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  • 03.07.2013
  • von Henri Kramer

Geschlechtergerechte Sprache: Unisex an der Uni Potsdam

von Henri Kramer

Nach wie vor sind alle gemeint - nur die Sprache ändert sich. Statt Professor heißt es jetzt Professorin - an der Uni Potsdam. Foto: dpa

Laut Senat gilt „Professorin“ künftig auch für Männer. Bislang waren mit "Doktor" oder "Dozent" auch die Frauen gemeint. Die neue Sprachregelung soll nach Vorstellung des Senats auch Vorbild für andere Satzungen an der Uni sein.

Die Bezeichnung „Rektorin“ gilt im Senat der Universität Potsdam künftig auch für Männer: Denn das oberste Gremium der Uni hat nun für seine neue Geschäftsordnung eine geschlechtersensible Sprachreform der besonderen Art eingeführt. Einen entsprechenden Beschluss bestätigte Uni-Sprecherin Birgit Mangelsdorf den PNN am Dienstag auf Anfrage.

In der überarbeiteten Geschäftsordnung soll demnach das sogenannte „generische Femininum“ gelten – damit stehen in dem Papier statt „Professor/ Professorin“ oder „Dozent/ Dozentin“ nur die Wörter „Professorin“ oder „Dozentin“. Das generische Femininum soll also nicht nur Frauen, sondern auch die Männer bezeichnen – anders als die übliche deutsche Sprache, in der die männliche Form automatisch auch die weibliche enthält.

Die Entscheidung des Senats für die Wahl des generischen Femininums – sie fiel ohne Gegenstimmen – habe auch Vorbildcharakter für andere Ordnungen und Satzungen an der Universität, bestätigte Uni-Sprecherin Mangelsdorf. Die Mitglieder einer Arbeitsgruppe hätten sich für diese Sprachvariante entschieden, um im Sinne der besseren Lesbarkeit auf Doppelbezeichnungen wie „Professorinnen und Professoren“ zu verzichten. Zugleich sei die Arbeitsgruppe der Ansicht gewesen, „dass nach Jahrhunderten einer vom patriarchalischen Denken geprägten Sprache die Zeit reif für eine durchgehend weibliche Bezeichnung ist“.

Mit der Entscheidung tritt Potsdam in die Fußstapfen der Universität Leipzig, wo das generische Femininum im April beschlossen wurde – und zwar für die gesamte Grundordnung der Einrichtung. Dies sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Kritiker monierten, solcher Feminismus schade der Sprache und bringe inhaltlich keine Fortschritte. Befürworter argumentierten, dass die Reform am Ende nicht nur in der Sprache zu einem geschlechtergerechteren Umgang unter Männern und Frauen führen könnte.

In einem 2010 von der Uni Potsdam herausgegebenen Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren wird noch empfohlen, mit gendergerechter Sprache Frauen und Männer gleichermaßen sichtbar zu machen und nicht zu diskriminieren – vom generischen Femininum ist darin keine Rede. Uni-Sprecherin Mangelsdorf betonte denn auch, ihr seien keine Aktivitäten bekannt, das generische Femininum auf die gesamte Grundordnung auszuweiten. Allerdings könne jedes Mitglied der Universität solch eine Änderung vorschlagen. Allerdings sei dann ein langwieriger Abstimmungsprozess nötig. Zudem existierten an der Uni derzeit unterschiedliche Formulierungsmodelle für eine gendergerechte Sprache.

Die Geschlechter sind an der Uni Potsdam übrigens unterschiedlich verteilt. In der Überzahl sind Frauen in zwei Bereichen – mit 70 Prozent bei den nicht-wissenschaftlich Beschäftigten und mit 58 Prozent bei den Studenten. Dagegen sind 76 Prozent der Professoren Männer. Von den wissenschaftlichen Mitarbeitern sind knapp 43 Prozent Frauen. Henri Kramer

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