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Potsdamer Talente

  • 13.04.2016
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Talente: Auf den Spuren seiner Onkels

von Tobias Gutsche

Mattenkämpfer mit Erfolg. Im Gewichtslimit bis 54 Kilogramm ist Freistilringer Alan Golmohammadi frischgebackener deutscher B-Jugend-Meister. Foto: Tobias Gutsche

Die Familie von Alan Golmohammadi hat große Erfolge im Ringen vorzuweisen - Olympiasiege und Weltmeistertitel. Der 14-jährige Athlet des RC Germania Potsdam eifert nun den glorreichen Verwandten nach.

Junge Sportler schauen gerne zu Idolen auf. Sie beziehen daraus Ansporn und Motivation für das eigene tägliche Training, um später selbst einmal große Triumphe zu erreichen. Auch Alan Golmohammadi eifert Vorbildern nach. In seinem Fall kommen sie sogar aus der Familie. Es sind seine angeheirateten Onkels, auf deren Spuren der begabte Freistilringer des RC Germania Potsdam wandelt. „Das waren großartige Athleten“, sagt er voller Anerkennung über Makharbek und Aslanbek Khadartsev, zwei glorreiche Ringer aus Ossetien im Nordkaukasus. Makharbek wurde 1988 und 1992 Olympiasieger und holte zudem 1996 noch eine olympische Silbermedaille, Aslanbek sicherte sich in den 1980er-Jahren dreimal den Weltmeistertitel.

An der Realisierung seines Traums, auch derartige Meriten zu sammeln, arbeitet Alan Golmohammadi seit nunmehr fast zwei Jahren in Luckenwalde. Am dortigen Bundesstützpunkt mit angebundener Sportschule inklusive Internat trainiert, lernt und lebt er. Neun Einheiten absolviert der Achtklässler wöchentlich, hinzu kommen Wettkämpfe am Wochenende. Nur noch selten schafft er es daher beim RC Germania – seinem Heimatclub, aus dem bereits etliche national und international erfolgreiche Ringer hervorgegangen sind – vorbeizuschauen.

Im Alter von sieben Jahren stand er zum ersten Mal auf der Matte

Am vergangenen Freitagnachmittag ließ sich ein Besuch im Trainingszentrum an der Babelsberger Rudolf-Breitscheid-Straße/Ecke Daimlerstraße aber mal wieder im vollen Terminplan unterbringen. „Hier bin ich groß geworden. Dieser Verein ist für mich zu einer zweiten Familie geworden“, erzählt der ruhige, fast schon schüchtern wirkende 14-Jährige und lässt dabei langsam seinen Blick durch die Halle schweifen, in der gerade einige junge Kämpfer das Ringer-Abc gelehrt bekommen.

Alan Golmohammadi – in Berlin als Sohn einer Russin und eines Iraners geboren – war sieben Jahre alt, als er zum ersten Mal bei Germania Potsdam auf der Matte stand. Seine Mutter hatte zuvor stets Ausschau nach einem Ringerverein in der Nähe ihrer Zehlendorfer Wohnung gehalten. „Aber irgendwie“, berichtet sie, „bin ich nicht fündig geworden.“ Doch wie es der Zufall so wollte, fiel ihr dann bei einem Ausflug an den Güterfelder See ein Mann mit sogenanntem „Blumenkohlohr“ auf. Eine durch Blutergüsse verknorpelte Hörmuschel, etwas sehr Typisches bei Ringern. Die Mutter von Alan Golmohammadi kannte dieses Merkmal sehr gut, schließlich hat sie mit Makharbek und Aslanbek Khadartsev zwei Größen dieser Sportart in der Verwandtschaft. „Ich habe den Herrn dann gefragt, ob er weiß, wo man hier ringen kann. Er verwies mich an den Club in Potsdam.“

DM-Titelgewinn 2016 wäre beinahe nicht zustande gekommen

Jener Vermittler war dort einst selbst aktiver Ringer und hatte obendrein auch noch im Polizeidienst als Vorgesetzter engen Kontakt zu Germania-Trainer Reiner Leffler. „Ein paar Tage nach diesem Gespräch stand Alan dann bei uns in der Halle und ich wurde sein erster Coach“, erinnert sich Leffler, der von Beginn an großes Talent in seinem neuen Schützling erkannte. Über den Youngster, der ab der kommenden Saison auch in der Regionalliga für Germania starten wird, sagt er heute: „Der Junge hat das Gefühl dafür, im richtigen Moment die richtige Lösung im Kampf zu finden.“

Diese Qualität demonstrierte Alan Golmohammdi vor drei Wochen eindrucksvoll bei der deutschen B-Jugend-Meisterschaft in Warnemünde. Souverän holte er den Titel im Limit bis 54 Kilo. Beinahe wäre der Champion aber gar nicht an der Ostseeküste mit dabei gewesen, denn ihm fehlte zunächst noch eine wichtige Teilnahme-Voraussetzung: die deutsche Staatsbürgerschaft. Obwohl er hier das Licht der Welt erblickte und aufgewachsen ist, hatte er sie nicht automatisch. Sein dreieinhalb Jahre jüngerer Bruder hingegen schon. Er habe von einer nach Alans Geburt vorgenommenen Gesetzesänderung profitiert, die in Deutschland geborenen Kindern den Weg zur hiesigen Staatsbürgerschaft ebnet, erklärt die Mutter.

Wegen fehlender deutscher Staatsbürgerschaft verpasste er die DM 2015

Bei ihrem älteren Sohn musste sie stattdessen lange darum kämpfen. Es war ein zähes Ringen fernab der Matte. Rund eineinhalb Jahre dauerte der bürokratische Werdegang, weshalb Alan Golmohammadi die deutsche Meisterschaft 2015 verpasste. „Da war ich traurig, hatte auch erst mal auf nichts Bock. Dann habe ich mich aber wieder zusammengenommen und es ging weiter“, sagt der durchtrainierte junge Mann, der knapp eine Woche vor den diesjährigen Titelkämpfen die positive Nachricht erhielt, dass er nun offiziell Deutscher sei und antreten dürfe. „Ich bin meiner Mutter so sehr dankbar, dass sie die vielen Mühen auf sich genommen hat. Das war dann auch bei der Meisterschaft zusätzlicher Ansporn für mich. Ich wollte ihr etwas zurückgeben.“ Mit dem Gewinn der Goldmedaille ist das vollends gelungen. 

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