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  • 15.04.2015

Kinderhilfe in Potsdam: „Wie handhabt man nun den Alltag?“

Wie die Kinderhilfe in Potsdam die Familien schwer kranker Kinder betreut

Herr Schulz, die Potsdamer Kontakt- und Beratungsstelle des Kinderhilfe e.V. wurde jüngst wiedereröffnet – doch warum musste sie überhaupt schließen?

Wir hatten bis zum April 2014 zusammen mit der Björn-Schulz-Stiftung unsere Räumlichkeiten in der Georg-Hermann-Allee 25. Der neue Vorstand der Björn-Schulz-Stiftung hatte damals eine Trennung zwischen Kinderhilfe und der Stiftung beschlossen. Nun haben wir unser neues Büro in der Gregor-Mendel-Straße 10 bezogen. Die Kinderhilfe führt trotzdem ihre Geschäfte so weiter wie bisher, an unserem Angebot hat sich nichts verändert.

Mit welchen Fragen kommen betroffene Eltern, deren Kind an Krebs erkrankt ist, zu Ihnen?

Die Primärfrage nach dem Ausbruch der Krankheit ist natürlich: Wie sind die Heilungschancen? Zum Glück sind diese bei Kindern mittlerweile sehr hoch und liegen bei allen Arten von Krebs bei knapp unter 80 Prozent. Die andere Frage ist, wie man nun den Alltag handhabt, denn ein Elternteil sollte im Optimalfall immer beim Kind sein. Durch die Krankheit kann es auch sein, dass man in eine andere Wohnung ziehen muss oder dass das Kind ein Schuljahr wiederholen muss.

Wie helfen Sie den Betroffenen?

Wir bieten psychosoziale Betreuung an und versuchen, die Eltern zusätzlich zum Angebot der Krankenhäuser auf der Station mit zu begleiten. Wir kümmern uns um die Betreuung der Geschwister, machen Hausbesuche, organisieren Abholdienste und führen Gespräche mit den Eltern und Geschwistern. Wir beraten auch Lehrer, die verunsichert sind, wie sie mit den Mitschülern des Kindes über das Thema sprechen sollen.

Welche Ängste beschäftigen die Eltern in dieser Situation?

Wenn es dem Kind im Laufe der Therapie sehr schlecht geht, kommen oft Zweifel auf, ob die Behandlung richtig funktioniert und ob das Kind die Behandlung übersteht. Damit wollen die Eltern natürlich nicht so gerne mit dem Arzt reden und wir versuchen dann, sie zu beruhigen. Es ist wichtig, dass Betroffene hier mit Personen sprechen können, die jahrelange Erfahrung mit diesem Thema haben.

Wer steht in Potsdam als Ansprechpartner bereit?

Unsere Kontakt- und Beratungsstelle wird von der Sozialarbeiterin und werdenden Diplom-Psychologin Nadine Wenzel geleitet, die zuvor viele Jahre im Oberlinhaus schwer kranke Kinder betreut hat und dabei natürlich auch viel Kontakt mit den betroffenen Eltern hatte.

Wie viele Kinder in der Region leiden an Krebs?

Pro Jahr erkranken rund 150 Kinder in Berlin und Brandenburg an Krebs. Etwa noch einmal so viele erleiden eine schwere Stoffwechsel-Krankheit. Um diese Fälle kümmern wir uns auch.

Wie viele Familien aus Potsdam und Umgebung betreuen Sie hier?

Sechs derzeit. Vor der Schließung der alten Beratungsstelle waren es etwa doppelt so viele.

Die Fragen stellte Erik Wenk

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