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  • 21.02.2014
  • von Henri Kramer/ Ingmar Höfgen

Unerwünscht

von Henri Kramer/ Ingmar Höfgen

Die Marke „Thor Steinar“. Foto: dpa

Nach „Lonsdale“-Kooperation: Wie der SV Babelsberg 03 gegen Nazi-Symbole im Stadion vorgeht

Babelsberg - Kritik, Verwunderung, aber auch Zustimmung: Die Nachricht, dass ausgerechnet das Modelabel „Lonsdale“ der neue Kooperationspartner des Fußballvereins SV Babelsberg 03 wird, sorgt bei dessen Fans für Diskussionen. Im unabhängigen Internet-Fanforum reichten die Reaktionen am Donnerstag von „Mich gruselt es, das Zeugs kommt bei mir nicht ins Haus“ bis „Schade das Lonsdale nicht unser Brustsponsor ist“.

Der Hintergrund: Die englische Sportartikelmarke war in den 1990er-Jahren eine bei Neonazis beliebte Marke, weil auf den T-Shirts – bei geöffneter Bomberjacke – der Schriftzug „NSDA“ zu lesen war – als Anspielung auf die nach dem Zweiten Weltkrieg verbotene NSDAP. Gegen die Vereinnahmung durch die rechtsextreme Szene wehrt sich Londsdale seit Jahren, unter anderem werden antirassistische Initiativen unterstützt. Bei der Kooperation mit Babelsberg 03 soll „Lonsdale“ im Karl-Liebknecht-Stadion für das Unternehmen werben dürfen – im Gegenzug werden Shirts nach Babelsberg zum freien Verkauf geliefert. Dagegen sind andere Shirts und Symbole mit Bezug zu Rechtsextremismus im Stadion verboten, wie Vereinssprecher Thoralf Höntze bestätigt. Die PNN geben einen Überblick.

Kleidungsmarken

Sie heißen „Consdaple“ oder „Masterrace Europe“ – Bekleidung dieser Marken ist im „Karli“ nicht erwünscht, wie Höntze sagte. Dafür stehen an den Einlässen Ordner, die mithilfe von sogenannten schwarzen Listen geschult werden, auf bestimmte Marken und Symbole zu achten und ihren Träger den Einlass zu verwehren – unabhängig davon, ob die Marken und Symbole strafbar sind oder nicht. Beim Bundesverfassungsschutz heißt es etwa zu „Consdaple“, die szeneinterne Beliebtheit der Marke, die auch noch von einer rechtsextremistischen Versandfirma produziert werde, ergebe sich durch einen an das Hoheitszeichen des Dritten Reichs erinnernden Adler im Logo sowie die Buchstabenfolge „NSDAP“. Mit diesem szeneeigenen Label hätten Rechtsextremisten auch auf die deutliche Distanzierung von „Londsdale“ reagiert, so der Verfassungsschutz. Auch die Marke „Masterrace“, zu deutsch: Herrenrasse, steht auf den SVB- Listen. Höntze bestätigte auch, dass Fans im Stadion keine Kleidung der Marke „Thor Steinar“ tragen dürften – zu dem in Königs Wusterhausen ansässigem Label stellt der brandenburgische Verfassungsschutz fest, das Tragen dieser Marke diene „als identitätsstiftendes Erkennungszeichen unter Rechtsextremisten“.

Symbole und Codes

Auf der SVB-Liste stehen auch viele per Gesetz verbotene Symbole, die von Rechtsextremisten verwendet werden – so verschiedene Runen, das Logo der weltweit aktiven Skinheadorganisation „Blood and Honour“ oder das sogenannte Gaudreieck, das Zeichen der Hitlerjugend. Wer solche Symbole trägt, kann laut Gesetz wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Daneben machen Rechtsextremismusforscher schon seit Jahren darauf aufmerksam, dass Neonazis inzwischen auch über nicht strafbare Zahlencodes ihre Gesinnung ausdrücken. Auch darauf sollen die Babelsberg-03-Ordner achten – etwa auf Kombinationen wie die „18“, die für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet steht, also „A“ und „H“ für Adolf Hitler. „88“ steht nach dieser Logik für „Heil Hitler“, solche Zahlencodes werden in der Szene auch als Tätowierungen verwendet. Ebenso sind laut Höntze nicht strafbare Symbole wie das Eiserne Kreuz oder die sogenannte Schwarze Sonne verboten. Auch Logos der von Rechtsextremisten initiierten Kampagne „Todesstrafe für Kinderschänder“ dürften im Karl-Liebknecht-Stadion nicht gezeigt werden, bestätigte Höntze.

Grenzbereiche

Auch die Logos von einschlägigen rechten Bands wie „Landser“ oder „Screwdriver“ sind auf der bereits 2009 eingeführten SVB-Liste zu finden – auch Fans mit solchen Schriftzügen auf ihrer Kleidung dürfen das Stadion nicht betreten. Schwierig sei es bei auch bei T-Shirts von auch bei Rechtsextremen beliebten Bands wie „Freiwild“, eine erfolgreiche und zugleich extrem umstrittene Deutschrock-Band. Hier gebe es zwar keine direkte Order, die Träger solcher Shirts nicht ins Stadion zu lassen, sagte Höntze: „Doch gern gesehen ist das bei uns nicht – und es würde wohl auch keiner unserer Fans auf die Idee kommen, so ein Shirt anzuziehen.“

Beim BFC Dynamo, oft mit rechten Fans in Verbindung gebracht wird, geht man bei den ebenfalls auf einer schwarzen Liste stehenden Kleidermarken einen anderen Weg: Ausziehen – oder ein Fan-Shirt kaufen und im Stadion drüberziehen. So profitiert der Verein dreifach: Beim Eintrittsgeld, beim Merchandising, und auch die politische Einstellung des Fans verschwindet für den neutralen Betrachter unter der neuen Oberfläche. Henri Kramer/ Ingmar Höfgen

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