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  • 28.10.2013
  • von Erik Wenk

Stillstand an der Westkurve

von Erik Wenk

Protest: Rund 80 Radfahrer forderten am Samstag mehr Sportplätze. Foto: M. Thomas

80 Protestradler forderten am Samstag den Aus- und Neubau von Sportplätzen – zumindest am Park Babelsberg soll 2014 die Nowawiese angelegt werden

Potsdam-West/ Babelsberg - Ihre Geduld ist am Ende: Nachdem die Bürgerinitiative Westkurve seit sieben Jahren erfolglos für eine Sanierung des Sportplatzes an der Hans-Sachs-Straße kämpft, ziehen die Aktivisten nun die Konsequenz. „Wir brauchen eure 300 000 Euro nicht mehr!“, sagte Christine Anlauff von der Bürgerinitiative am Samstag. Sie war eine Rednerin bei einer Fahrrad-Demonstration, deren Teilnehmer den Aus- und Neubau von Sportplätzen für den Freizeit- und Breitensport in Potsdam forderten.

Die besagten 300 000 Euro sind im Haushalt der Stadt seit drei Jahren für die Sanierung des maroden Sportplatzes vorgesehen. Das Geld konnte bislang aber nicht eingesetzt werden, weil sich die Stadtverwaltung mit der Wohnungsbaugenossenschaft 1903 unter anderem nicht über das Wegerecht an der Westkurve einigen konnte. „Nehmt unser Geld und kauft damit Liegenschaften, die Sport- und Freizeitflächen werden oder bleiben“, forderte Anlauff daher die Stadtverwaltung vor den rund 80 Teilnehmern der Fahrraddemo auf. Trotz des schlechten Zustands werde man den Sportplatz, der unter anderem von zwei Schulen genutzt wird, weiter bespielen, so Anlauff.

Gestartet war der Protestzug mit etwa 40 Personen am Sportplatz Westkurve, weitere Teilnehmer reihten sich am Café „11-Line“ und am Jugendgelände „Freiland“ ein. „Die Situation der Sportplätze und -hallen in Potsdam ist armselig“, erklärte Demonstrant Sebastian Köhler, der selbst zwei Kinder hat, die Hockey spielen, jedoch oft nach Berlin-Zehlendorf oder Falkensee ausweichen müssen. „Wir kennen viele Städte im Bundesgebiet, aber so schlechte Sportplätze wie in Potsdam gibt es nirgends“, fügte seine Ehefrau Doris an. „Oft müssen Sportvereine viele Kinder einfach nach Hause schicken, weil die Kapazitäten nicht da sind“, klagte auch Björn Laars vom SV Babelsberg 03, welcher zusammen mit anderen Initiativen die Protestaktion organisierte.

Auch wenn sich die Demonstranten sicherlich mehr Teilnehmer gewünscht hätten, war die Stimmung entspannt und familiär. Fraglich ist aber, ob die Botschaft der Aktion überhaupt verstanden wurde: Sprechchöre wurden nicht angestimmt und bis auf ein kleines Pappschild an einem der Räder waren auch keine Plakate zu sehen. „Ich weiß gar nicht, wogegen die sind“, sagte eine ältere Dame am Straßenrand. „Zumindest ein Plakat ganz vorne wäre schon gut gewesen“, sagte auch Doris Köhler. Bei einer anderen Passantin schien die Botschaft nur zum Teil angekommen zu sein: „Erst wollen sie mehr Sportplätze und dann randalieren sie!“

Das Rathaus Babelsberg als Ziel des Radkorsos war nicht zufällig gewählt, denn die Protestierenden forderten die Stadt ebenfalls auf, den Sportplatz auf der Nowawiese am Park Babelsberg zu bauen. „Wir sehen bei der Nowawiese leider immer noch keine Prioritätensetzung“, mahnte Jens Lüscher, Fanbeauftragter des SV Babelsberg, bei der Kundgebung. „Wir werden die Baugenehmigung noch dieses Jahr einreichen, Baubeginn ist 2014“, kündigte Stadtsprecher Jan Brunzlow auf PNN-Anfrage an. Zudem wolle man mit den Stadtwerken sprechen, damit Toiletten und Umkleiden des nahe gelegenen Freibades genutzt werden können.

Neue Erkenntnisse über die Weiterentwicklung der Sportplatz-Situation könnte es im Dezember geben: Dann werde der neue Sportentwicklungsplan in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, so Brunzlow. Doris Köhler hofft jedenfalls auf schnelles Handeln: „Uns läuft die Zeit davon, denn irgendwann sind die Kinder auch aus dem Alter raus, dass sie die Hallen brauchen“, sagt sie. „Es muss jetzt etwas passieren.“ Erik Wenk

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