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SV Babelsberg 03

  • 08.04.2016
  • von Peter Könnicke

RB Leipzig II gegen SV Babelsberg 03: Im Spiegel des „Hürriyet“

von Peter Könnicke

Nulldrei und Cem Efe im Blickpunkt. Die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ thematisierte vor Kurzem in einem größeren Beitrag die besondere Beziehung zwischen dem SV Babelsberg und seinem Cheftrainer. Foto: PNN-Repro

Aufmerksam verfolgt die türkische Tageszeitung "Hürriyet" die Arbeit von Cem Efe, Cheftrainer des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03. Efe setzt stark auf die Förderung junger Spieler wie Lukas Schesny, der viele lobende Worte für den Coach findet.

Auch wenn der SV Babelsberg 03 in der aktuellen Saison tabellarisch zum Mittelmaß gehört, werden dem aktuellen Regionalliga-Siebten gute fußballerische Werte attestiert. Kollegen von Nulldrei-Coach Cem Efe würdigen auf Pressekonferenzen regelmäßig die spielerische Note seiner Mannschaft. Dass es letztlich an der Qualität fehlt, um konstant auch gegen die Spitzenteams der Liga zu bestehen, wissen Efe und auch Almedin Civa als Sportlicher Leiter realistisch einzuschätzen – Zuschauer und auch Spieler bekamen es nicht zuletzt vor Wochenfrist durch das 1:3 gegen den Berliner AK vorgeführt.

Die Arbeit von Cem Efe in Babelsberg erweckt auch in der Türkei Aufmerksamkeit, wo die Familie des in Berlin geborenen Trainers seine Wurzeln hat. In der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ wurde vor Kurzem ein größerer Beitrag über ihn und seinen SVB veröffentlicht. Die Tatsache, dass Efe einst als Spieler und seit viereinhalb Jahren als Trainer bei dem Kiezklub arbeitet – zunächst als Assistenzcoach des wenig beliebten Carsten Benbenneck in der letzten Drittliga-Saison und seit nunmehr drei Jahren als Cheftrainer –, lässt „Hürriyet“-Autor Ali Varli von einer ganz besonderen Beziehung schreiben.

Cem Efe steht den jungen Akteuren zur Seite

Und er macht Efe zum derzeit beständigsten türkischstämmigen Trainer im deutschen Fußball. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen habe es der SVB unter Efes Führung geschafft, sich fußballerisch im Laufe der vergangenen drei Saisons zu verbessern. „Finanziell können wir uns nicht mit den Spitzenvereinen der Liga vergleichen“, sagte Efe der „Hürriyet“. Umso mehr betonte er gegenüber der Zeitung, wie wichtig die Arbeit mit dem eigenen Nachwuchs ist. „Man muss die Jugend fördern“, wird Efe zitiert. Manche Trainer würden sich aus Angst vor Misserfolgen scheuen, auf Talente zu setzen. Beim SVB bleibe gar nicht viel übrig, als aus der Not eine Tugend zu machen und den Nachwuchs an höhere Aufgaben heranzuführen. Efe: „Es ist unsere Aufgabe, die Jugend zu unterstützen.“.

Dass dies nicht nur Worte sind, belegen Namen wie Antonin Hennig, Ramasan Günel, Laurits Schulze-Buschhoff oder Lukas Schesny: Spieler aus der eigenen Jugend, die in dieser Saison mit der ersten Mannschaft trainieren und erste Regionalliga-Erfahrungen gemacht haben. Auch wenn diese im Fall von Lukas Schesny äußerst schmerzhaft und lehrreich waren. Bei seinem Debüt vor drei Wochen bei der 0:1-Niederlage gegen die U23 von Hertha BSC „habe ich so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, schätzt der 19-Jährige selbstkritisch ein. Nach gut 25 Minuten musste Efe reagieren und holte den Mittelfeldakteur vom Platz. „Ich stand völlig neben mir und habe schon eine Weile gebraucht, ehe ich das verdaut hatte“, gesteht Schesny. Wer ihm dabei geholfen hat: Trainer Cem Efe. Unmittelbar nach dem Spiel habe der Coach gar nichts gesagt, erst einen Tag später bei der Mannschaftsbesprechung habe sich Efe vor den Spieler gestellt. „Er meint, ich soll mir nicht so viele Gedanken machen, dass ich weiter trainieren und an mir arbeiten soll, dann werden sich auch Erfolgserlebnisse einstellen“, erzählt er.

Schesny: Efe gibt uns "das Gefühl, dass wir dazugehören"

Ohnehin sei es ein Erfolg, dass junge Spieler wie er, Henning oder Schulze-Buschhoff es in den Regionalliga-Kader geschafft haben. „Das ist schon ein gutes Gefühl“, meint Schesny. Dabei war in seinem Fall der Saisonstart alles andere als optimal. Nach einem Kreuzbandriss war er mehr im Rehabilitations- als im Trainingsmodus, als ihn Efe in die erste Mannschaft holte. Den gebürtigen Berliner, der seit der D-Jugend beim SVB ist und als A-Jugendlicher ein Jahr in Polens erster Nachwuchsliga spielte, zählt für Efe und Civa zu jenen Talenten, mit denen sie die Perspektive am Babelsberger Park gestalten wollen. „Trotz meiner Verletzung hat der Trainer immer mit mir geredet und mir das Gefühl gegeben, dass ich dabei und einer von der Mannschaft bin“, erzählt der Abiturient. „Er hat sich immer nach meinem Entwicklungsstand erkundigt, was mir sehr gut getan hat.“

Die Rückkehr auf den Trainingsplatz mit gestandenen Spielern wie Andis Shala, Ugurtan Cepni oder Bilal Cubukcu war Lohn der Reha-Mühen. Beim Training erlebt Schesny Efe auch als „sehr, sehr strengen Trainer, von dem vor allem wir junge Spieler auch mal was hinter die Ohren kriegen“. Aber durch das intensive Einbeziehen der Youngster in seine Spielideen gebe der Trainer ihnen „das Gefühl, dass wir dazugehören“, sagt Schesny. 

Der SV Babelsberg 03 gastiert in der Regionalliga Nordost am Sonntag bei RB Leipzig II. Anstoß ist um 13.30 Uhr.

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