09.12.2016, 9°C
Themenschwerpunkt:

Stadtentwicklung

  • 18.03.2015
  • von Marco Zschieck

Werkstattverfahren zum Lustgarten Potsdam: Keine Lust auf das Hotel

von Marco Zschieck

Heute steht das Hotel in der Achse von der Nikolaikirche über den Landtag. Einige Architekten wollen das Hotel aus DDR-Zeiten aber nicht mehr. Foto: Henri Kramer

Zweite Runde im Werkstattverfahren für den Lustgarten: Architekten wollen eine freie Sicht aufs Schloss. Dafür soll das Hotel Mercure abgerissen werden.

Potsdam - Der Koloss aus DDR-Zeiten muss weg. Auch nach der zweiten Runde des Werkstattverfahrens zur künftigen Gestaltung des Lustgartens am Dienstag sind die sieben beteiligten Architektenteams einig: Das Hotel Mercure soll abgerissen werden. Die Begründungen dafür unterschieden sich in Details. Alle hielten den Hochhausbau aus den 1970er-Jahren für nicht kompatibel mit dem Grundgedanken der Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss. Vor allem das breite Sockelgeschoss mit den Rampen bilde eine breite Barriere zum Lustgarten.

Immerhin zwei von sieben Entwürfen hatten einen Erhalt des Hochhauses in ihre Überlegungen nach der ersten Runde des Werkstattverfahrens einbezogen: Die Teams von Machleidt und Loidl sowie von WES stellten zumindest Varianten vor, in denen das Hochhaus ohne das Sockelgeschoss stehen bleiben würde. Doch auch diese beiden Teams favorisieren einen Abriss des 17-stöckigen Gebäudes. Die anderen fünf Teams schlossen einen Erhalt des Hochhauses von vornherein aus.

Bürger können über Entwürfe diskutieren

Nun sollen die Planungsteams vom Gutachtergremium weitere Aufgaben und Anregungen bekommen und bis zum 10. April ihre Entwürfe überarbeiten. Vom 20. April bis zum 17. Mai können die Bürger die Entwürfe auf der eigens dafür eingerichteten Internetplattform www.werkstatt-lustgarten.de diskutieren. Ab dem 24. April werden sie auch wieder in der roten Info-Box im Lustgarten zu sehen sein. Am 2. Juni soll es dann ein drittes Werkstattgespräch geben, aus dem eine Entscheidungsvorlage für die Potsdamer Stadtverordneten erwachsen soll – um die Sanierungsziele zu konkretisieren.

Auch in der zweiten Beteiligungsrunde hatten die Potsdamer großes Interesse an der Zukunft des Lustgartens gezeigt. Die Website wurde mehr als 26.000-mal aufgerufen, fast 3500-mal wurden Einzelentwürfe aufgerufen. 478 Interessierte besuchten die im November und Dezember aufgestellte Info-Box. 136-mal wurden Mitteilungsbögen mit Schulnoten für die einzelnen Entwürfe abgegeben. Verglichen damit war der Besuch des Werkstattgesprächs am Dienstagabend eher spärlich. Obwohl die Veranstaltung, die um 16 Uhr in den Räumen der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam in der Pappelallee begann, im Tram-TV der Potsdamer Verkehrsbetriebe und mit einem Großplakat neben dem Landtag an der Langen Brücke beworben worden war, verirrte sich nur etwa ein Dutzend Bürger zur Präsentation der Entwürfe.

Hochhaus müsste als städtebaulicher Missstand definiert werden

Mit dem 520.000 Euro teuren Verfahren sollen den Stadtverordneten Handlungsoptionen geliefert werden. Auslöser ist der Streit, ob und unter welchen Umständen das Hochhaus des Hotels Mercure abgerissen werden sollte und mit welchem Ziel. Die Debatte um einen Abriss des privaten Gebäudes war im Jahr 2012 durch die Pläne von Software-Milliardär Hasso Plattner entbrannt, der das Hotel abreißen und stattdessen ein Museum bauen lassen wollte. Die Stadtspitze hätte dies begrüßt und verfolgt den Abrissplan nach wie vor, doch bei einigen Potsdamern hatte das Projekt für Unmut gesorgt. Plattner rückte daraufhin von dem Vorhaben ab und realisiert das Museum nun an der Alten Fahrt.

Voraussetzung für einen Abriss des Hotels ist jedoch eine Änderung der Sanierungsziele für den Lustgarten. Darin müsste das Hochhaus als städtebaulicher Missstand definiert werden. Nur dann könnte der Abriss mit Fördermitteln von Bund und Land gestemmt werden. Der Abriss ist in Potsdam umstritten. Dafür hatte sich unter anderem die Bürgerinitiative „Rettet den Lustgarten“ eingesetzt. Auch der Architekt des Landtagsschlosses Peter Kulka tritt vehement für einen unbebauten Lustgarten in seiner ursprünglichen Form ein. Dagegen hatten sich die Fraktionen Die Andere und Die Linke ausgesprochen. Letztere forderten eine Bürgerbefragung. Einen entsprechenden Antrag hatten die Stadtverordneten vor der Kommunalwahl mit Stimmen von SPD, CDU und Grünen abgelehnt.

Wasserspiegel statt Mercure Hotel

Für die Gestaltung des Lustgartens in seinem Inneren finden die Architekten verschiedene Lösungen. Der Entwurf von Agence Ter aus Karlsruhe sieht einen Wasserspiegel anstelle des Mercure vor, in dem sich das Landtagsgebäude spiegeln soll. Dietz Joppien planen eine Vergrößerung des Neptunbassins, eine Auflockerung des jetzigen Festplatzes und ein langgezogenes Multifunktionsgebäude in der Flucht des Westflügels des Landtages.

Machleidt und Loidl sehen sogenannte Gartenhäuser gegenüber dem Marstall vor, die gastronomisch genutzt werden könnten und den Platz vor dem Marstall symmetrisch fassen sollen. Alle Entwürfe planen zudem eine Bebauung entlang des Bahndamms und Sport- und Freizeitanlagen im südlichen Teil der Grünanlage. Die Einplanung von Bauflächen war nach der ersten Runde eine der Forderungen von Potsdams Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) gewesen. Mit den Einnahmen soll der Umbau von Potsdam ältester Gartenanlage gegenfinanziert werden.

Social Media

Umfrage

Sollte es ein Rauchverbot an Potsdams Haltestellen geben? Stimmen Sie ab!