erweiterungen von Hallen geplant oder bereits im Bau. Damit komme die märkische Landeshauptstadt im Fall der Hallen „einer Deckung des Bedarfs näher“, heißt es in der Erklärung.

Bislang ist nur ein neuer Fußballplatz in Arbeit 

Weniger Fortschritt ist bisher bei den Freisportflächen zu erkennen. Lediglich ein aktuelles Projekt wird aufgeführt: Der Fußballplatz Nowawiese am Babelsberger Park, auf dem bereits der Rasen gedeiht und die Tore stehen. Nutzungsbeginn soll im Sommer sein. Dann fehlen aber immer noch 16 weitere Anlagen, um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Den großen Bedürfnissen, wie sie zum Beispiel im Norden der Stadt bei den Potsdamer Kickers vorliegen.

Lesen Sie hier ein Interview mit Clemens Viehrig, dem Vorsitzenden des Sportausschusses im Stadtparlament, zur Sportstättenproblematik in Potsdam.

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