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Verkehr

  • 14.04.2015
  • von Henri Kramer

Luftverschmutzung in Potsdam: Stadt bekommt Abgase nicht in den Griff

von Henri Kramer

Die Schadstoffbelastung ist in einigen Straßen sehr hoch. Setzt sich der Trend fort, drohen Strafzahlungen. Foto: dpa

Im März lag die Luftverschmutzung in der Zeppelinstraße und auch in der Großbeerenstraße wieder über den zulässigen Grenzwerten. Für die Großbeerenstraße gibt es noch keinen Plan für Gegenmaßnahmen.

Potsdam - Die Luftverschmutzung an zwei Potsdamer Hauptverkehrsadern war auch im März zu hoch und lag über den seit diesem Jahr verbindlich geltenden gesetzlichen Grenzwerten. Noch stärker als die Zeppelinstraße ist derzeit aber die Großbeerenstraße betroffen. Warum gerade dort wieder derart viele Autoabgase gemessen werden, ist noch unklar. Einen Plan für Gegenmaßnahmen gibt es nicht– anders als bei der Zeppelinstraße, die die Bauverwaltung für Autofahrer einengen will.

Die neuen Daten hat das Landesumweltamt veröffentlicht. Demnach lag die Belastung mit giftigem Stickstoffdioxid (NO2) in der stark befahrenen Zeppelinstraße im März im Durchschnitt bei 43 Mikrogramm je Kubikmeter. In der Großbeerenstraße waren es 46 Mikrogramm. Setzt sich der Trend fort, wird es für die Stadt schwierig, an beiden Straßen den Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm nicht zu überschreiten. Dieser Wert ist seit Jahresbeginn als Grenzwert europaweit vorgeschrieben. Wird er überschritten, drohen erhebliche Strafzahlungen an die EU. Außerdem haben Anwohner belasteter Straßen seit Jahresbeginn ein Klagerecht, falls die Grenzwerte verletzt werden. Nach den ersten drei Monaten des Jahres liegt der Mittelwert in der Großbeerenstraße laut der amtlichen Statistik bei 44 Mikrogramm, in der Zeppelinstraße noch bei 39 Mikrogramm – dort also noch knapp unter dem kritischen Schwellenwert.

Erst sanken die Werte in der Großbeerenstraße, jetzt steigen sie wieder

Vor allem die hohen Werte in der Großbeerenstraße – das Messgerät steht an der Ecke zum Horstweg – sorgen für Rätselraten. Denn nach Einführung von Tempo 30 in der Straße waren die davor zu hohen Schadstoffwerte seit Ende 2012 zunächst wieder gesunken, auch der Verkehr wurde nach Angaben der Bauverwaltung im Rathaus reduziert. Doch vor einigen Monaten stiegen die Werte wieder.

„Warum das passiert ist, wissen wir noch nicht“, sagte der für Potsdam zuständige Luftreinhalteplaner im Landesumweltamt, Hartmut Jonas, auf PNN-Anfrage. Da das NO2 speziell beim Beschleunigen entstehe, könne ein Grund für den Anstieg sein, dass in der Straße nicht stetig die Geschwindigkeit kontrolliert würde – also viele Autos wieder schneller fahren als die erlaubten Tempo 30. Für eine genaue Ursachenforschung warte man noch auf Zuarbeiten von der Stadtverwaltung, so Jonas. Potsdams Rathaussprecher Jan Brunzlow sagte, ob der Jahresmittelwert in der Straße tatsächlich überschritten werde, könne man Anfang April nicht vorhersagen. Die Frage, welche Maßnahmen in der Großbeerenstraße zur Reduzierung der Schadstoffe noch erwogen würden, beantwortete der Stadtsprecher nicht. Er sagte lediglich, zusammen mit dem Landesumweltamt werde derzeit der Luftreinhalteplan für Potsdam überarbeitet – mit Maßnahmen, um Grenzwerte dauerhaft einzuhalten.

"Es muss etwas getan werden"

Vor dem Hintergrund der umstrittenen Planungen zu einer Verengung der Zeppelinstraße für Autofahrer sagte Brunzlow angesichts der neuen Werte auch: „Allein darauf zu hoffen, dass sich etwa Umwelteinflüsse derart verändern, dass die Grenzwerte eingehalten werden, reicht nicht – klar ist, es muss etwas getan werden.“ Die Pläne sind am heutigen Dienstag auch Thema im Bauausschuss der Stadtverordneten. Kritiker fürchten bei der Verengung unter anderem eine Verlagerung des Verkehrs in andere Straßen und monieren, dass Alternativen für Pendler wie bessere Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr erst innerhalb der kommenden Jahre geplant sind. Klar ist bislang nur, dass in der Zeppelinstraße ein neuer Radweg und eine neue Busspur entstehen sollen. Das Stadtparlament hatte zuletzt beschlossen, dass das Baudezernat noch eine deutlich detailliertere Verkehrssimulation für sein Vorhaben vorlegen muss. Durch den Umbau sollen nur noch etwa 22 000 statt derzeit 27 000 Autos täglich durch die Zeppelinstraße fahren.

Auch Feinstaub ist noch ein Thema. An neun Tagen in diesem Jahr wurde bisher in der Zeppelinstraße der Grenzwert von 50 Mikrogramm überschritten. In der Großbeerenstraße waren es sieben Tage. Zulässig sind im Jahr 35 Überschreitungen.

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