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  • 11.07.2014

Interview wmit Hasso Plattner: „Mein Verhältnis zu Potsdam ist nicht belastet“

Hasso Plattner fühlt sich als „Berlin-Brandenburger mit Tendenz zum Havelland“. Foto: dpa

Warum Hasso Plattner, Unternehmer, Mäzen, Kunstliebhaber, von dieser Stadt nicht lassen kann – trotz der Turbulenzen um sein Kunstmuseum und das Hotel Mercure.

Herr Plattner, was bedeutet Ihnen Potsdam?

Potsdam ist eine sehr schöne Stadt bei Berlin. Ich habe hier mein Institut, meine Venture Capital Verwaltung und baue ein Museum.

Nach den Turbulenzen im Sommer 2012 um die Pläne, das Hotel Mercure abzureißen und dort eine von Ihrer Stiftung getragene Kunsthalle zu errichten, schien Ihr Verhältnis zu Potsdam belastet. Haben Sie die Enttäuschung, die Bitterkeit überwunden?

Mein Verhältnis zu Potsdam ist überhaupt nicht belastet. Es gibt auch keine Enttäuschung. Es waren einfach zu viele Potsdamer gegen einen Abriss des Mercure und das ist doch in Ordnung.


HASSO PLATTNER (70) ist Mitgründer des Weltkonzerns SAP und heute dessen Aufsichtsratschef. In Potsdam gründete er das Hasso-Plattner-Institut (HPI) für Softwaresystemtechnik und investierte mehr als 200 Millionen Euro. Er spendete 20 Millionen Euro für die historische Fassade des Stadtschlosses und lässt derzeit das Palais Barberini als Kunstmuseum neu errichten. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt sein Vermögen auf 8,9 Milliarden US-Dollar.


Wie sehen Sie die damaligen Ereignisse um Ihr Kunstmuseum und das Hotel Mercure heute?

Völlig entspannt, neben dem sehr gut gelungenen Schloss spielt das Mercure doch kaum mehr eine Rolle. Das Problem ist ein ganz anderes: Kann es langfristig erfolgreich betrieben werden?

Es hieß, der Kleingeist der Politik, die Ablehnung der Linken, habe Sie von dem Projekt abgebracht. War es anders?

Die Politik hat überhaupt keinen Einfluss auf meine Entscheidung gehabt. Es waren die Menschen, die auf mich zugegangen sind. Die Linken waren ganz ehrlich und haben auf die große Zahl der Potsdamer verwiesen, die gegen einen Abriss des Mercure waren. Enttäuscht waren die politischen Kräfte und die Bürger, die hofften, dass ich das Problem Mercure elegant löse.

Sie sind zwischen die Potsdamer Mühlen geraten. Was würden Sie, wenn Sie dieses Projekt noch einmal angehen könnten, anders machen?

Ich bin zwischen zwei verschiedene Seiten der Potsdamer Bürgerschaft geraten. Es hatte doch keinen Sinn, sich mit einem Teil der Bevölkerung zu überwerfen. Das Museum soll doch etwas völlig Positives sein und kein konfliktbelastetes Projekt.

Nun entsteht Ihr Kunstmuseum im neu erbauten Palast Barberini, die Bauarbeiten sind im Gange. Warum haben Sie nach der Mercure-Episode überhaupt in Potsdam weitergemacht?

Warum sollte ich den Beleidigten spielen? Und am Ende ist das Barberini doch die beste Lösung.

Wie stark bringen Sie sich persönlich in das Projekt Kunstmuseum ein?

Wie bei jedem Projekt bin ich voll dabei in Design und Organisation. Wir arbeiten schon voll an der ersten Ausstellung.

Was werden wir aus Ihrer Sammlung sehen können?

Es werden die DDR-Künstler permanent zu sehen sein und dazu jeweils ein oder zwei Wechselausstellungen.

Sehr viele Städte beneiden Potsdam darum, einen Mäzen wie Sie zu seinen Bürgern zu zählen. Was führt dazu, dass Sie sich, mit hohem finanziellen Aufwand, immer aufs Neue einbringen?

Das Hasso Plattner Institut war eine strategische Entscheidung, das Museum eine emotionale. Heidelberg ist sehr traurig über meine Entscheidung, das Museum in Potsdam zu bauen. Dabei muss man wissen, dass ich im Grunewald geboren und dort auch zur Schule gegangen bin.

