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  • 17.09.2014
  • von S. Kugler

Leben in Stille und Dunkelheit

von S. Kugler

Mit dem Kongress „Leben mit Taubblindheit“ will das Oberlinhaus auf die Probleme der Betroffenen aufmerksam machen

Babelsberg - Selbstständig Betten beziehen, sich an einem Brettspiel erfreuen oder eine Scheibe Brot belegen: Für gesunde Menschen sind das Selbstverständlichkeiten – für taubblinde Menschen enorme Herausforderungen bis Unmöglichkeiten. Das Oberlinhaus setzt sich verstärkt dafür ein, dass Betroffene trotzdem so normal wie möglich leben können. Der Kongress „Leben mit Taubblindheit“, der in Kooperation mit der Humboldt-Universität Berlin und der Stiftung „Taubblind leben“ stattfindet, will ein breites Publikum auf die Problematik der Taubblindheit aufmerksam machen. Am kommenden Freitag und Samstag finden Vorträge zu Themen wie Kommunikation mit Taubblinden, Bildung, Rehabilitation und Therapie oder Lebenswelten der Betroffenen statt. Das Interesse ist groß: Der internationale Kongress ist mit über 250 Anmeldungen bereits ausgebucht. Unter den Besuchern sind auch 40 Menschen, die selbst taubblind sind.

Die Veranstalter kämpfen dabei vor allem um die Anerkennung der Krankheit. Denn obwohl betroffene Menschen auf intensive Hilfe angewiesen sind, ist Taubblindheit noch nicht als offizielle Behinderung akzeptiert. Die Krankheit hat weder ihr eigenes Merkzeichen im Behindertenausweis, noch wird benötigtes Assistenzpersonal von den Krankenkassen getragen. Wie Katherine Biesecke, Leiterin des Kompetenzzentrums für Taubblinde am Oberlinhaus sagte, bestehe das Problem oft darin, dass eine Taubblindheit gar nicht als solche erkannt werde. „Die Betroffenen werden entweder als seh- oder hörbehindert eingestuft“, so Biesecke. „Dabei wird oft verkannt, welcher Doppelbelastung Taubblinde eigentlich ausgesetzt sind.“ Auch viele Krankenkassen reagieren immer nur auf eine der Einschränkungen, ergänzte Gudrun Marklowski-Sieke, Leiterin der Beratungsstelle für Taubblinde. Als Beispiel nannte sie Türklingeln, die einen Lichtblitz auslösen, damit sie von tauben Menschen wahrgenommen werden können. Für Taubblinde wäre aber zusätzlich eine Vibration der Klingel nötig, was oft vergessen wird, wie sie sagte. Viele Sehbehinderte, bei denen erst später eine Hörbehinderung hinzukommt, werden von Ärzten auch oft als geistig behindert eingestuft, wie Katherine Biesecke erklärte. Das führe oft dazu, dass eine Förderung in die völlig falsche Richtung gehe oder gar nicht erst stattfinde.

Wie Biesecke sagte, liege inzwischen ein Antrag auf Anerkennung der Behinderung beim Bundesamt für Arbeit und Soziales vor. In dem Zusammenhang soll auch geklärt werden, ab welchem Maß an Seh- oder Hörbehinderung Menschen als taubblind gelten.

Im Oberlinhaus befinden sich derzeit zwei Wohnstätten für Menschen mit Taubblindheit, Seh- oder Hörbehinderung, in denen 45 Erwachsene sowie 20 Kinder und Jugendliche in Wohngruppen zusammenleben. Den zuständigen Bereich der Oberlinschule besuchen im Moment 33 betroffene Schüler. S. Kugler

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