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  • 26.03.2014

Alltagsrassismus in Potsdam: „Migranten werden oft ausgegrenzt“

Foto: dpa

Ausgrenzungen und Beleidigungen erleben viele Migranten in allen Lebensbereichen - egal, ob sie Akademiker oder Arbeiter sind: Nadja Hitzel-Abdelhamid vom Verein Opferperspektive sprach mit den PNN über Alltagsrassismus.

Frau Hitzel-Abdelhamid, am Mittwoch fand auf Hermannswerder die Tagung „Alltagsrassismus in Brandenburg“ statt. Ist Alltagsrassimus auch in Potsdam ein Problem?

Ja, auf jeden Fall. Der Alltag von Flüchtlingen, Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund ist durchzogen von Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen, egal ob sie Akademiker oder Arbeiter sind. Das fängt an bei rassistischen Beleidigungen auf der Straße, in der Nachbarschaft oder auf dem Weg zur Schule an und geht bis hin zu Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, dem Wohnungsmarkt, in der Freizeit, im Gesundheitsbereich oder durch Behörden. Das umfasst alle Lebensbereiche, eine besondere Häufung in bestimmten Bereichen gibt es nicht.


Nadja Hitzel-Abdelhamid, 40, ist seit 2005 Mitglied des Potsdamer Vereins Opferperspektive und arbeitet dort seit fünf Jahren bei der Antidiskriminierungsberatung Brandenburg.


Wie viele Fälle bearbeitet die Opferperspektive?

In unserer Antidiskriminierungsberatung Brandenburg, die mit zwei Mitarbeiterinnen landesweit tätig ist, beraten wir pro Jahr in rund 30 Fälle von Rassismus oder Diskriminierung. Viele davon spielen sich in Potsdam ab.

Um was für Fälle geht es konkret?

Was immer wieder vorkommt, ist, dass Kaufhausdetektive und Polizisten Menschen einer Personenkontrolle wegen ihrer Hautfarbe unterziehen, und nicht wegen eines konkreten Verdachtes. Am Arbeitsplatz erhalten Migranten häufig schwerere Arbeiten, bekommen weniger Gehalt oder werden in den Pausen ausgegrenzt. Das Thema Rassismus wird oft bei den extremen Rechten verortet und nicht in der Mitte der Gesellschaft, und genau darauf wollen wir bei der Tagung den Fokus legen. Die Bekämpfung des Rechtsextremismus ist natürlich ganz wichtig, aber damit alleine haben wir das Problem noch nicht gelöst.

Worum ging es in der Tagung?

Es ging darum, sich wissenschaftlich und praktisch mit sämtlichen Dimensionen von Rassismus zu beschäftigen und sich auch mit den eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen. Wir haben darüber diskutiert, was in fünf Jahren rot-roter Regierung in der Antidiskriminierungspolitik passiert ist, auch rassistische Proteste gegen Flüchtlingsheime in Brandenburg waren ein Thema. Der Verein Opferperspektive hat zur Tagung zudem eine Broschüre herausgeben, in der zehn Personen von ihren Diskriminierungserfahrungen berichten. Für viele Betroffene ist es ein großes Bedürfnis, das mitzuteilen.

Die Fragen stellte Erik Wenk

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