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  • 02.03.2016
  • von Peter Könnicke

Interview zum Schwimmen in Potsdam: „Eine emotionale Sache“

von Peter Könnicke

Foto: Tobias Gutsche

Uwe Daßler weiß, wie hart der Weg zu Olympia ist. Der Potsdamer weiß aber auch, wie es ist, bei den Spielen dabei zu sein - und sogar Gold zu gewinnen. Im PNN-Interview spricht er über die Bedeutung einer Olympia-Teilnahme, ständigen Muskelkater sowie über sein aktuelles Engagement im Potsdamer Schwimmsport.

Herr Daßler, als Olympiasieger wissen Sie am besten, was etwa sechs Monate vor den Olympischen Spielen zu tun ist. In welcher Situation sind Schwimmer wie Yannick Lebherz und Christian Diener gerade?

Sie sind zurzeit in der Hochphase ihres Trainingsaufbaus. Fünf Monate vor den Olympischen Spielen müssen ganz klar Grundlagen gelegt und Umfänge gemacht werden – zunächst, um für die Nominierungen bei der deutschen Meisterschaft in Form zu sein und dann natürlich für die Spiele in Rio.

Können Sie sich noch erinnern, wie es Ihnen in dieser Phase des Trainings ging?

Wir waren definitiv im Trainingslager, weil das auch für uns die beste Form war, um einerseits hart zu trainieren, aber auch, um sich in Ruhe zu erholen. Es war immer anstrengend, weil man in dieser Phase des Trainings extrem hohe Umfänge geschwommen ist und hartes Krafttraining gemacht hat. Ich hatte ständig Muskelkater. Es war schon eine sehr, sehr harte Zeit.

Welchen Stellenwert hatten Olympische Spiele damals für Sie? Wie fokussiert waren Sie auf die Wettkämpfe in Seoul?

Es ist für jeden Sportler, der viele Jahre Leistungssport macht, der absolute Höhepunkt der Karriere, auf den man viele Jahre hinarbeitet. Und da muss im Vorfeld alles funktionieren: Man darf nicht krank werden, die Ernährung muss passen, das Training perfekt sein. Man muss jeden Faktor optimal bedienen und sich voll und ganz nur auf das eine konzentrieren, was man vorhat – nämlich den sportlichen Erfolg.

Sie waren erfolgreich, nicht nur bei Olympischen Spielen, sondern auch bei Welt- und Europameisterschaften. Heute engagieren Sie sich für Sportler, die diesen Erfolg anstreben. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Es macht einfach Spaß. Wenn man jetzt von dem Erfolg etwas zurückgeben kann und das auch an die eigene Sportart, dann habe ich Freude daran. Es gefällt mir zu sehen, dass junge Leute sich quälen können für den Erfolg, was heute nicht mehr so einfach ist. Daher versuche ich, an bestimmten Stellen zu helfen, mit Leuten zu sprechen und um deren Unterstützung zu werben. Weil viele kleine Dinge dann auch zu einem großen Erfolg führen können.

Wie gehen Sie diese Mission an?

Man muss die Werbetrommel rühren, viel rumlaufen und die Leute von der eigenen Überzeugung erzählen, dass ein paar Euro eine super Investition sein können. Man muss einfach aktiv sein. Man kann heute nicht warten, dass irgendein Sponsor zu einem kommt und sagt: Hier bin ich und ich will dich unbedingt sponsern. Man muss es umgekehrt machen: zu den Leuten gehen, mit ihnen reden, sie von dem Mehrwert überzeugen, den ein Sponsoring mit sich bringen kann. Am Ende sind es auch Enthusiasten, die gern Geld geben und sich als Sportfans engagieren.

Was wünschen Sie Yannick Lebherz und Christian Diener für Rio?

Ich wünsche ihnen zunächst, dass sie die kommenden Wettkämpfe so gestalten, wie sie sich es mit ihrem Trainer vorstellen und bei der deutschen Meisterschaft die Normzeiten schaffen und dort die entsprechenden Plätze belegen, dass sie auch tatsächlich das Ticket nach Rio bekommen. Und in Rio kann man jedem Sportler nur wünschen, dass er dort die beste Leistung seines Lebens abrufen kann. Was dann am Ende rauskommt, weiß man nie.

Was bedeutet die Teilnahme an Olympischen Spielen für das spätere Leben? Was ist Ihre eigene Erfahrung?

Es ist eine sehr emotionale Sache, die einem für immer im Gedächtnis bleibt. Aber ich glaube, dass die ganze Zeit des Leistungssports, angefangen vom Weg zu den Leistungszentren, über die vielen Jahre harten Trainings und der Wettkämpfe, die vielen Bekanntschaften, die man geschlossen hat – nicht nur in der eigenen Sportart. All das ist so emotional besetzt, dass man davon im weiteren Leben profitieren kann.

ZUR PERSON: Uwe Daßler (49) wurde 1988 in Seoul Olympiasieger über 400 Meter Freistil, gewann zudem Silber und Bronze. Der Potsdamer wurde dreimal Europa- und einmal Vize-Weltmeister.

 

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