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  • 11.07.2013
  • von Ingmar Höfgen

Die Finanzen des SV Babelsberg 03: SVB-Vorstand denkt an Kombiticket mit Turbine Potsdam

von Ingmar Höfgen

Kleinere Brötchen - oder Kekse backen: Beim SV Babelsberg 03 sucht man noch nach Sponsoren. Foto: dpa

Der Fußball-Viertligist arrangiert sich mit der DKB und findet ein weiteres Kreditinstitut als neuen Sponsor.

Wenn zwei sich treffen, die beruflicherseits kein Geld zu verteilen haben, weil einfach wenig davon zur Verfügung steht, dann wird trotzdem auch über Geld gesprochen. Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) stattete am gestrigen Mittwoch dem Fußball-Viertligisten SV Babelsberg 03 im Rahmen seiner traditionellen Sommertour einen Besuch ab. Mit SVB-Chef Archibald Horlitz, dem sportlichen Leiter Almedin Civa und Geschäftsstellenleiter Björn Laars unterhielt er sich im Karl-Liebknecht-Stadion nicht nur über den Richtungswechsel hin zu intensiverer Einbindung der Jugend, den der SVB zuletzt vornahm. Beim lockeren Gespräch ging es natürlich auch um das liebe Geld. In diesem Punkt hat der SVB 03 wieder mal einige ernste Tage hinter sich.

Wie weit ist die aktuelle Saison durchfinanziert?

Rund 200 000 Euro fehlen laut Horlitz derzeit noch im Jahresbudget für den Verein, das bei 1,6 Millionen Euro liegt. Er sieht es als Erfolg an – kleine Sponsoren seien zurückgekehrt, das Finanzloch von einer halben Million Euro wurde verringert. Andere Sponsoren sollen ihre Bereitschaft für das nächste Jahr signalisiert haben, wenn neue Werbeetats zur Verfügung stehen. Dass zum Saisonstart noch eine Lücke im Etat ist, ist in der Liga vier in der Tat nicht ungewöhnlich. Die Unwägbarkeiten sind größer, weil Fernsehgelder als konstante Einnahme wegfallen. Viele Zusagen kleinerer Geldgeber kommen in der Erwartung guter wirtschaftliche Entwicklung. Ändert sich diese Lage, kann es zu ungewollten Engpässen kommen. Großsponsoren mit sechsstelliger Summe zu finden, gestaltet sich aber schwierig – produzierendes Gewerbe ist rar gesäht. Angestrebt wird ein Jahr mit ausgeglichenem oder nur leicht negativem Ergebnis.

Ist eine Insolvenz damit vom Tisch?

Ganz ohne das I-Wort kommt Horlitz nicht aus. Das Thema Liquidität bekomme man mühsam in den Griff – die beiden zuschauerreichen Testspiele gegen St. Pauli und Union Berlin haben dazu beigetragen.

Was hat sich in den vergangenen Wochen sonst noch getan?

Die Vereinsspitze war kürzlich bei der Stadtspitze – finanzielle Zusagen gab es aber nicht. Horlitz hat das Gefühl mitgenommen, dass Oberbürgermeister Jann Jakobs und Kämmerer Burkhard Exner (beide SPD) „fest ander Seite des Vereines“ stehen, die Zusammenarbeit sei „exzellent“. Eine Kehrtwende gibt es in der Einstellung zum Stadion: Es sei eine gezielte Position der Opferrolle betrieben worden, so Horlitz. Wie berichtet, nutzt Frauen-Bundesligist Turbine Potsdam das Karl-Liebknecht-Stadion kostenlos. Der SVB wiederum, Erbbauberechtigter des Stadions, erhält rund 300 000 Euro für die Betriebskosten. Ob die vorhandene Infrastruktur wie zun Beispiel der VIP-Raum auch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann, wird geprüft.

Welche Schulden schleppt der Verein aus den Vorjahren mit sich herum?

Rund drei Millionen Euro betragen die Verbindlichkeiten, davon sind 1,3 Millionen Euro sogenannte Genussscheine der Deutschen Kreditbank (DKB), die frühestens 2017 fällig werden. Auch diese waren ursprünglich Kredite der DKB, wurden aber umgewandelt, damit der Verein kein negatives Eigenkapital aufweist. Das Verhalten des Dauer- Kreditgebers DKB hatte Ende 2012 zu Widerstand in den Vereinsgremien geführt, Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder wie Filmparkchef Friedhelm Schatz und Kinobetreiber Thomas Bastian traten damals zurück. Die Unterstützung durch die Bank sei nach wie vor da, so Horlitz. Grundsätzlich trage sie den Konsolidierungskurs des Vereins mit. Man sei sich einig, keine weiteren Schulden aufzutürmen. Ein zweites Kreditinstitut, dessen Name am Mittwoch nicht verraten wurde, ist jetzt unter den Sponsoren.

Was sagt die DKB?

„Bankgeheimnis“, sagt eine Sprecherin.

Werden gemeinsame Aktionen mit Turbine Potsdam angestrebt?

Horlitz hat einen „gewissen Prozentsatz überschneidender Fans“ zwischen beiden Vereinen festgestellt, eine engere Zusammenarbeit ist von Seiten des SVB angestrebt. Am Mittwoch fiel das Wort „Kombikarte“. „Wenn wir die Chance nicht nutzen, wären wir blöd. Nicht Turbine, wir wären blöd“, stellte Horlitz klar. Markov erinnerte kurz daran, dass die Mittel zur Sanierung des Stadions aus dem Konjunkturpaket II nur wegen der überregionalen Bedeutung der Frauenfußballerinnen genehmigt worden seien.

Verschrecken linke Fans mögliche Sponsoren?

Davon will Horlitz nichts hören. Er forderte aber die linken Fans auf, nicht intolerant gegenüber anderen Meinungen zu sein. Normales gesellschaftliches Engagement gegen rechte und homophobe Tendenzen: „Haken dran.“ Zwischen 300 und 500 ältere Zuschauer im Alter zwischen 60 und 70 Jahren seien den Spielen zuletzt ferngeblieben, weil die Atmosphäre sich verändert habe. Der Verein solle breiter aufgestellt bleiben – und auch für Familien attraktiv.

 

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