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SV Babelsberg 03

  • 04.03.2016
  • von Peter Könnicke

SV Babelsberg 03 bei Wacker Nordhausen: „Hier bin ich wirklich ein elfter Feldspieler“

von Peter Könnicke

Hält den Ball lieber flach: Die Nummer eins vom SV Babelsberg 03, Kevin Otremba. Foto: J. Kuppert

Kevin Otremba, Torhüter des Regionalligisten SV Babelsberg 03, spricht im PNN-Interview über spieleröffnende Pässe, Speerwurf und Fußball als Geduldsspiel. Am Freitag tritt Otremba, der seit dem 12. Spieltag die Nummer eins des SVB ist, mit seiner Mannschaft beim Tabellenzweiten Wacker Nordhausen an.

Herr Otremba, wie sehr ärgert Sie die 91. Minute des Spiels vom vergangenen Freitag gegen Luckenwalde?

Hört sich blöd an, wenn man 6:1 gewinnt und eigentlich alles schön ist. Aber als Torwart willst du 6:0 gewinnen und wenn du das Tor dann in der 91. Minute bekommst, ist das alles andere als toll. Aber ein 6:1-Sieg spricht für sich und am Ende war die Freude größer und länger als der kurze Moment des Ärgers.

Wie wichtig war der Sieg – der zweite in Folge, im zweiten Derby – für den Fortgang der Rückrunde, die ja holprig begann?

Sehr wichtig, gerade weil wir jetzt das Spiel gegen Nordhausen vor der Brust haben. Da tut so ein Selbstbewusstsein sehr gut. Wir kommen jetzt absolut gestärkt aus zwei Spielen, in denen wir unsere Dominanz endlich auch in Tore umgemünzt haben. Wir haben auf jeden Fall Bock.

Wann würden Sie für sich von einem guten Spiel sprechen?

Das ist schwierig zu sagen. Wenn die Null steht, ist das schon mal gut. Ich bekomme ja recht wenig Bälle aufs Tor, weil die Jungs vor mir das sehr gut machen. Aber ich will bei Flanken sehr präsent sein und durch meine Größe (1,95 Meter; Anm. d. R.) alles abfangen. Und ich will mitspielen, weil das hier die Philosophie ist, dass ich als mitspielender Torwart auch die Angriffe einleite. Gerade das ist bei der Bewertung für mich wichtig. Ein Außenstehender wird vielleicht sagen, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe, weil ich viele Bälle gehalten habe. Aber für mich kommt es nicht nur darauf an.

Ist für Sie als Torwart die Versuchung nicht immer da, die Bälle einfach rauszuschlagen?

Im Training versuche ich schon, jeden Ball flach rauszuspielen. Aber wenn es im Spiel brenzlig wird, haue ich den lang. Bevor wir hinten ein dummes Gegentor bekommen, weil ich einen Zauberpass spielen will, den vorn eigentlich nur Bilo (Bilal Cubukcu, Anm. d. R.) spielt, schlage ich den lieber raus.

Gibt es überhaupt Zeit zu überlegen, ob Sie einen Ball wegschlagen oder herausspielen?

Das hängt von den Situationen ab. Wenn ich merke, dass der gegnerische Stürmer von Beginn an Druck macht, gehe ich lieber erst mal auf Nummer sicher. Aber wenn du als Torwart gut ins Spiel kommst und gleich nach dem ersten Rückpass einen super eröffnenden Pass spielst, dann ist es wie bei jedem anderen Fußballer auch: Dann hast du ein gewisses Selbstvertrauen und spielst Bälle, die du sonst vielleicht nicht spielen würdest.

Haben sich Ihre fußballerischen Fähigkeiten verbessert, seit Sie in Babelsberg sind?

Absolut. Ich muss zugeben, dass ich zunächst meine Schwierigkeiten damit hatte, weil unser Trainer Cem Efe sehr viele neue Ideen hatte, die ich so noch nicht kannte. Ich habe vorher als Torwart zwar auch mitgespielt, aber einfacher als es hier verlangt wird. Hier bin ich wirklich ein elfter Feldspieler. Das hilft mir in meiner Entwicklung sehr, weil es heutzutage im modernen Fußball auch verlangt wird, dass der Torwart mitspielt.

Wenn Sie heute noch einmal die Wahl hätten: Würden Sie lieber Stürmer oder wieder Torwart werden?

Das ist so die Frage, oder? (lacht) Wenn du als Stürmer 90 Minuten schlecht spielst und das entscheidende Tor machst, bist du der Held. Aber mir macht die Torwartposition sehr viel Spaß. Bei meinem allerersten Training, als ich das erste Mal zu einem Verein gegangen bin, war nur noch die Torwartposition frei. Das habe ich dann gemacht und hatte sofort Spaß daran. Seitdem bin ich fast durchgängig Torwart. Ein halbes Jahr habe ich es mal draußen auf dem Feld probiert, aber mit weniger Erfolg. Ich bin absolut zufrieden mit dem, was ich bin.

Haben Sie sich mal im Speerwurf versucht?

Das wäre vielleicht mal eine interessante Abwechslung. Aber ich habe es noch nie gemacht.

