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  • 10.09.2013

„Kein Raum für solche Positionen“ Angela Hoffmann über rechtsextreme Schüler

Frau Hoffmann, an der Potsdamer Heinrich-von-Kleist-Schule holt derzeit ein Direktkandidat der NPD für den Bundestag sein Abitur nach. Dabei handelt es sich um den Nauener Stadtverordneten Maik Schneider. Wie geht die Schule damit um?

Zum konkreten Fall kann ich aus Gründen des Datenschutzes und des Persönlichkeitsrechts keine Stellung nehmen. Grundsätzlich sind aber alle Lehrenden und Studierenden sehr aufmerksam, was dieses Thema angeht.

Hat ihre Schule eine Möglichkeit, sich die Schüler auszusuchen?

Wir sind eine städtische Schule. Solange ein Studierender die Voraussetzungen erfüllt und sich an die von der Schule vorgegebenen Regeln hält, stehen wir grundsätzlich jedem offen, unabhängig von seiner politischen Gesinnung, der Religion, seiner Herkunft oder dem Geschlecht. Wird gegen die Regeln verstoßen, würden wir reagieren.

Welche Grundsätze hat ihre Schule in Bezug auf Extremismus?

Zu unserem Leitbild gehört, dass das gesamte schulische Leben alles, was unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ausmacht, offensiv vermittelt. Dazu gehören Demokratie, Offenheit, Toleranz und Menschenrechte. Wir wollen Aufklärung leben.

Wie kommt das zum Ausdruck?

Unsere Arbeit geht über die Wissensvermittlung hinaus. In der Schule gibt es eine sehr aktive Studierendenschaft, die sich in viele Projekte und Veranstaltungen einbringt. Die Schule versucht sich dabei auch mit anderen Akteuren in der Stadt zu vernetzen.

Wie setzt sich die Schülerschaft an der Heinrich-von-Kleist-Schule zusammen?

Wir sind eine Einrichtung der Erwachsenenbildung für Potsdam und Umgebung und haben mehr als 400 Studierende. Dazu gehören viele junge Erwachsene mit unterschiedlichen politischen Einstellungen und Weltanschauungen. Dieses Spektrum der Sichtweisen macht an unserer Schultür nicht halt. Die Menschen, die zu uns kommen, haben verschiedene Beweggründe: Oft geht es darum, einen Schulabschluss nachzuholen, aber auch darum, sich persönlich verändern zu wollen und noch einmal etwas Neues zu lernen.

Wie wirkt sich das auf den Umgang mit rechtsextremistischen Einstellungen aus?

In der Schule werden menschenverachtende und gewaltverherrlichende Auffassungen abgelehnt. Es ist ganz klar, dass es hier keinen Raum gibt und geben darf, in dem solche Positionen vermittelt werden. Alle Lehrenden sind aufgerufen, gegen ein solches Verhalten sofort aktiv zu werden - auch die Studierenden. Bislang gab es aber keine solchen Vorfälle.

Das Gespräch führte Marco Zschieck

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