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  • 10.07.2014
  • von Sarah Kugler

Die Zukunft fest im Blick

von Sarah Kugler

Auf nach Schottland. Die 17-jährige Phila Rembold wird ab Herbst an der ältesten Universität Schottlands, der University of St Andrews, Physik studieren. Sie träumt von einem eigenen Lehrstuhl und Forschungsgeldern - und sie liebt Star Trek und die alten James-Bond-Filme. F.: Manfred Thomas

Phila Rembold hat am Helmholtz-Gymnasium ihr Abitur mit Bestnote 1,0 gemacht. Ihr großer Traum: Eine Physikprofessur

Fortsetzung auf Seite 12

Ein Physik-Studium in Schottland, später vielleicht mal eine Professorenstelle: Phila Rembold hat ihre Zukunft fest im Blick und arbeitet mit viel Fleiß und Ausdauer auf ihre Ziele hin. Die 17-jährige Potsdamerin hat gerade ihr Abitur am Helmholtz-Gymnasium mit der Bestnote 1,0 bestanden. Damit hat sie schon viel erreicht, doch ausruhen möchte sie sich auf dem guten Schulabschluss nicht. „Das Abitur soll mir ja auch etwas bringen und somit will ich es auch richtig nutzen“, sagt Phila, die 1997 in Frankfurt am Main geboren wurde. „Ich habe immer den Ehrgeiz, etwas zu schaffen und setzte mir somit auch selbst hohe Ziele.“ Ihre Stimme ist dabei fest, die Augen blicken ernst.

Ihre Entscheidung, ein Physikstudium zu beginnen, war aber nicht nur rational bedingt. „Tatsächlich liebe ich Physik“, gibt sie lachend zu, wobei die Grübchen um ihren Mund den kindlichen Schalk durchblitzen lassen. „Ich bin ein Fan von Logik und man kann damit die Welt besser verstehen. Natürlich könnte ich auch Medizin oder Jura studieren, aber das würde mir absolut keinen Spaß machen und wo wäre dann der Sinn?“

Ihre Leidenschaft für Physik entdeckte Phila, die seit ihrem zweiten Lebensjahr in Potsdam lebt, bereits in der fünften Klasse. Schon die ersten Physikstunden hätten sie gepackt, sagt sie. „In einem Schulaufsatz sollten wir beschreiben, was wir später beruflich machen wollen. Ich wusste damals schon, dass ich etwas mit Physik machen möchte.“

Im Laufe ihrer Schulzeit vertiefte sich diese Neigung noch. So nahm sie 2009 und 2010 erfolgreich bei „Jugend forscht“ teil und gewann sogar einen Sonderpreis. Ein Jahr später absolvierte sie ein Praktikum im Astrophysikalischen Institut Potsdam (API), was ihr besonderen Spaß machte. „Damals war ich noch fest davon überzeugt, dass ich später Astrophysik studieren werde“, erzählt sie. „Das interessiert mich auch heute noch sehr, aber ich möchte erst mal alle Bereiche der Physik genau kennenlernen, bevor ich mich auf einen festlege.“ Besonders stolz ist die frischgebackene Abiturientin auf ihre Leistungen als Schülerstudentin an der Universität Potsdam. Im Sommerssemester 2012 belegte sie dort den Kurs Experimentalphysik II und bestand die Klausur mit 3,0 – und dass, obwohl sie keine Vorkenntnisse in Experimentalphysik hatte und auch nicht an jeder Veranstaltung teilnehmen konnte. Den verpassten Stoff holte sie selbstständig und zusätzlich zu ihrem Schulpensum nach. „Darauf bin ich schon sehr stolz“, so Phila. „Zumal in meinem Klausurendurchgang, in dem alle Nachschreiber mitgelaufen sind, sonst keiner bestanden hat.“ Darüber hinaus war es aber auch einfach eine sehr interessante Erfahrung, schon mal „Uniluft“ schnuppern zu dürfen, wie sie erzählt. „ Mit manchen Studenten habe ich immer noch Kontakt.“

Ab dem kommenden Wintersemester wird sie für vier Jahre an der University of St Andrews, der ältesten Universität in Schottland, studieren und dort ihren Bachelor- sowie ihren Master-Abschluss machen. Vor dem Schritt, in ein fremdes Land zu gehen und komplett auf Englisch zu studieren, hat sie keine Angst. „Ich war mit meiner Mutter schon häufig in den USA und habe einen Sprachkurs in England absolviert, von daher ist die Sprache kein Problem“, sagt Phila selbstbewusst, die viel englischsprachige Literatur liest und den für das Studium nötigen TOEFL-Test mit sehr guten 208 Punkten bestanden hat. „Ich freue mich einfach darauf, etwas Neues kennenzulernen und auch mein eigenes Leben zu beginnen.“ Sie habe eher ein klein wenig Angst vor der fachlichen Herausforderung und ihre Familie werde sie bestimmt auch vermissen, wie sie zugibt. „Gerade meine Mutter hat mich immer unterstützt und gefördert, aber auch nie zu etwas gezwungen oder zu viel Druck aufgebaut“, so die Abiturientin. „Im Gegenteil, sie hat immer darauf geachtet, dass ich nicht zu viel mache.“ Da ihre Mutter Informatikerin ist, sei sie ihr natürlich auch als Wissenschaftlerin ein großes Vorbild, wie Phila sagt. „Frauen sind ja sowohl in der Informatik, als auch in der Physik immer noch selten“, so die angehende Studentin. „Aber das erspart einem auch viel Zickenkrieg und weckt nur wieder meinen Ehrgeiz, mich bei den Männern durchzusetzen.“ Auch wenn sie noch nicht genau weiß, in welche Richtung sie später einmal gehen möchte, eine Stelle als Professorin ist ihr großes Ziel. „Eine Festanstellung, Lehre, Forschungsgelder: Das wäre das Größte“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Aber ich fange wohl am besten erst einmal an zu studieren.“

Auch ihr Hobby, das Geigespielen, möchte sie an der Uni fortsetzen: Sie will sich dort im Orchester anmelden. Phila interessiert sich nicht nur für klassische Musik und fremde Länder, die Abiturientin bezeichnet sich selbst als absoluten Film- und Serienjunkie. „Ich liebe die alten James-Bond-Filme, Schnulzen hingegen mag ich gar nicht“, sagt sie lachend und aller Ernst ist aus ihrem Gesicht verschwunden. „Serien gucke ich von ‚The Big Bang Theory’ über ‚Heroes’ bis hin zu ‚Game of Thrones' alles.“ Dann spreizt sie die Hand zum Vulkanischen Gruß und verrät: „Trekkie bin ich auch. Zu Halloween habe ich mich auch schon als Vulkanierin verkleidet.“ Auch diese Leidenschaft teile sie mit ihrer Mutter, wobei sie vor allem die positive Moral und die Globalität des Star-Trek-Universums schätze. „Es ist einfach eine schöne Vorstellung, dass wir irgendwann mal alle friedlich miteinander leben können“, so Phila. Sie selbst engagiert sich aktiv bei „Oxfam Deutschland“, einer Wohltätigkeits-Organisation gegen Armut und für Gerechtigkeit.

Im Moment verbringt sie ihre Freizeit allerdings am liebsten mit Freunden und genießt die entspannte freie Zeit vor dem Studium. „Es ist einfach schön, auch Potsdam noch ein wenig zu genießen, bevor es dann nach Schottland geht“, sagt sie. „Wenn ich mal genug von der Weltenbummelei habe, komme ich bestimmt wieder hierher zurück.“

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