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  • 23.07.2014
  • von Marco Zschieck

Zukunft des Minsk: Sportkita in Glas und Beton

von Marco Zschieck

Der Landessportbund präsentierte Pläne für eine Kindertagesstätte im ehemaligen Terrassenrestaurant Minsk. So soll das Gebäude erhalten bleiben

Templiner Vorstadt - Wie viel Geld eine Sanierung des ehemaligen Terrassenrestaurants Minsk und der Umbau zu einer Kindertagesstätte verschlingen würde, wollten die Vertreter des Landessportbundes (LSB) nicht verraten. Von ihrer Chance auf einen Zuschlag für das marode Gebäude sind sie dennoch überzeugt. Deshalb sei man auch unmittelbar nach Ende der Bewerbungsfrist an die Öffentlichkeit gegangen. „Das ist ein Bekenntnis“, sagte Robert Busch, Geschäftsführer der LSB SportService Brandenburg gGmbH. Der „Architekturklassiker am Brauhausberg“ solle vor dem Abriss bewahrt werden.

Am gestrigen Dienstag präsentierte der LSB sein Konzept für eine Kita mit bewegungs- und gesundheitsorientiertem Profil im Minsk. Platz für 220 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren soll es dort ab 2016 geben. Das Gebäude soll als Beispiel der Architektur der sozialistischen Moderne weitgehend erhalten bleiben, hieß es. Die markanten Sichtbetonbänder sollen größtenteils wiederhergestellt und die vorspringenden Dächer der Terrassen mit einer Glasfassade geschlossen werden. „Dort könnten beispielsweise Spielbereiche sein“, sagte Busch. Im Inneren des Gebäudes soll eine Lichthof entstehen. Der bestehende Parkplatz soll einer Außenspielfläche weichen.

Mit diesen Vorschlägen hat sich der LSB SportService im Interessenbekundungsverfahren um den Zuschlag für das Minsk beworben. In diesem Verfahren soll geklärt werden, ob es einen zahlungskräftigen Investor für eine öffentliche Nutzung des DDR-Baus gibt und ob es sich lohnt, das Gebäude zu erhalten. Im August soll das Ergebnis bekannt gegeben werden. Der Sportverband ist offenbar nicht der einzige Interessent. Mehrere potenzielle Investoren hatten das Exposé angefragt, hieß es zuletzt.

Einige Fragezeichen gibt es für den LSB noch: So müsse das Gebäude noch auf Asbest und die Außenanlagen auf andere Altlasten untersucht werden. Außerdem sei die Bausubstanz in einem erbärmlichen Zustand. Laut Busch ist ein Rückbau des Hauses bis zum Rohbauzustand notwendig. Die nötigen Mittel sollen mit Krediten finanziert werden, die der Betreiber über die Kitagebühren und die Zuschüsse der Stadt refinanzieren will.

Mit der Kita am Brauhausberg will der LSB ein Modell eines landesweiten Gütesiegels für bewegungsorientierte Kinderbetreuung schaffen. „Die frühkindliche Erziehung gehört zu unseren Satzungsaufgaben“, sagte LSB-Hauptgeschäftsführer Andreas Gerlach. „Mitgliedsbeiträge oder Mittel aus der Sportförderung fließen nicht in den Betrieb der Kitas.“

Mit dem Betrieb von Kitas hat der Landessportbund Erfahrung. In Potsdam betreibt er bereits sechs Einrichtungen mit Platz für fast 700 Kinder. „Bei uns ist jeder Tag bewegunsgmaximiert“, sagte Busch. Das Konzept dafür ist mit der Universität Potsdam entwickelt worden und funktioniert Busch zufolge gut. Bewegung sei sehr wichtig für die Entwicklung der Kinder.

Fürsprecher für die Idee einer Kita im Minsk meldeten sich bereits zu Wort. „Endlich jemand mit Visionen“, sagte Thomas Hintze von der Bürgerinitiative Pro Brauhausberg. Auf diese Weise könnte das Gebäude und ein hoher Grünanteil am Brauhausberg gesichert werden. Außerdem würden die Betreuungsplätze dringend gebraucht. „Hier sollen Hunderte Wohnungen gebaut werden. Irgendwo müssen die Kinder betreut werden“, so Hintze. Hans-Jürgen Scharfenberg, Fraktionschef der Linken in der Stadtverordnetenversammlung, unterstützt die Idee ebenfalls: „Das Minsk kann man sinnvoll nutzen und erhalten“, sagte er den PNN.

Einen Schritt weiter ist unterdessen das Verfahren für den Bebauungsplan des gesamten Brauhausbergs. Am Montag endete die Auslegungsfrist. Die Beteiligung sei erfreulich hoch, so Stadtsprecher Markus Klier. Knapp 40 Schreiben seien eingegangen. Die Einwände reichten von kleinteiligen Veränderungen bis hin zu einem gänzlichen Verzicht auf Bebauung des Brauhausbergs. „Aussagen zu Änderungen werden nicht vor September möglich sein“, so Klier.

Die Zukunft des Minsk lässt der Entwurf des B-Plans offen. Wird es abgerissen, können mehr Wohnhäuser gebaut werden. Die Mehreinnahmen könnten die Stadtwerke, die das Areal im Auftrag der Stadt entwickeln, in die Finanzierung des Badneubaus stecken. Die Kosten dafür bewegen sich zwischen 31,4 und 36,2 Millionen Euro. Ursprünglich sollte der Bau des Bades 23 Millionen Euro kosten. „Die Stadtwerke haben den Bauantrag eingereicht“, so Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz. Die Genehmigung sei für Ende August in Aussicht gestellt. Im Dezember könnte der Neubau des Bades starten. 


HINTERGRUND

Das Terrassenrestaurant Minsk wurde 1977 nach etwa sechs Jahren Bauzeit als weißrussische Folklore-Gaststätte eröffnet – zu Ehren des 60. Jahrestages der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“. Mit dem Schwimmbad war es durch einen Säulengang verbunden. Im Obergeschoss befanden sich das Restaurant mit 90 Plätzen, eine Bar sowie eine Selbstbedienungsgaststätte.

Davor lag die Hochterrasse mit weiteren 100 Sitzplätzen. Im Erdgeschoss befanden sich der Eingangsbereich, die Rezeption sowie Lager- und Verwaltungsräume. Auf eine zunächst geplante zusätzliche Dachterasse war aus Kostengründen verzichtet worden. Mit Plakaten wurde für freiwillige Arbeitseinsätze für den Bau geworben. Für DDR-Verhältnisse war das fertige „Minsk“ aufwendig gestaltet: geflammter Marmor aus Russland für die Eingangshalle, Kupfer für die Lampen, edle Mooreiche für die dekorativen Schnitzereien. Potsdamer und Besucher trafen sich hier zum Essen, zum Tanzen und zum Feiern. Nach der Wende machte das Restaurant dicht. Das Gebäude verfiel zusehends,

es gab Schäden durch Vandalismus. Vor zehn Jahren wurde in einem Wirtschaftsraum Feuer gelegt, das sich nur durch einen Zufall nicht weiter ausbreitete. (PNN)


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