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  • 25.06.2015
  • von Holger Catenhusen

Flüchtlingsprojekt vom Stadtteilnetzwerk Potsdam-West: Ausgezeichnete Nachbarschaft

von Holger Catenhusen

So geht Integration. An Fahrrädern basteln und miteinander reden: Die Werkstatt im einstigen Charlottenhof wird gut angenommen. Foto: Stadtteilnetzwerk Potsdam-West

Fahrräder reparieren, und gemeinsam einen Kräutergarten anlegen: Das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West wird für sein Flüchtlingsprojekt geehrt.

In der kleinen schmalen Werkstatt ist es nicht sehr hell. An den Wänden lehnen jede Menge Fahrräder, Werkzeug und Ersatzteile liegen herum. An einer Wand hängen Fahrradmäntel. Immer mittwochs kommen hier, in einem Nebenraum der ehemaligen Gaststätte Charlottenhof, Menschen zusammen, unter ihnen viele in Potsdam wohnende Flüchtlinge. Sie basteln an Fahrrädern oder kommen einfach nur miteinander ins Gespräch.

Die Initiative „Neue Nachbarschaften“ vom Stadtteilnetzwerk Potsdam-West hat die Werkstatt eingerichtet. Und das Angebot wird gut angenommen, sagt Maré Partel, die hier als Koordinatorin tätig ist. An diesem Mittwoch waren es wieder über 30 Menschen, die gekommen sind, schätzt die junge Frau.

Die Fahrradwerkstatt ist nur eines von mehreren Angeboten der Nachbarschaftsinitiative, die sich der gemeinsamen Begegnung von Flüchtlingen, sowie den schon länger in Potsdam wohnenden Menschen verschrieben hat. Für dieses – zum großen Teil ehrenamtlich getragene Engagement – erhält das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West am heutigen Donnerstag vom bundesweit agierenden Bündnis für Demokratie und Toleranz einen mit 1 000 Euro dotierten Preis im Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“. Neun Projekte aus Berlin und Brandenburg werden ausgezeichnet.

Bei der Nachbarschaftsinitiative, die es seit Dezember 2013 gibt, gehe es darum, ein Angebot für alle Anwohner zu schaffen, sagt Maré Partel. „Wir machen nicht ein Projekt nur für Flüchtlinge“, betont die junge Frau. Alle sollen sich angesprochen fühlen. „Es kann auch ein Tübinger sein, der hierher kommt.“ Und sogleich schiebt sie nach: „Ich bin ja Österreicherin – ich weiß, wovon ich rede.“ Aber natürlich sind es zum großen Teil die Asylsuchenden, die hier vorbei schauen, und ein wenig Zeitvertreib suchen.

Die Fahrradwerkstatt ist nicht das einzige Angebot der Nachbarschaftsinitiative. Immer wieder organisiert das Netzwerk Veranstaltungen, die offenbar gut angenommen werden. Ende Mai beispielsweise baute man gemeinsam einen mobilen Kräutergarten aus Holz. Zu der Aktion kamen mehr Menschen als gedacht, sagt Partel. „Da wurden wir fast ein bisschen überrannt.“ An diesem Sonntag steht Schiffchenbauen „mit anschließendem Ausprobieren im mobilen Teich“ auf dem Programm. Im August soll es einen Klangworkshop geben. Es sind verschiedene Orte, an denen die Veranstaltungen stattfinden. Das Atelierhaus Scholle ist ebenso dabei wie der Sportplatz Westkurve und die Aula der Da-Vinci-Gesamtschule.

Vom Bündnis für Demokratie und Toleranz wird das Stadtteilnetzwerk nun ausgezeichnet, weil es mit der Nachbarschaftsinitiative „offen und sensibel an die Themen Flucht und Asyl heranführt und entsprechende Aufklärungsarbeit über Rahmenbedingungen und die Lebensrealitäten asylsuchender Menschen leistet“, wie es in der Begründung für den Preis heißt. Honoriert werden soll mit der Auszeichnung auch die vom Stadtteilnetzwerk organisierte Verknüpfung von Anwohnern, Initiativen, Flüchtlingen und der Stadtverwaltung.

Die Arbeit der Nachbarschaftsinitiative wird von der Potsdamer Stadtverwaltung finanziell unterstützt. Die Kulturwissenschaftlerin Partel hat hier eine Teilzeitstelle. Kommunale Gelder für das Projekt werden laut Partel immer für ein Jahr bewilligt. Darüber hinaus lebt das Nachbarschaftsprojekt vom ehrenamtlichen Engagement und von Spenden. Die Konrad-Adenauer-Stiftung sowie eine private Einzelspende ermöglichen es beispielsweise der Fahrradwerkstatt, Ersatzteile zu kaufen, berichtet Partel. Von Anwohnern wiederum wurden schon viele Fahrräder gespendet.

Die Preisverleihung für die ausgezeichnete Potsdamer Initiative findet heute um 17 Uhr im Plenarsaal des Stadthauses, Friedrich-Ebert-Straße 79, statt.

 

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