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  • 17.07.2014
  • von Katharina Wiechers

Potsdamer Medienpreis für Klitschko

von Katharina Wiechers

Vom Boxer zum Bürgermeister. Vitali Klitschko wurde am 25. Mai zum Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewählt, zuvor hatte er als Oppositioneller auf dem Maidan demonstriert. Er ist Vorsitzender der pro-europäischen Partei UDAR. Foto: dpa

Der ukrainische Profiboxer und neu gewählte Bürgermeister von Kiew erhält in diesem Jahr den M100 Media Award. Der Mediengipfel widmet sich der digitalen Überwachung

Sanssouci - Der ukrainische Profiboxer und Politiker Vitali Klitschko wird in diesem Jahr mit der Potsdamer Auszeichnung M100 Media Award geehrt. Der 43-Jährige soll den Preis im Rahmen der Medienkonferenz M100 erhalten, die am 12. September in der Orangerie von Schloss Sanssouci stattfindet.

Klitschko spielte vor allem bei den Protesten auf dem Kiewer Maidan eine entscheidene Rolle. Mit seiner pro-westlichen Partei UDAR stellte er sich gegen Präsident Wiktor Janukowitsch und kündigte nach dessen Sturz auch seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Mai 2014 an. Er zog sie jedoch rund einen Monat vorher zurück, um die Kandidatur Petro Poroschenkos zu unterstützen – der letztlich auch gewann. Parallel zu den Präsidentschaftswahlen fand am 25. Mai dieses Jahres auch die Wahl der Kiewer Bürgermeisters statt. Auch dafür hatte Klitschko kandidiert – und gewonnen. Bei seiner Vereidigung kündigte er eine Null-Toleranz-Strategie zur Bekämpfung der Korruption sowie die Modernisierung der Infrastruktur und der Stadtverwaltung an.

Der Media Award wird jedes Jahr im Rahmen des Potsdamer Mediengipfels M100 vergeben (siehe Kasten). Das internationale Branchentreffen widmet sich jeweils einem bestimmtem Thema, in diesem Jahr ist es die Zukunft von Journalismus und Medienfreiheit im Zeitalter von Big Data und digitaler Überwachung. In zwei Runden sollen darüber am 12. September Chefredakteure, Politiker, Verteter großer Organisationen und Internetfirmen diskutieren, wie die Veranstalter am gestrigen Mittwoch mitteilten.

Zu den etwa 50 Teilnehmern gehören unter anderen der Springer-Vorstandsvorsitzende Matthias Döpfner, der Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, die taz-Chefredaktreurin Ines Pohl, der Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann, der Sonderbeauftragte für Cyber-Außenpolitik im Auswärtigen Amt, Norbert Riedel, die Harvard-Professorin Shoshana Zuboff, Shelley McKinnley aus dem Vorstand von Microsoft oder der stellvertretende EU-Datenschutzbeauftragte Giovanni Butarelli.

Das M100 Colloquium findet bereits zum zehnten Mal in Potsdam statt. Das Thema ist angesichts der bekannt gewordenen Überwachung durch die NSA aktueller denn je. Die Enthüllungen hätten der Welt eindrücklich vor Augen geführt, dass die „digitale Revolution“ nicht die individuelle Kommunikation verändert habe, sondern bereits in der Realpolitik angekommen sei, hieß es von den Veranstaltern. Dies biete nicht nur ungeahnte Möglichkeiten, sondern auch fundamentale Herausforderungen. Ziel der Konferenz sei ein konstruktives Gespräch über die Ursachen, Entwicklungsszenarien und Strategien für den richtigen Umgang mit der Thematik.

M100 wurde auf Initiative des Vereins Potsdam Media International und der Stadtverwaltung ins Leben gerufen. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagte am Mittwoch: „Im zehnten Jahr seines Bestehens schlägt das M100 Sanssouci Colloquium einen großen Bogen zu den zahlreichen bedeutenden Gedenktagen dieses Jahres: 100 Jahre 1. Weltkrieg, 25 Jahre Mauerfall, 25 Jahre World Wide Web, 18 Jahre Google.“ Zugleich seien die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon 13 Jahre her und Facebook feiere seinen zehnten Geburtstag. „Vieles hängt miteinander zusammen, und das Ziel der Konferenz sollte sein, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, Schlüsse daraus zu ziehen und weitere Schritte in die Zukunft zu planen.“

Gefördert wird M100 von der Stadt, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Auswärtigen Amt und der Allianz Kulturstiftung. Sponsoren sind die Deutsche Bank und – passend zum Thema – Google.


DER M100 AWARD

Ein Preis der europäischen Presse

2005 wurde der Mediengipfel mit dem etwas sperrigen Titel M100 Sanssouci Colloquium zum ersten Mal veranstaltet und seitdem auch jährlich eine bedeutende Persönlichkeit mit dem M100 Media Award ausgezeichnet. Die Veranstalter verstehen die Auszeichnung als „Preis der europäischen Presse“ – geehrt werden sollen Europäer, die durch ihr Schaffen Spuren hinterlassen haben und sich für den Schutz der freien Meinungsäußerung, für die Vertiefung der Demokratie sowie für europäische Verständigung einsetzen. In der Jury sitzen unter anderen der Welt-Herausgeber Stefan Aust, Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, der ehemalige tschechische Außenminister S.D. Karl zu Schwarzenberg, die Menschenrechtsexpertin Baroness Helena Kennedy QC oder Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Bisherige Preisträger sind der Architekt Lord Norman Foster (2005), der Mitbegründer von „Ärzte ohne Grenzen“ und ehemalige französische Außenminister Bernard Kouchner (2006), der Musiker und Aktivist Bob Geldof (2007), die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt (2008), der ehemalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher (2009), der dänische Karikaturist Kurt Westergaard (2010), der chinesische Journalist und Blogger Michael Anti (2011), der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi (2012) und der Tänzer Erdem Gündüz, der „Stehende Mann“ vom Istanbuler Taksim Platz. 2011 erhielt zudem Lord George Weidenfeld einen Ehrenpreis. Der britische Verleger und Journalist ist einer der Begründer des M100. (wik)


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