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SV Babelsberg 03

  • 03.02.2016
  • von René Garzke

Sicherheit im Stadion des SV Babelsberg 03: „Es braucht Fingerspitzengefühl“

von René Garzke

Christian Lippold. Foto: René Garzke

Christian Lippold ist der ehrenamtliche Sicherheitsbeauftragte des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03. Der Klub, der traditionell politisch agiert, kennt einige Risikospiele – und setzt auf gute Zusammenarbeit mit der Polizei.

Herr Lippold, Sie sind Sicherheitsbeauftragter beim SV Babelsberg 03. Was macht Ihre Arbeit zusätzlich zu jener der Polizei notwendig?

Es gibt eine ganz klare Verantwortungstrennung: Der Zuständigkeitsbereich von mir liegt im Stadion, der der Polizei außerhalb des Stadions. Natürlich ist es aber auch so, dass wir, wenn wir im Stadion Hilfe brauchen, auf die Polizei zurückgreifen können. Aber eigentlich wäre das Idealbild, die Polizei ist im Stadion gar nicht anwesend und begleitet die Fans nur bis zum Stadioneingang. Normalerweise sollten die Ordner die Ordnungsabläufe und die sicherheitsnotwendigen Abläufe alleine hinkriegen. Das ist nicht immer möglich, völlig klar.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit der Polizei aus?

Grundlegend stimmen wir mit der Polizei die Zusammenarbeit zwischen dem Konzept fürs Stadion und dem des Fanzustroms ab. Das beste Beispiel ist, dass wir seit dem Magdeburg-Spiel 2015 im Gästebereich eine neue Einlasssituation geschaffen haben – mit einer anderen Kontrollsituation sowie einer größeren Aufbewahrungsmöglichkeit für Gepäckstücke. Das sind Ideen, die gemeinsam mit der Polizei entstanden sind. Die haben natürlich auch gesehen, was in früheren Jahren schiefgelaufen ist. Genauso geben wir auch Hinweise, wie bestimmte Dinge außerhalb des Stadions laufen können.

Wann werden die Beamten dann doch im Stadion aktiv?

Bei einigen Risikospielen ist es sinnvoll, wenn die Polizei im Stadion wenigstens sichtbar ist. Sie greifen ein, wenn sie merken, dass die Ordner überfordert sind. So wie beim Spiel gegen den BFC Dynamo im Dezember: Als ein paar Gästefans über den Zaun in Richtung der Heimfans gestiegen sind, hatten unsere Ordner Schwierigkeiten, das alles alleine zu managen. Da ist die Polizei dann ganz kurz aufgefahren, hat kurz Pfefferspray eingesetzt – was im Zweifel notwendig war. Dadurch gab es eine Absicherung für unsere Ordner. Danach haben sich die Polizeikräfte umgehend wieder zurückgezogen. Das heißt, sie waren ausschließlich in einer Hilfestellung. So stelle ich mir einen optimalen Einsatz vor, was ich dem Einsatzleiter auch dankbar vermittelt habe.

Greift die Polizei selbstständig ein oder bedarf es eines Zeichens Ihrerseits?

Sowohl als auch. Normalerweise stehe ich am Spieltag im ständigen Kontakt mit dem Einsatzleiter der Polizei. Als die Polizisten beim BFC-Spiel aufgezogen sind, haben wir uns abgestimmt. Dass die Beamten danach auch auf dem Rasen geholfen haben, einen Platzsturm zu unterbinden, war eine Entscheidung der Polizei. Im Rahmen des Grundkonzepts muss dieses Fingerspitzengefühl aber auch sein. Sonst wäre die Kommunikationskette teilweise viel zu lang, um rechtzeitig agieren zu können.

Die Risikospiele im Karl-Liebknecht-Stadion hat Babelsberg 03 für diese Saison bereits hinter sich gebracht. Daher angenommen, in zwei Wochen stünde ein Heimspiel des SVB gegen den BFC Dynamo an. Wo beginnt da Ihre Arbeit?

