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  • 21.01.2015
  • von Jana Haase

Plattner-Campus am Jungfernsee: Potsdams letzte Seelage

von Jana Haase

Wohnviertel am Jungfernsee. Insgesamt 150 Stadtvillen sollen im Plattner-Campus entstehen, bei der Architektur hat Hasso Plattner ein Mitspracherecht. Obwohl der Verkauf der Grundstücke erst im März startet, ist ein Teil schon verkauft oder reserviert. Grafik: Asenticon

150 individuelle Stadtvillen sollen am Plattner-Campus entstehen. Software-Milliardär Hasso Plattner will dabei mitreden, wie die Häuser aussehen sollen.

Nedlitz - Die Zielgruppe ist klar: Menschen, die international und global arbeiten, für sich und ihre Familie aber einen Rückzugsort im Grünen am Wasser wünschen. So charakterisiert Klaas Vollbrecht vom Vorstand des Immobiliendienstleisters Asenticon AG die künftigen Bewohner des neuen Viertels am Jungfernsee-Campus. 150 individuelle Stadtvillen sollen dort, in Nachbarschaft zum SAP-Innovation-Center, entstehen. Offizieller Vertriebsstart für die 150 Grundstücke ist im März. Sieben Grundstücke seien aber bereits verkauft und 25 weitere reserviert, sagte Vollbrecht den PNN am Dienstag am Rande einer Fachveranstaltung zur Lage am Potsdamer Immobilienmarkt, zu der das Unternehmen Heuer Dialog Vertreter aus der Branche und von der Stadtverwaltung ins Inselhotel auf Hermannswerder eingeladen hatte.

Das neue Viertel gehört zum sogenannten Plattner-Campus am Jungfernsee – und soll eine Nische auf dem Potsdamer Markt besetzen: „Es ist die letzte Seelage in Potsdam“, sagt Vollbrecht. Asenticon richte sich bei der Vermarktung an Menschen, die beispielsweise gestalterisch oder in der IT-Branche tätig sind, „Leute, die es sich leisten können und wollen“. Die Bodenpreise für die 600 bis 2000 Quadratmeter großen Einzelgrundstücke lägen zwischen 300 und 650 Euro pro Quadratmeter – abhängig von der Lage im Viertel zum Wasser. Für das Aussehen der Neubauten hat sich Software-Milliardär Hasso Plattner Mitsprache ausbedungen, so Vollbrecht. Es gebe keine Gestaltungssatzung, die Häuser müssten sich aber ins Gesamtbild fügen. „Wer da reinpasst, auch wirtschaftlich, ist gern gesehen.“

Uferweg soll eine öffentliche Promenade werden

Das Areal ist seit Dezember 2014 fertig erschlossen. Bis zum Mai werde der städtische Entwicklungsträger den Uferweg wie geplant zu einer öffentlichen Uferpromenade ausbauen. Auch eine Marina ist vorgesehen. Man sei zudem im Gespräch mit dem Wassertaxi Potsdam über einen Wassertaxi-Anleger mit Verbindung zum Potsdamer Hauptbahnhof, aber auch zu den Bahnhöfen Griebnitzsee und Berlin-Wannsee, sagte Vollbrecht. Die Tram-Verbindung in die Innenstadt soll der Plattner-Campus nach jüngsten Aussagen zum Fahrplanwechsel 2018 bekommen. Eine Kita für das neue Wohnviertel ist auf dem benachbarten Campus mit Büro- und Gewerbebauten vorgesehen. Weiteren Bedarf für Läden zur Nahversorgung sieht Vollbrecht nicht und verweist auf das nahe gelegene, neu eröffnete Bornstedt-Center.

Die künftigen Bewohner am Jungfernsee können sich auch über Hochleistungs-Internetanschlüsse mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 1,3 Gigabyte pro Sekunde freuen – laut Vollbrecht ist das bislang einzigartig in Potsdam. Im Mai soll der Anschluss stehen. Der Entwickler geht davon aus, dass das neue Viertel insgesamt in vier bis fünf Jahren fertig sein könnte. Etwa doppelt so lange, zehn Jahre, könnte das beim benachbarten Gewerbegebiet – ebenfalls Teil des Plattner-Campus – noch dauern, so Vollbrechts Schätzung.

Firmen aus Wissenschaft und Technologie sollen sich ansiedeln

Dort verkauft Asenticon seit Ende 2014 Flächen für Gewerbe- und Bürobauten im Angebot – für 190 bis 450 Euro Quadratmeterpreis je nach Lage zum Wasser. Es gebe Einzelgrundstücke ab einer Größe von rund 1000 Quadratmetern, aber auch Platz für Großprojekte bis gut 24.000 Quadratmeter ist vorhanden. Es handelt sich um ein sogenanntes eingeschränktes Gewerbegebiet. Ansiedlungen, die Büroarbeit und das benachbarte Wohngebiet stören, sind laut Bebauungsplan ausgeschlossen, auch Lagerbetriebe, Tankstellen und Gartenbaubetriebe sind nicht erlaubt. Geplant ist ein Schwerpunkt auf Ansiedlungen von Firmen aus dem Bereich Wissenschaft und Technologie, sagte Vollbrecht. Von den insgesamt 70.000 Quadratmetern Fläche seien 11.000 Quadratmeter bereits verkauft. Noch Ende des Jahres könnte es den nächsten Baustart geben, schätzt Vollbrecht.

Derzeit entsteht auf dem Gelände bereits der Erweiterungsbau für das im Februar 2014 eröffnete SAP-Innovationszentrum. Der viergeschossige Glaskubus mit fachwerkartigem Sichtbetontragwerk soll im Frühjahr 2016 fertig sein, hatte der Generalunternehmer Wolff & Müller zum Baustart im Dezember mitgeteilt. In dem Gebäude sollen den Angaben zufolge Arbeitsplätze für rund 100 neue Mitarbeiter entstehen. Bislang beschäftigt der IT-Konzern SAP bereits 150 Mitarbeiter am Standort. Der Entwurf für das neue Gebäude stammt erneut vom Stuttgarter Architekturbüro Scope. Der Neubau soll mit dem bereits bestehenden Haus im Untergeschoss durch einen Tunnel verbunden werden. Im Erdgeschoss soll es eine Cafeteria sowie Besprechungsräume geben, in den oberen Stockwerken offene Büroflächen.

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