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  • 17.11.2014

Sorgen auf Hermannswerder

Initiative bekräftigt Position gegen Flüchtlingsheim

Hermannswerder - Die neue Bürgerinitiative gegen ein Flüchtlingsheim auf Hermannswerder reagiert auf Kritik. In einer aktuellen Erklärung teilte Sprecherin Dagmara Berbalk mit, „nicht Ängste und fehlende Nächstenliebe“ seien für die Mitglieder der Grund, das geplante Heim in der Tornowstraße abzulehnen – „sondern praktizierte soziale Verantwortung und gelebte Willkommenskultur“.

Wie berichtet hatte sich die neue Initiative „Pro Tornow“ in einem Brief an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gegen den von den Stadtverordneten beschlossenen Standort auf Hermannswerder gewandt und mit rechtlichen Schritten gedroht. Angefügt war eine Liste mit den Unterschriften von 177 Anwohnern, darunter etwa Kanu-Olympiasieger Jürgen Eschert oder Burkhard Scholz, Geschäftsführer des Vier-Sterne-Hotels auf der Halbinsel. Das Hauptargument der Gegner: Das „über Jahre gewachsene Gleichgewicht“ zwischen Anwohnern, Schulen sowie den auf Hermannswerder befindlichen Sozialeinrichtungen für Behinderte und Suchtkranke würde durch ein neues Asylheim erheblich gestört, wie es in dem Schreiben heißt. In dem Haus könnten ab Mitte 2015 bis zu hundert Flüchtlinge leben, so die Stadt. Politiker von SPD und Linke sowie die Stadtverwaltung hatten die Initiative kritisiert, unter anderem war von „fadenscheinigen Argumenten“ die Rede.

Sprecherin Berbalk teilte mit, in Potsdam ankommende Flüchtlinge sollten Schutz und Unterstützung erfahren. „An erster Stelle steht für uns dabei die Sicherstellung einer angemessenen Unterbringung.“ Doch ein normales städtisches Umfeld für ein gesellschaftliches Miteinander fehle auf Hermannswerder – auf der Halbinsel befänden sich mehrere Bildungseinrichtungen, ein Sozialprojekt für problematische Jugendliche, ein Hospiz, ein Altenpflege- und ein Behindertenwohnheim sowie Werkstätten für Behinderte, listete die Sprecherin auf. Gleich neben dem geplanten Asylheim liege zudem ein Männerwohnheim für alkoholabhängige Suchtkranke.

Dementsprechend gebe es lediglich eine begrenzte Verkehrsanbindung, keine städtische Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, weder Kitas noch Grundschulen. „Der Respekt gegenüber den Flüchtlingen, aber auch die erhöhte Fürsorgepflicht gegenüber den von der Wohlfahrtspflege betreuten Personengruppen gebietet es nach unserer Auffassung aber, auf beiden Seiten keine falschen Erwartungen zu wecken“, erklärte Berbalk. Eine vernünftige Integration sei angesichts der besonderen sozialen Struktur auf Hermannswerder daher nicht machbar.

Dagegen hatte der Paritätische Landesverband mit Sitz auf Hermannswerder erklärt, die Halbinsel sei als Standort gut geeignet. Auch die Hoffbauer-Stiftung als Betreiber mehrerer sozialer Einrichtungen auf der Halbinsel hatte beruhigt, es seien keine Probleme wegen des geplanten Flüchtlingsheims zu erwarten. HK

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