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  • 11.07.2013
  • von Steffi Pyanoe

Deutsch lernen gleich nach der Ankunft Stadt bezahlt Sprachkurse für neue Asylbewerber

von Steffi Pyanoe

Unterricht in kleinen Gruppen. Stefan Göttel (l.) engagiert sich ehrenamtlich als Deutschlehrer für Flüchtlinge. Foto: Andreas Klaer

Sayed Rahman aus Birma spricht noch langsam. „Fährst Du gern mit dem Bus? Nein. Ich nicht fahre gern mit dem Bus.“ „Ich fahre nicht gern mit dem Bus“, verbessert ihn Sandra Timper. Auf der Terrasse im Kulturzentrum Kuze sitzen junge Asylbewerber, die seit acht Wochen an einem über das Diakonie-Projekt „Clever“ organisiertem Deutsch-Kurs teilnehmen. Zwei Lehrer betreuen elf Schüler, eine super Quote, viermal in der Woche, drei Stunden. Noch zwei Tage, dann ist der Kurs vorbei. Was sie dann machen, wissen sie nicht. Ihre Asylverfahren laufen, deshalb dürfen sie weder arbeiten noch eine Ausbildung beginnen. Aber sie wollten lernen, und dieser Deutschkurs war die perfekte Übergangslösung.

Jetzt soll sich etwas ändern. Vielleicht werden einige von ihnen bald den nächsten Kurs beginnen. Denn ab August wird die Stadt Potsdam Deutsch-Grundkurse für alle neu ankommenden Flüchtlinge in Potsdam bezahlen, unabhängig von dem Status ihres Asylverfahrens.

Bisher gilt in Potsdam, was in ganz Deutschland gilt: Ein Asylbewerber hat, solange sein Antrag nicht positiv beschieden ist, kein Anrecht auf einen kostenlosen Sprachkurs. Ausnahmen sind schulpflichtige und berufsschulpflichtige Kinder und Jugendliche. Ein Problem für viele Menschen, die gerade in den ersten Monaten, in denen sie Zeit hätten und hoch motiviert sind, untätig bleiben müssen. Eine vertane Chance, meint Katrin Böhme vom Potsdamer Migrantenberatungsfachdienst. Das räche sich spätestens dann, wenn den Menschen plötzlich, quasi über Nacht, mit einem positivem Bescheid ihres Antrags die Integration abverlangt wird, in die Gesellschaft, die Nachbarschaft, den Arbeitsmarkt. Ein frühzeitiger Lernbeginn wäre eine sinnvolle Investition für die ganze Gesellschaft, sagt sie.

40 000 Euro im Jahr stellt die Stadt jetzt für Deutschkurse zur Verfügung. Diese könnten beispielsweise in der Volkshochschule stattfinden, je nach Vorbildung der Person mit bis zu 600 Stunden. „Eine freiwillige Maßnahme der Stadt“, sagte die Ausländerbeauftragte Magdolna Grasnick. Niemand könne absehen, wie viele Flüchtlinge bis Jahresende Potsdam zugeteilt werden, aber auch, wer im November ankommt, werde noch Deutsch lernen können, sagt sie. Notfalls müsse der Betrag aufgestockt werden.

Initiativen wie „Clever“ vom Diakonischen Werk seien damit bei Weitem nicht überflüssig, betonte die Ausländerbeauftragte. Sie leisten neben dem Sprachunterricht oft einen großen Beitrag zur Sozialisation der Flüchtlinge.

Der Unterricht in kleinen Gruppen, wie ihn die Diakonie derzeit im Kuze organisiert, sei wichtig für jugendliche, aber nicht mehr schulpflichtige Zuwanderer, um sie für Ausbildungen fit zu machen, sagt Böhme. So würden auch Flüchtlinge, die über wenig Schulerfahrung verfügen, erreicht. Und schließlich sei für viele Menschen mit persischen oder afrikanischen Muttersprachen die Umstellung auf europäische Sprachen schwieriger als erwartet, das Lernen dauere einfach länger, so die Erfahrung der Lehrer. Solche kleinen Kurse sind dann ein guter Einstieg.

Über „Clever“ werden aber nicht nur Sprachkurse finanziert. Über das Spendenprojekt, das zunächst 2013/2014, läuft, konnten Zeugnisse übersetzt, Praktika organisiert und in einigen Fällen Zugangsvoraussetzungen für eine Gasthörerschaft an der Universität geschaffen werden. Insgesamt wurde bisher 41 jungen Menschen geholfen. Steffi Pyanoe

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