18.12.2017, 2°C
  • 15.07.2013
  • von Oliver Dietrich

Mit Sonnenbrille zum Festival Summer Rock Open Air auf dem Bassinplatz

von Oliver Dietrich

Da war es wieder, das Summer Rock Open Air auf dem Bassinplatz – und hatte sich am Samstag gegen ganz schön viel Konkurrenz zu behaupten: Das zu gleicher Zeit stattfindende Open Air vor dem Kuze sorgte jedenfalls für regen Pendelverkehr von Besuchern, die keine der beiden Veranstaltungen verpassen wollten. Aber was für eine Resonanz: Der Bassinplatz war voller Menschen, die sich eines der entspanntesten Festivals Potsdams nicht entgehen lassen wollten. Und entspannt war nicht nur die ganze Atmosphäre vor Ort, sondern auch die Auftaktband Stadtruhe: Zwei Gitarristen und eine Cajón begleiteten eine Sängerin, die abgesehen von ihrer einlullenden Stimme ziemlich kreatives Songwriting beherrschte – der perfekte Soundtrack für einen Sommernachmittag und ziemlich routiniert für eine so junge Band. Überhaupt war rund um den Bassinplatz die Lust einfach groß, sich grinsend hinter seiner Sonnenbrille zu verstecken, kühle Getränke abzufassen – und irgendwie ließ einen die Idee nicht los, ein paar Sprünge auf der Hüpfburg des Stadtjugendrings zu machen. Aber da steht einem wieder das Alter im Weg; die Schuhe blieben also an.

Überhaupt waren zahlreiche Kinder zu sehen, die sich im Zickzack zwischen dem bunten Jungvolk austobten, einige machten es sich lieber gleich auf der großen Wiese bequem und ließen die Sonne an sich ran, laut genug war die Musik ja auf alle Fälle. Also gut, wagen wir es an dieser Stelle mal, das Summer Rock als eine unverzichtbare Institution des Potsdamer Sommers zu beschreiben – allen Unkenrufenden zum Trotz, die das Festival wohl lieber an anderer Stelle sehen würden.

Was macht aber ein Rockfestival zu einem Rockfestival? Ganz genau, Bands wie die Potsdamer Conium zum Beispiel, die der Interpretation purer Rockmusik einen ziemlich exzentrischen Stempel aufdrückten. Der Sänger, mit Zylinder und endlos langen Dreads, hatte eine riesige Bandbreite an Stimme, die zur langsam untergehenden Sonne passte. Klar, Conium verwiesen eindeutig retrospektiv auf die 70er, die sie mit einer extragroßen Portion Funk und musikalischem Ping-Pong der Instrumentalisten versahen – das kam aber echt gut. Und es ist auch gut zu wissen, dass es noch gute Bassisten gibt.

Zum Abschluss gab es den Griff in die Trickkiste: Wenn man auf einem Festival nichts falsch machen will, dann gibt es eine zuverlässige Musikrichtung: Ska. Les Calcatoggios, immerhin eine der dienstältesten Berliner Ska-Bands,brachten mitreißende Beats, während ausgelassen tanzende Kinder vor der Bühne herumsprangen. Sicherlich eine Band, die man stundenlang hätte spielen lassen können. Fast ein bisschen schade, dass zumindest ein Höhepunkt des Potsdamer Sommers vorbei ist. Oliver Dietrich

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