• 11.05.2013
  • von Jana Haase

Arbeit der Mütter

von Jana Haase

Immer mehr Potsdamer nehmen „Vätermonate“, auf dem Arbeitsmarkt bleibt Familie aber ein Frauenthema

Es heißt zwar „Elterngeld“ – und die Zahl der Männer, die sich in den sogenannten „Vätermonaten“ zu Hause an der Familienarbeit und Kindererziehung beteiligen, steigt auch in Potsdam seit der Einführung des staatlichen Beitrages als Ersatz für das ausgefallene Einkommen 2007 stetig an. Auf dem Arbeitsmarkt aber sind Familie und Kinder weiterhin fast ausschließlich ein Frauenthema: Frauen arbeiten nicht nur häufiger in Teilzeit, Frauen steigen für ihre Familie auch eher zumindest vorübergehend ganz aus dem Berufsleben aus – mit allen Nachteilen für Karriere und die spätere Rentenhöhe, die das nach sich zieht.

So sind unter den 6737 im April arbeitslos gemeldeten Potsdamern die Frauen mit 2825 zwar in der klaren Minderheit, wie Arbeitsagentursprecherin Clarissa Schmidt den PNN vorrechnete. Gleichzeitig bestand die Gruppe der sogenannten „Berufsrückkehrer“, die nach mindestens einem Jahr Elternzeit wieder ins Berufsleben einsteigen will, fast ausschließlich aus Frauen: Unter den 165 im April arbeitssuchend gemeldeten Berufsrückkehrern waren nur vier Männer. Während also 5,7 Prozent der arbeitssuchenden Frauen Berufsrückkehrerinnen sind, lag der Anteil bei den Männern bei gerade mal 0,1 Prozent.

Auch beim Wunsch nach einer Stelle in Teilzeit liegen die Frauen deutlich vorn: Während im März dieses Jahres 459 Frauen einen Teilzeitjob suchten, waren es nur 147 Männer. Auch bei den alleinerziehenden Arbeitssuchenden standen in diesem Monat in Potsdam 536 Frauen nur 57 Männern gegenüber.

„Daran sieht man, wie ungleich die Familienarbeit noch verteilt ist“, sagt Ilka Schadow, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Potsdamer Arbeitsagentur, den PNN. Sie sieht noch viel Handlungsbedarf für mehr Chancengleichheit – nicht nur auf privater Ebene, sondern auch bei den Arbeitgebern.

So müssten etwa Frauen, die tatsächlich länger aus dem Berufsleben ausgestiegen sind, bessere Chancen zum Wiedereinstieg bekommen, meint Ilka Schadow, die beim Arbeitsamt entsprechende Programme und Beratungen für Arbeitnehmer und Firmen anbietet. Auch bei der familienfreundlichen Personalpolitik gebe es noch Spielraum nach oben – Schadow nennt als Beispiel die Einrichtung von Betriebskitas. Angesichts des Fachkräftemangels müssten Unternehmen in Zukunft zunehmend familienfreundliche Angebote machen, um Stellen überhaupt noch besetzen zu können, prognostiziert sie gleichzeitig.

Dabei sind die Voraussetzungen – zumindest was die Kinderbetreuung angeht – in Potsdam sogar vergleichsweise gut: Die Betreuungsquote bei den Kindern unter sechs Jahren lag im Juli 2012 bei 75 Prozent – und damit wesentlich über dem Landesdurchschnitt von 59,3 Prozent. Anders als in den alten Bundesländern ist hier auch die Quote der arbeitenden Frauen vergleichsweise hoch: Während deutschlandweit 48,5 Prozent der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren einem sozialversicherungspflichtigen Job nachgehen, sind es in Potsdam immerhin 58 Prozent.

Trotzdem gibt es auch in Potsdam mittlerweile die sogenannte „stille Reserve“: Darunter verstehen die Arbeitsvermittler sehr gut ausgebildete Frauen – meist mit akademischem Abschluss –, die aber schon zehn Jahre und länger zu Hause sind und sich um die Familie kümmern. „Meistens sind sie mit ihrem Mann aus den alten Bundesländern zugezogen“, sagt Ilka Schadow. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssten künftig auch diese Frauen verstärkt wieder in den Arbeitsmarkt geholt werden.

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