Die hätte dann schon Anfang Dezember angefangen. Bei dem letzten Aufeinandertreffen am Nikolaustag 2015 habe ich einen Monat vorher mit dem Fanbeauftragten des BFC Dynamo telefoniert, um schon mal die Kartenkontingente mit ihm abzusprechen. Die Tickets für den Gästeblock wurden dann nur an offizielle Fanclubs des BFC verkauft. Wenn ich wüsste, dass Energie Cottbus kommen würde, würde ich wahrscheinlich schon am Saisonanfang mit der Planung beginnen. Da sind dann sowohl das Zuschaueraufkommen als auch die Brisanz deutlich höher.

Dann kommt der Spieltag: Die Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen, Ihre Mitarbeiter haben gute Arbeit geleistet. Kurz nach Anpfiff zündet ein Fan im Gästeblock, wie im Dezember gegen den BFC, eine Feuerwerksbatterie, deren Munition in alle Richtungen fliegt. Was denken Sie in so einer Situation?

Natürlich hat man in dem Moment erst mal Angst, dass irgendwas passiert. Mobile Pyrotechnik – also umherfliegende Feuerwerkskörper – ist brandgefährlich. Der zweite Gedanke ist: Man wird gewisse Dinge nicht verhindern können, selbst wenn man sich noch so bemüht. Dann muss man wenigstens dafür Sorge tragen, dass es vernünftig abläuft.

Hatten Sie während Ihrer Amtszeit schon Verletzte durch Pyrotechnik zu beklagen?

Nach dem Cottbus-Spiel musste ein Ordner über einen längeren Zeitraum wegen eines Tinnitus behandelt werden. Gästefans hatten einen Böller in Richtung der Heimkurve geworfen, der aber zündete direkt neben einem Ordner. Auch der ehemalige langjährige Einsatzleiter des Ordnungsdienstes wurde durch einen Böller sehr stark in Mitleidenschaft gezogen.

Sie machen das alles ehrenamtlich. Verfolgen Sie eine bestimmte Vision, haben Sie sich in Ihrer Arbeit einen Schwerpunkt gesetzt?

Ich habe ja selbst den Weg durch die Fanszene genommen. Wenn man sich nicht ab und zu selbst zurückversetzt und überlegt, wie es früher war, würde es schwerfallen, gewisse Dinge zu verstehen – so ist es auch für Außenstehende, die aus einer ganz anderen Richtung kommen. Ich spiele dann auch gern Vermittler. Ich möchte natürlich, dass mein Verein Babelsberg 03 in einer vernünftigen Form ein Weiterleben hat. Da kann man nicht einfach loslassen.

Wie setzt sich der Ihnen unterstellte Ordnungsdienst im Karl-Liebknecht-Stadion zusammen?

Wir haben vor eineinhalb Jahren aus der Not eine Tugend gemacht und unter anderem aus finanziellen Gründen fast ausschließlich auf vereinseigene Ordner gesetzt. Das hat natürlich auch im Hinblick auf Kontinuität und Vertrauen zwischen Fans und Ordnern positive Auswirkungen. Lediglich im Gästeblock setzen wir bei Bedarf auf einen gewerblichen Ordnungsdienst (Anm. d. Red.: ESC Security aus Bestensee). Auch dort setzen wir auf konstante Strukturen, was die Personen und die Handlungsmechanismen anbelangt. Denen muss man dann auch nicht jedes Mal erklären, dass wir hier nicht gleich alle Grundsätze außer Acht lassen, wenn jemand am Zaun eine bengalische Fackel zündet. Mitglieder des NOFV- Sportgerichts haben allen Ernstes von mir verlangt, die betreffenden Personen durch Ordner vom Zaun zu ziehen. Das ist einfach nur komplett weltfremd.

Ihr Wunsch für das nächste Heimspiel gegen den BFC?

Wenn es in der kommenden Saison wieder zu einem Heimspiel gegen den BFC kommen sollte, dann würde ich mir auf alle Fälle wünschen, dass wir die gute Zusammenarbeit auf der Funktionsebene beibehalten können. Und natürlich würde ich auch gern mal gegen den BFC gewinnen.

 

Das Interview führte René Garzke.

ZUR PERSON: Christian Lippold (41) ist seit 2014 der Sicherheitsbeauftragte des SV Babelsberg 03. Zeitgleich ist er Vorstandsmitglied beim SVB. Beiden Tätigkeiten geht er ehrenamtlich nach.

 

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Überblick: Wann wird eine Partie des SVB als Risikospiel eingestuft?

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