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Stadtentwicklung

  • 31.07.2015
  • von Stefan Engelbrecht

Neue Wohnungen in Potsdam: Einst Feuerwache, bald Wohnquartier

von Stefan Engelbrecht

Das Areal der Alten Feuerwache – in der Bildmitte unten ist der Turm zu sehen – soll zum Wohnquartier werden. Die Wache soll noch im Herbst abgerissen werden. Foto: Lutz Hannemann

Die Alte Feuerwache wird noch im Herbst abgerissen. Auf dem Areal sollen bis zu 300 Wohnungen entstehen. Jetzt läuft das Verfahren zur Investorenauswahl.

Innenstadt – Die Tage der Alten Feuerwache in Potsdams historischer Mitte sind gezählt. Wie die stadteigene Bauholding Pro Potsdam mitteilte, soll das Gebäude in direkter Nachbarschaft zur Nagelkreuzkapelle noch im Oktober dieses Jahres abgerissen werden. „Die Aufträge dafür sind schon vergeben“, sagte Pro-Potsdam-Sprecherin Anna Winkler. Wie aus dem Bebauungsplan hervorgeht, sollen dort ab 2017 bis zu 300 Wohnungen entstehen.

Das Gebiet umfasst die Feuerwache sowie den Langen Stall und einen Teil des Flachbaus am Rechenzentrum, der voraussichtlich 2017 abgerissen werden soll. Der Flachbau wird derzeit noch vom Land Brandenburg genutzt. Die Fläche der 1968 gesprengten Garnisonkirche, die Plantage oder das Rechenzentrum selbst sind aber nicht davon betroffen.

Alte Feuerwache: Mischgebiet mit Gewerbe- und Wohnflächen

Bis es aber mit dem Bau losgehen kann, muss noch ein Investorenauswahlverfahren abgeschlossen werden. Es startet im Sommer kommenden Jahres und wird voraussichtlich 2017 abgeschlossen sein. Die sogenannte Rechenhalle – der besagte Flachbau – soll im Sommer 2017 freigeräumt und die Grundstücke anschließend an Investoren übergeben werden.

Das gesamte Areal ist als Mischgebiet ausgewiesen, in dem also Gewerbe- und Wohnflächen angesiedelt werden sollen. Vor allem im Langen Stall gebe es aber bereits Gewerbeflächen, weshalb die ehemalige Feuerwache schwerpunktmäßig für Wohnungen entwickelt werde, sagte Winkler. Welche Art von Immobilien dort entstehen soll, stehe noch nicht fest.

Anlehnung an den historischen Stadtgrundriss

Für das Grundstück war bereits 2012 ein Wettbewerbsverfahren durchgeführt worden, das der Architekt Stephan Höhne gewann. Allerdings fand sich in der Stadtverordnetenversammlung für den Entwurf keine Mehrheit, weshalb sich eine Arbeitsgruppe auf die Vorgaben verständigte. An ihr waren alle Fraktionen beteiligt.

Demnach soll auf dem Gelände nun eine am historischen Stadtgrundriss angelehnte Hofstruktur entstehen. Das Grundstück hat eine Fläche von gut 12.000 Quadratmetern, auf dem die 300 Wohnungen sowie „wohnverträgliches Gewerbe“ entstehen soll, also Geschäfte und Gastronomie. Die Pro Potsdam rechnet mit einem Erlös von fünf bis sechs Millionen Euro für den Verkauf des Grundstücks. Das Geld soll unter anderem für den geplanten Abriss der Fachhochschule am Alten Markt investiert werden. Es sei ein „wesentlicher Bestandteil der Gesamtfinanzierung für die Sanierungsmaßnahme Potsdamer Mitte“, fügte Winkler hinzu.

Kein Gegenstand des Bürgerdialogs zur historischen Mitte

Winkler betonte, dass das Grundstück der Alten Feuerwache nicht Gegenstand des Bürgerdialogs zur historischen Mitte ist. Zwar liege das Areal in direkter Nachbarschaft zur Garnisonkirche. Es gebe aber keine Überschneidungen, sagte sie. Zudem sei über die künftige Bebauung der Feuerwache bereits Einigkeit erzielt worden. Der von der Stadt initiierte Bürgerdialog liegt wie berichtet wegen der tiefen Gräben zwischen Gegnern und Befürwortern bis nach der Sommerpause auf Eis. Im Juli hatte sich der Verein Mitmachen als Träger der städtischen „Werkstadt für Beteiligung“ für ein Ende des Dialogs ausgesprochen.

Zuletzt hatte Peter Leinemann, der Vorstand der Garnisonkirchenstiftung, die Nutzung der Feuerwache für Kreative ins Spiel gebracht – als Alternative zur derzeitigen Zwischennutzung des Rechenzentrums durch Künstler bis 2017. Das Rechenzentrum steht dem von der Stiftung angestrebten Aufbau der Garnisonkirche samt Kirchenschiff im Weg. Den Gedankenspielen erteilte Winkler nun eine Absage: Die Feuerwache habe über Jahre leer gestanden und sei deshalb in sehr schlechtem Zustand. „Man hätte sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen“, sagte sie.

Container für 50 Flüchtlinge auf dem Hof

So sei etwa im vergangenen Jahr eine Unterbringung von Flüchtlingen geprüft, aber schließlich verworfen worden. Unter anderem sind laut Winkler die Fenster defekt, auch die Abwasser und Elektro-Anlage hätten saniert werden müssen. Zudem sei der Grundriss der Alten Feuerwache für eine Nutzung als Künstlerhaus nicht geeignet. Das Erdgeschoss sei eine ehemalige Wagenhalle mit über 600 Quadratmetern. „Dadurch bleibt im Rest des Gebäudes zu wenig Fläche übrig.“

Die 1962 errichtete Alte Feuerwache steht seit 2010 leer. Auf dem Hof waren bis in den Mai hinein Container für rund 50 Flüchtlinge aufgestellt. Die Potsdamer Feuerwehr nutzt mittlerweile einen Neubau in der Holzmarktstraße an der Humboldtbrücke. (mit Jana Haase)

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