Ihre Abwürfe sind nämlich nicht schlecht. Wie weit können Sie denn einen Fußball werfen?

Mit Anlauf … ich schätze mal bis zehn Meter hinter die Mittellinie.

Etwas Anlauf scheint die Mannschaft auch für den Start der Rückrunde gebraucht zu haben, sodass sich manch Babelsberger Anhänger an die eher mäßigen Rückserien der vergangenen Spielzeiten erinnert fühlte. Warum wird es diesmal gar nicht so schlecht?

Wir haben in der Hinrunde schon gezeigt, was wir können und dass wir in meinen Augen spielerisch die dominanteste Mannschaft der Liga sind. Ich glaube, jeder von uns hat das klare Ziel, zu beweisen, dass da noch mehr drin ist. Dass wir in der Lage sind, die Spiele, die wir dominieren, auch zu gewinnen und nicht nur ein Unentschieden rausholen. Wir wollen einfach noch eine Schippe drauflegen, haben einfach Bock, Fußball zu spielen und den anderen Mannschaften und der Liga zu beweisen, was bei uns geht und was den SV Babelsberg ausmacht.

Woher kommt dieser Spirit in einem Umfeld, das ja nicht einfach ist: Die wirtschaftlichen Möglichkeiten des SVB sind begrenzt, sodass es derzeit sportlich sicherlich auch Grenzen gibt, um ganz oben mitzuspielen. Wie gelingt es dem Team, ständig einen hohen Qualitätsanspruch zu entwickeln?

Dieser Geist wächst tatsächlich aus der Überzeugung, dass wir fußballerisch die beste Mannschaft in der Liga sind. Das kann ich absolut so selbstbewusst sagen. Und wir wollen das wirklich in jedem Spiel beweisen. Dazu kommen die Heimspiele, Freitagabend, Flutlicht: Für Spieler wie mich, die bislang nur in zweiten Mannschaften gespielt haben, ist das etwas komplett Neues und absolut Geiles, was einfach nur Spaß macht. Und auswärts, wo du oft Gegner hast, die mit langen Bällen arbeiten, wollen wir zeigen, wie man wirklich Fußball spielt. Das ist unser Antrieb.

Ihr Trainer Cem Efe hat vor der Winterpause gemeint, dass er schlecht schlafen könne, weil er so viele Ideen im Kopf habe, die er gern im Training umsetzen möchte. Spüren Sie das im Training?

Auf jeden Fall, gerade bei Taktikeinheiten. Da merkt man, dass der Trainer während er die eine Idee ausspricht, die nächste schon im Kopf hat. Da kommt sehr viel auf uns zu, was uns aber hilft, besser zu werden.

Merken Sie Fortschritte, die die Mannschaft auch im Training macht?

Für mich kann ich das definitiv sagen, dass sich sowohl das fußball- als auch torwartspezifische Spiel verbessert. Und bei der gesamten Mannschaft merkt man, dass immer mehr Dinge greifen, wenn zum Beispiel mal eine Dreierkette probiert wird. Es ist nicht so, dass es jeden Tag Aha-Effekte gibt, aber man merkt Fortschritte.

Ist Geduld eine Ihrer Stärken?

Ich denke schon. Ich bin ohnehin vom Naturell sehr gelassen. Das hat mir auch geholfen. Ich musste ja häufig Geduld üben in meinen Zeiten in den zweiten Mannschaften in Bremen oder Hamburg, wo ich mich oft auf die Bank setzen musste, wenn einer von den Profis runterkam. Das war für mich als 18-, 19-Jährigen nicht einfach, aber es hat mir geholfen – auch für diese Saison. Marvin Gladrow hat ja zunächst gespielt, aber ich habe es akzeptiert und weiter Gas gegeben. Inzwischen habe ich elf Spiele gemacht, worüber ich sehr glücklich bin.

Generell muss man in Babelsberg – oft auch als Zuschauer – Geduld haben. Wie geduldig schätzen Sie denn das Team ein?

Das ist schwer zu sagen. In der Hinrunde wurden wir manchmal ungeduldig, weil wir trotz Überlegenheit drei, vier Spiele nur unentschieden gespielt haben. Aber vielleicht zahlt sich das genauso aus wie bei mir persönlich: dass wir das Pulver noch haben und erst jetzt verschießen werden.

 

Das Gespräch führte Peter Könnicke.

 

In der Regionalliga Nordost gastiert der SV Babelsberg 03 am heutigen Freitag beim Tabellenzweiten Wacker Nordhausen. Anstoß ist um 19 Uhr.

ZUR PERSON: Kevin Otremba (21) kam im vergangenen Sommer von der Reserve des Hamburger SV nach Babelsberg. Mit dem Fußballspielen begann der gebürtige Berliner beim BSC Rehberge. Er durchlief die Jugend-Abteilungen von Hertha BSC, ehe er in der Saison 2013/14 zum SV Werder Bremen wechselte und dort in der U19 sowie U23 spielte. Auf der Torhüterposition beim SVB liefert sich Otremba, der im Fernstudium Ernährungswissenschaften studiert, einen Kampf auf Augenhöhe mit Marvin Gladrow. Seit dem 12. Spieltag ist die Nummer 22 die Nummer 1 im SVB-Tor.

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