21.11.2017, 4°C
  • 10.07.2013
  • von Peer Straube

Potsdamer Badwettbewerb: Schwimmbad wird teurer

von Peer Straube

Ja, der Siegerentwurf stammt vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner.... Grafik: Gerkan, Marg und Partner

Laut Stadtwerkechef Böhme sind die 23 Millionen Euro nicht zu halten: Das Potsdamer Bad wird wohl sieben Millionen Euro mehr kosten. Die BER-Planer Gerkan, Marg und Partner gewinnen den Architektenwettbewerb.

Innenstadt - Potsdams neues Schwimmbad wird deutlich teurer als vorgesehen. Der von den Stadtverordneten beschlossene Kostendeckel von 23 Millionen Euro sei nicht zu halten, sagte Stadtwerkechef Wilfried Böhme am Dienstag bei der Vorstellung der Siegerentwürfe für den Badneubau am Brauhausberg. Inklusive einer Tiefgarage plus weiterer „optionaler Kosten“, darunter ein Mehraufwand für einen Bau, der Passivhausstandards erfüllt, werde sich die Höhe der Bausumme wohl in etwa bei 30 Millionen Euro bewegen, hieß es. Bislang handele es sich nur um Kostenschätzungen, die zunächst geprüft werden müssten, sagte Böhme. Dennoch werde die Stadtpolitik über die „Grenze der Kosten neu nachdenken müssen“, so der Stadtwerkechef.

Aus den Entwürfen von insgesamt 16 Architektur- und Planungsbüros hatte eine zehnköpfige Jury, besetzt unter anderem mit Baufachleuten, Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) und Stadtwerkechef Böhme am Dienstag drei Preisträger gekürt. Mit allen drei soll nun über einen Badneubau verhandelt werden, die Entscheidung, wer zum Zuge kommt, treffen im September die Stadtverordneten.

Allerdings ist der Erstplatzierte auch Favorit: Das Berliner Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (GMP) setzte sich mit seinem Entwurf für einen modernen Stahlskelettbau mit viel Glas am Ende durch. Das Konzept sieht vor, auf dem Dach eine offene Saunalandschaft unterzubringen und den Außenbadebereich an der Rückseite des Gebäudes, zur Leipziger Straße hin, anzusiedeln. Die Stellplätze werden in einer Tiefgarage untergebracht, der repräsentative Haupteingang ist zum Hauptbahnhof ausgerichtet. GMP, die unter anderem den Berliner Hauptbahnhof geplant haben und auch für den Flughafen BER in Schönefeld verantwortlich sind, haben bereits zahlreiche Erfahrungen mit Sportgebäuden: Unter anderem hat das Büro einen Swimming-Pool-Komplex in Delhi entworfen, ebenso mehrere Fußballstadien für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Sowohl Klipp als auch Böhme sähen diesen Vorschlag auch am liebsten umgesetzt. Der Entwurf von GMP sei super und komme „mit der Anmutung einer Kunsthalle daher“, lobte Klipp in Anspielung auf die Kunsthallen-Pläne von Milliardär und Mäzen Hasso Plattner. „Baden ist künftig Kunst in Potsdam“, geriet der Baudezernent ins Schwärmen. Zudem hätten die Architekten eine großzügige Grünanlage vor dem Eingang geschaffen – andere Bewerber hätten hingegen den Bergfuß mehr überbaut. Moderne Architektur habe es in Potsdam oft schwer. Er hoffe nun auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung, sagte Klipp.

Für Böhme erfüllt der erstplatzierte Entwurf alle Bewertungskriterien am besten. So sei es darum gegangen, ob sich der künftige Badneubau gut in die Umgebung einpasst, ob die Architektur „für diesen zentralen Punkt angemessen“ sei, ob die Funktionalität des neuen Bades gegeben sei und letztlich, ob es wirtschaftlich zu betreiben sei und ökologisch nachhaltig gebaut werden könne.

Der Juryvorsitzende Heinz Nagler, Architekt und Stadtplaner aus Cottbus, lobte die insgesamt hohe Qualität des Wettbewerbs. Viele Teilnehmer hätten bereits Erfahrungen im Bäderbau vorweisen können. Der Entwurf von GMP sei deshalb zum Sieger gekürt worden, weil er architektonisch eine eigene Sprache entwickle und einen gelungenen Übergang zur künftigen Bebauung der nördlichen Speicherstadt bilde, sagte Nagler. Die Fassade zeige Klarheit, Leichtigkeit und Präsenz. Der Architekt verteidigte zudem die höheren Baukosten für das Schwimmbad. Angesichts der „empfindlichen Lage“ und der topografischen Besonderheiten sei der Standort „zu den gewünschten Kosten mit Sicherheit nicht adäquat zu bebauen“, so Nagler.

Der zweite Preis ging an das Berliner Büro Gewers & Pudewill. Dessen Entwurf sieht einen in der Höhe abgestuften Gebäudekomplex vor. Blickfang ist die Wasserrutsche hinter einer Panoramaglasscheibe. Der Freibadebereich ist im Gegensatz zum Siegerentwurf an der Heinrich-Mann-Allee angesiedelt. Platz drei ging an das ebenfalls in Berlin ansässige Büro Ludes Generalplaner GmbH. Der Entwurf sieht ein quaderförmiges Bad mit einer Arkade aus schlanken Betonsäulen vor. Zudem sprach die Jury zwei Anerkennungen aus – an das pbr Planungsbüro Rohling aus Berlin und die Code Unique Architekten aus Dresden.

Verhandelt wird allerdings nur mit den drei Wettbewerbssiegern. In den kommenden Wochen wollen die Stadtwerke nun deren Kostenkalkulationen prüfen und für die Stadtverordneten dann eine Empfehlung aussprechen. Eine Vergabe der Planungsleistungen im November vorausgesetzt, könnte – nach einem Jahr Planungs- und Genehmigungszeit – im Frühjahr 2015 mit dem Bau begonnen werden. Im Oktober 2016 soll das neue Schwimmbad eröffnen. Bislang liege man gut im Zeitplan, sagte Böhme.

Der Architektenwettbewerb baut auf dem vorangegangenen städtebaulichen Wettbewerb auf, den die Potsdamer Architekten Markus Löffler und Markus Engel gewonnen hatten. Als Ergebnis wurde die Fläche zwischen Heinrich-Mann-Allee und Leipziger Straße am Fuß des Brauhausbergs als Standort für das neue Sport- und Freizeitbad festgelegt. Löffler und Engel hatten indes eine lange Pergolamauer vorgeschlagen, um den Außenbadebereich vom Verkehrslärm abzugrenzen. Sollte der Siegerentwurf gebaut werden, könne man auf die Mauer verzichten, sagte Klipp, weil der Freibadebereich die Hanglage nutze und erhöht gebaut werde.

Dass das neue Schwimmbad am Brauhausberg gebaut wird, hatten die Potsdamer bei einer Bürgerbefragung entschieden: Rund 66 Prozent votierten für diesen zentralen Standort, nur ein Drittel stimmte für das Bornstedter Feld.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!