Hat eigentlich Klaus Wowereit schon versucht, Sie nach Berlin abzuwerben?

Nein, hat er nicht.

Warum ziehen Sie Potsdam Berlin vor?

Berlin ist gesegnet mit staatlichen und privaten Museen. In Potsdam könnte das Barberini eine herausragende Stellung einnehmen.

Viel ist in Potsdam zwar nicht mehr übrig, aber wären nicht auch noch der Stadtkanal oder die Garnisonkirche etwas für Sie?

Der Stadtkanal – ohne Geruchsproblem – wäre sicher eine Bereicherung des Stadtbildes. Die Kirche ist umstritten, obwohl das Gebäude ja nichts dafür konnte, politisch missbraucht zu werden. Es ist eine Entscheidung der Bürger von Potsdam, was mit der Kirche geschehen soll. Die Zugereisten müssen sich da etwas zurückhalten.

Wie wird es mit dem Hasso Plattner Institut weitergehen? Soll es weiterwachsen?

Also, das HPI ist doch schon ganz ordentlich gewachsen, gerade ist eine weitere volle Professur in Berufung.

Sie leben, wenn Sie in Potsdam sind, am Griebnitzsee. Dort wird noch immer um einen öffentlichen Uferweg gerungen. Sie haben den Weg am Wasser vor Ihrem Grundstück offen gelassen, er ist jedoch nicht erreichbar. Ein typisch Potsdamer Paradoxon?

Der Uferweg ist eine Konsequenz der Teilung Deutschlands. So ist es klar, dass einige der Beteiligten auf die Wiederherstellung des Zustandes von vor dem Zweiten Weltkrieg pochen, andere den Zustand nach der Wende erhalten sehen wollen. Eine Kompromisslösung ist vor vielen Jahren verpasst worden.

Sie kommen viel umher – gibt es etwas typisch Potsdamerisches?

Ja, die Traufhöhe ist in Potsdam niedriger als in Berlin und das Kopfsteinpflaster wird offensichtlich von vielen geliebt.

Wie erleben Sie Potsdam in Ihrem Alltag?

Viel Stau, wenig Parkplätze und immer mehr gute Restaurants.

Wie begegnen die Potsdamer Ihnen?

Wie Brandenburger eben so sind. Man muss sie kennenlernen.

Fühlen Sie sich ein wenig als Potsdamer? Oder zumindest als Wahl-Potsdamer?

Ich fühle mich als Berlin-Brandenburger mit Tendenz zum Havelland.

Wäre es für Sie vorstellbar, Ihren Hauptwohnsitz in Potsdam zu nehmen? Sie könnten dann immerhin hier wählen …

Also, Baden-Württemberg ist doch ganz nett und außerdem sitzt die SAP dort in der Nähe von Heidelberg.

Potsdam wächst, das führt auch zu Problemen. Die Infrastruktur ist aus der Stadtkasse kaum bezahlbar, Wohnraum wird teurer, eine Spaltung der Stadt wird befürchtet. Ist das Schwarzmalerei, ist es berechtigt, wie sehen Sie das?

Manche Stadt in der ehemaligen DDR oder auch im alten Westen wäre froh, die Potsdamer Probleme zu haben. Die lokale Industrie muss eben auch mitwachsen und zum Steueraufkommen beitragen. Auch haben sich Bürger an der Finanzierung von Schulen und anderen Einrichtungen zu beteiligen. Eine Spaltung sehe ich nicht, wohl aber das Ringen um Kompromisse.

Wo könnte Potsdam in zehn Jahren sein? Was sollte sich verändert haben?

Es muss seinen Charme bewahren, ohne ein Museum zu werden. Eine ganz normale, erfolgreiche Stadt mit zufriedenen Bürgern, die stolz auf ihre Stadt sind.

Könnte die Stadt mehr aus ihren Möglichkeiten machen?

Stadtentwicklung ist immer ein Kompromiss. Ich finde die Entwicklung von Potsdam in den letzten 20 Jahren großartig.

Fehlt Ihnen persönlich manchmal etwas hier?

Ja, dass der Gruß ,Grüß Gott' nicht etwas ganz Normales ist.

Verraten Sie uns Ihren Lieblingsort in Potsdam, wenn es den gibt?

Der Park von Babelsberg und natürlich in der Zukunft die neue alte Potsdamer Mitte.

Das Gespräch führte Sabine Schicketanz

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