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  • 13.01.2015
  • von Jan Kixmüller

Uni Potsdam eröffnet Joint Lab: Neue Forschungsbasis in Potsdam

von Jan Kixmüller

Chips von der Oder. Das Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP) verfügt über einen Produktionsraum für Mikrochips. Hier können neue Entwicklungen direkt in Hardware umgesetzt werden. Foto: dpa

Die Universität Potsdam arbeitet mit Frankfurter Wissenschaftlern jetzt enger zusammen. An einer neuen Forschungsbasis tüfteln sie nun gemeinsam.

Babelsberg - Dass in der vergangenen Woche ein Auto ohne Fahrer 900 Kilometer zur Elektromesse CES durch die USA fuhr, sorgte weltweit für Aufsehen. Automatisierte, eingebettete Systeme und die Steuerung über drahtlose Netzwerke machen solche gespenstischen Aktionen möglich. Autohersteller frohlocken bereits, dass es in Zukunft dank der Technologie kaum noch Verkehrstote geben wird. Die Autos sollen dann nicht nur nur autonom fahren, sondern auch selbst lernen. Doch das Internet der Dinge, in dem bald jede Kaffeetasse eine IP-Adresse haben dürfte, hat auch seine Fallstricke. Was passiert, wenn sich jemand in die digitale Steuerung eines Pkws einloggt und die Steuerung übernimmt? Oder wenn die Konkurrenz die Geschäftsgeheimnisse einer 4.0-Fabrik vor dem Firmentor einfach online abfischt? Oder noch schlimmer, wenn Terroristen in die Steuerung von automatisierten Großanlagen eingreifen?

Unter anderem mit solchen Fragen befassen sich Forscher im sogenannten Joint Lab auf dem Campus Griebnitzsee der Universität Potsdam, das am Montag eröffnet wurde. Die Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP) in Frankfurt (Oder) besteht bereits seit einigen Jahren, nun erfolgte der offizielle Startschuss. Das Joint Lab steht für den englischen Begriff „gemeinsam“ (joint) und bezeichnet eine gemeinschaftliche Forschungsplattform.

Ressourcen der Hochschule sollen besser genutzt werden

Die Sicherheit von Datenübertragungen sowie der zuverlässige und energieeffiziente Einsatz solcher Systeme wird im Mittelpunkt der Arbeit des Labs stehen. Die Grundlagenforschung soll über die Plattform direkt mit der Ausbildung verknüpft werden. Das Joint Lab wird über gemeinsame Forschungsprojekte finanziert. Die Zusammenarbeit soll eine effektive Nutzung der Ressourcen der Hochschule und des Forschungsinstituts ermöglichen, so IHP-Geschäftsführer Bernd Tillack. Angesiedelt ist das Joint Lab am Potsdamer Uni-Campus Griebnitzsee im neuen Drittmittelgebäude. Platz wird dort für rund 20 Mitarbeiter sein, wie die Koordinatorin Bettina Schnor den PNN sagte. Die Zahl der Wissenschaftler hängt von den Projekten ab, für die Forschungsgelder eingeworben werden. Neben der bereits angesiedelten gemeinsam berufenen Professur für „zuverlässige und energieeffiziente Sensor-Netzwerke“, von Mario Schölzel besetzt, ist für die weitere gemeinsame Professur „Wireless and Embedded Systems“ – drahtlose integrierte Systeme – das Berufungsverfahren bereits im Gange. Hier soll dann auch die Leitung des Laboratoriums angesiedelt werden.

Warum gerade die Zuverlässigkeit von digitalen Systemen so wichtig ist, kann Stiftungsprofessor Mario Schölzel leicht erklären. Man denke nur an Systeme in Flugzeugen, sie dürfen unter keinen Umständen ausfallen. Oder das Servo-System, das heute in den meisten Autos das Lenken erleichtert. Es darf sich auch nicht bei Tempo 130 auf der Autobahn plötzlich in eine andere als die vom Fahrer vorgegebene Richtung bewegen. „So etwas muss bis zur kleinstmöglichen Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden“, erklärt der Wissenschaftler. Wenn solche Systeme in der Industrie einen Fehler aufweisen, könnte beispielsweise die gesamte Produktion in einer Großanlage zum Erliegen kommen. Dazu sollen in Zukunft in Potsdam Lösungen entwickelt werden, die Fehler auch selbst erkennen und sich selbstständig neu konfigurieren können. Mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesforschungsministerium gibt es bereits zwei aktuelle Projekte dazu. Neben der Industrie 4.0 und der Autoherstellung werden auch Anwendungen im Bereich der Medizin entwickelt.

Belebung des regionalen Arbeitsmarkts

Die Professur von Mario Schölzel ist gestiftet von drei regionalen Unternehmen. Dort werden gemeinsam Lösungen beispielsweise für die Übertragung von Daten zur Verkehrssteuerung über Ampelanlagen entwickelt. Ein wichtiges Ziel des Joint Lab ist es zudem, den hiesigen Arbeitsmarkt zu fördern. So gehören Firmen von Atmel bis Volkswagen zu den Kooperationspartnern des IHP, sagte der amtierende Joint-Lab-Leiter Rolf Krämer. Über die Plattform soll hochqualifizierter Nachwuchs ins Land geholt werden, der im besten Fall durch neue Firmengründungen eine Berufsperspektive in der Mark erhält, so IHP-Geschäftsführer Tillack.

Die Uni Potsdam erhält durch die Kooperation nicht nur einzigartiges Know-how von den Kollegen in Frankfurt/Oder. Dort gibt es auch einen Reinraum zur Produktion von Mikrochips. Denkbar ist also, dass Ergebnisse der Kooperation auch direkt in Hardware umgesetzt werden. Und die Frankfurter achten dabei auch darauf, dass die Chips sich nicht gegenseitig stören. Das Rauschen der kleinen Rechengenies konnten sie mittlerweile um bislang unerreichte 30 Dezibel mindern.

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