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  • 19.02.2014
  • von Katharina Wiechers

Ressentiments gegen Flüchtlinge: Staudenhof-Bewohner lehnen Flüchtlingswohnungen ab

von Katharina Wiechers

Der Staudenhof. Foto: Manfred Thomas

Wir haben ja nichts gegen die Menschen - aber bitte nicht hier. So in etwa lautete der Tenor bei einer Bürgerversammlung zu den geplanten Flüchtlingswohnungen im Staudenhof.

Potsdam - Die Bewohner des Staudenhofs sind von der Ankündigung der Stadt, künftig Flüchtlinge in ihrem Wohnblock unterzubringen, wenig begeistert – zumindest jene, die am Mittwochabend zu einer Bürgerversammlung zu dem Thema gekommen waren. Diese hatte die Stadt organisiert, um die Mieter darüber zu informieren, dass ab Juni in bis zu 25 frei werdenden Wohnungen nach und nach Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Wie in der Haeckelstraße in Potsdam-West soll es auch im Staudenhof einen sogenannter Wohnungsverbund für neu ankommende Asylbewerber geben.

Die Wohnungen im Staudenhof hätten dünne Wände und man höre von den Nachbarn jedes Wort, sagte eine ältere Bewohnerin. „Mit so vielen Asylanten funktioniert das nicht. Wir haben schon genug Ausländer im Haus, Vietnamesen, Russen und ein paar Dunkelhäutige.“ Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger hielt dagegen, dass auch Deutsche bisweilen laut Musik hörten und sich unterhielten, doch die Frau konnte das nicht überzeugen. „Wir haben ja nichts gegen die Menschen, aber 40 bis 60 Asylanten sind einfach zu viele.“

Ein anderer Bewohner gab zu bedenken, dass auch zum Beispiel Studenten großen Bedarf an den günstigen und zentral gelegenen Wohnungen im Staudenhof hätten. „Wenn mal eine Wohnung frei wird, kommen 120 bis 150 Interessenten“, sagte er. Dass 25 frei werdende Wohnungen nun an Flüchtlinge vergeben werden sollten, verstehe er nicht – zumal die meisten für Familien zu klein seien.
Müller-Preinesberger räumte ein, dass es im ganzen Haus nur fünf Vierraumwohnungen gibt und davon vermutlich zwei für Flüchtlingsfamilien zur Verfügung gestellt werden. In den Einraumwohnungen könnten zum Beispiel eine Mütter mit einem oder zwei kleinen Kindern unterkommen. Dass Wohnungen mitten in der Stadt für das Verbundsystem ausgesucht wurden, sei gewollt, betonte sie. Denn nur so könnten die Menschen integriert werden. „Wenn sie außerhalb untergebracht werden, bleiben sie Fremde.“

Um das Zusammenleben zwischen alten und neuen Nachbarn zu vereinfachen, stelle die Stadt 25 000 Euro extra zur Verfügung, so die Sozialdezernentin. Diese könnten für Veranstaltungen wie Frauennachmittage oder gemeinsames Kochen verwendet werden. Auch mit der Volkshochschule oder dem jugendkulturellen Zentrum Freiland werde zusammengearbeitet. Zusätzlich werde das Projekt von einem Träger betreut – schließlich müssten die Neuankömmlinge aus Krisengebieten wie Syrien oder Afghanistan in vielen Dingen unterstützt werden, nicht zuletzt weil sie oft ihnen traumatische Dinge erlebt hätten. Sie nannte das Beispiel einer Frau, die mitansehen musste, wie ihr Mann und ihr Bruder erschossen wurden. Auch das konnte einige Bewohner nicht überzeugen. „Haben wir auch erlebt“, murmelte eine Frau, andere schüttelten den Kopf.

Ein ganz anderes Bild zeigte hingegen ein älterer Mann. Er wohnt in der Hackelstraße, wo seit November ebenfalls Flüchtlinge untergebracht sind. Anfangs hätten einige Nachbarn ebenfalls Vorbehalte gehabt, erzählte er. Und als eines Abends die Polizei vor der Tür stand, schien das Klischee des „kriminellen Ausländers“ bestätigt. „Aber dann kam raus: es war eine treudeutsche Mutter, deren Kinder Cannabis angepflanzt hatten.“

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