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  • 27.08.2014
  • von Sarah Kugler

Per Floß durchs Land

von Sarah Kugler

Kämpfernaturen. Die Frauen machten Station in der Schiffbauergasse. Foto: klaer

Elisabeth Ngari musste selbst aus ihrer Heimat fliehen und kämpft nun für Flüchtlingsrechte

Weil sie sich politisch engagierte und für mehr Freiheit in ihrem Land kämpfte, musste sie ihre Heimat Kenia verlassen. Heute setzt sich Elisabeth Ngari in der Organisation „Women in Exile“ für Flüchtlinge in Deutschland ein. Mit der Brandenburger Flüchtlingsfrauengruppe „Women in Exile & Friends“ und dem Fluchtschiffprojekt des Musikers Heinz Ratz war sie bereits sieben Wochen auf Flößen quer durch Deutschland unterwegs (PNN berichteten).

Am gestrigen Dienstag machten sie vor dem großen Ausklang in Berlin nochmal Halt in Potsdam und feierten gemeinsam mit Potsdamern im Frauenzentrum „primaDonna“. Anschließend gab es ein großes Konzert mit Heinz Ratz im Waschhaus, bei dem auch einige der Frauen ihre Musikalität unter Beweis stellen durften. Mit der Aktion wollen die Frauen von „Women in Exile“ auf die unmenschlichen Bedingungen aufmerksam machen, unter denen gerade Frauen in Flüchtlingslagern leben müssen. „Oft haben sie in den Lagern keine Privatsphäre“, sagt Elisabeth Ngari, die auch Mitbegründerin von „Women in Exile“ ist. „Sie sind somit Gewalt oder sexueller Belästigung ausgesetzt, ohne mit Hilfe rechnen zu können, weil sich niemand verantwortlich fühlt.“

Als sie nach Deutschland kam, habe sie solche Situationen selbst in einem Heim im Berliner Prenzlauer Berg erlebt. „Meist musste man quer durch das Gebäude laufen, um zur Küche oder zu den Toiletten zu kommen“, erzählt sie. „Nicht immer gab es warmes Wasser oder ausreichend Möglichkeiten, die Wäsche zu waschen.“ Seit 1996 ist Ngari, die zwar gestern ihren Geburtstag feierte, ihr Alter aber nicht verraten wollte, in Deutschland. In Kenia konnte sie nicht länger bleiben, weil sie durch ihren politischen Einsatz immer wieder Probleme mit der Regierung bekam, wie sie sagt.

Die Flucht nach Deutschland war abenteuerlich: Um sich und ihre zwei kleinen Töchter in Sicherheit zu bringen, engagierte sie einen Agenten, der sie ins Ausland bringen sollte. Ohne zu wissen, wo die Flucht hinging, kam sie schließlich nach Frankfurt am Main, wo sie dann auf sich allein gestellt war. „Mein Agent sagte nur: ,Frag jemanden, wo man hier Asyl beantragt’“, so Ngari. „Und dann war ich mit meinen Töchtern allein.“ Sie schlug sich erfolgreich durch und wurde dann nach Eisenhüttenstadt in die Erstaufnahmestelle geschickt. „Die Fahrt dorthin war sehr schwierig“, erzählt sie. „Ich konnte noch kein Deutsch und mit Englisch kam ich tatsächlich nicht so weit.“ Sie habe sich dann mit Händen und Füßen verständlich gemacht und zum Beispiel Haltestellen, die sie suchte, auf Zettel geschrieben und vorgezeigt.

Drei Wochen lang musste sie in Eisenhüttenstadt bleiben, bis sie dann nach Berlin in ein Flüchtlingsheim kam. „Dort war es besser, aber immer noch sehr schwierig“, erzählt sie. „Meine Kinder konnten zwar zur Schule gehen, aber ich hatte ja keine Arbeitserlaubnis.“ Ein besonders belastendes Problem sei auch die mangelnde Hygiene gewesen. Durch die vielen eng beieinander wohnenden Menschen sei es oft sehr schmutzig gewesen und ein Schutz vor Bakterien kaum dagewesen. „Gerade mit zwei kleinen Kindern war das natürlich gefährlich“, so Ngari. „Die sind ja noch anfälliger als Erwachsene.“ Fünf Jahre hat sie in dem Heim gewohnt, bis sie irgendwann endlich eine eigene Wohnung in Berlin genehmigt bekam. „Ich bin eine sehr kämpferische Natur“, sagt sie lächelnd.

Zusammen mit anderen Frauen gründete sie 2002 „Women in Exile“ und setzt sich aktiv für die Rechte von Flüchtlingsfrauen in Brandenburg ein. Für sie sei es sehr wichtig, dass andere Frauen nicht die gleichen Erfahrungen wie sie machen müssen. Es hätte sich zwar schon viel seit ihrer Ankunft verbessert, wie Ngari erzählt, aber es gäbe immer noch Unterbringungen in Containern, zu wenig Möglichkeiten, Deutsch zu lernen, und somit ständige Diskriminierung. „Das muss einfach aufhören“, sagt sie nachdrücklich. „Und bis das nicht passiert, gibt es immer noch viel für uns zu tun.“ Sarah Kugler

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