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  • 07.05.2014

Politiker starb auf Schulsportplatz

Teltower Vorstadt/Babelsberg - Der einzige Einzelbewerber für das Potsdamer Stadtparlament, der Babelsberger Lehrer Stephan Koop, ist unter rätselhaften Umständen gestorben. Wie Polizeiermittler bestätigten, fanden drei Schüler den 49-Jährigen am Dienstagmorgen tot auf dem Sportplatz des Humboldt-Gymnasiums in der Heinrich-Mann-Allee. Dort hatte er die AG „Junge Imker“ und einen Bienenstock betreut, auch bei seinem Tod trug er die Schutzkleidung von Bienenzüchtern.

Die Todesursache ist noch unklar. Die Polizei teilte am Dienstagnachmittag mit, ein Verbrechen könne derzeit ausgeschlossen werden. Die Staatsanwaltschaft müsse nun entscheiden, ob der Mann obduziert werde, so die Polizei. Unklar blieb, ob sein Tod in Zusammenhang mit den Bienen stehen könnte.

Koop war vor acht Jahren nach Potsdam gezogen, hatte zur Kommunalwahl am 25. Mai als einziger Einzelkandidat der Stadt in Babelsberg antreten wollen und dafür auch die 20 nötigen Unterstützerunterschriften gesammelt. Unter anderem hatte der parteilose Kandidat dafür geworben, Kleingärten zu erhalten, das Stadtwerkefest abzuschaffen, die Bibliotheksnutzung kostenlos zu gestalten und Sportanlagen zu sanieren. Im Internet schrieb er: „Ich möchte gewählt werden, weil ich einem Traum nachgehe – in einer Stadt zu leben, in der Politik gelebt wird wie in einer griechischen Polis, der Wiege der europäischen Demokratie: parteilos.“ Koops Name wird sich nach PNN-Informationen auch auf den Stimmzetteln zur Kommunalwahl befinden, die Briefwahl in Potsdam hat ohnehin bereits begonnen. Er galt als weitgehend chancenlos.

Die Schüler hatten den leblosen Mann gegen 7.45 Uhr gefunden und das Sekretariat alarmiert. Die Rettungskräfte konnten kurz darauf nur noch den Tod des Potsdamers bestätigen, der Sportplatz wurde zur Spurensicherung abgesperrt. Eine Stadtsprecherin sagte, die Schüler aus der 6. und 9. Klasse, die den Toten fanden, hätten Angebote für psychologische Betreuung erhalten. Bei Bedarf könnten sich auch alle anderen Schüler betreuen lassen. In der Schule werde noch überlegt, wie man von Koop würdig Abschied nehmen wolle. Von der Schulleitung war am Dienstagnachmittag niemand mehr zu erreichen. Die Elternvertreterin der Schule, Steffi Schweden, reagierte gegenüber den PNN schockiert, als sie von dem Vorfall erfuhr: An einem der Imkerkurse der vergangenen Jahre hatte auch ihr Sohn teilgenommen. Koop war zudem Lehrer an einem Gymnasium in Berlin-Grunewald. Auch dort reagierte man mit Bestürzung auf die Nachricht. HK (mit giw)

 

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